Zhuangzi 15.1

刻意

Ingrained Ideas

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刻意尚行,離世異俗,高論怨誹,為亢而已矣,此山谷之士,非世之人,枯槁赴淵者之所好也。語仁義忠信,恭儉推讓,為修而已矣,此平世之士,教誨之人,遊居學者之所好也。語大功,立大名,禮君臣,正上下,為治而已矣,此朝廷之士,尊主強國之人,致功并兼者之所好也。就藪澤,處閒曠,釣魚閒處,無為而已矣,此江海之士,避世之人,閒暇者之所好也。吹呴呼吸,吐故納新,熊經鳥申,為壽而已矣,此道引之士,養形之人,彭祖壽考者之所好也。

Ingrained ideas and a high estimate of their own conduct; leaving the world, and pursuing uncommon ways; talking loftily and in resentful disparagement of others - all this is simply symptomatic of arrogance. This is what scholars who betake themselves to the hills and valleys, who are always blaming the world, and who stand aloof like withered trees, or throw themselves into deep pools, are fond of. Discoursing of benevolence, righteousness, loyalty, and good faith; being humble and frugal, self-forgetful and courteous - all this is simply symptomatic of (self-)cultivation. This is what scholars who wish to tranquillise the world, teachers and instructors, men who pursue their studies at home and abroad, are fond of. Discoursing of their great merit and making a great name for themselves; insisting on the ceremonies between ruler and minister; and rectifying the relations between high and low - all this shows their one object to be the promotion of government. This is what officers of the court, men who honour their lord and would strengthen the state and who would do their utmost to incorporate other states with their time like the (dormant) bear, and stretching and twisting (the neck) like a bird - all this simply shows the desire for longevity. This is what the scholars who manipulate their breath, and the men who nourish the body and wish to live as long as Peng Zu are fond of.
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Jullien Sein Leben nähren 141
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Kann man die Ideale der Menschlichkeit ohne die Stütze der Zweckbestimmung aufstellen? Der Zhuangzi entfaltet dazu einen Fächer, der vom Asketen, der die Welt ablehnt, bis zum Adepten des Langen Lebens führt:
"Es gibt jene, die sich den Kopf zerbrechen, um ihr Verhalten zu verbessern, die sich von der Welt zurückziehen und exzentrische Sitten haben, und die sich im Namen von Prinzipien beklagen und schimpfen: diese Eremiten der Berge und Gewässer haben sich darauf verlegt, " sich durch Askese auszutrocknen" oder " sich in die Tiefe der Gewässer zu stürzen". Es gibt jene, "denen es um Menschlichkeit", "Gerechtigkeit" und von allen moralischen Tugenden gelebt und die sich mit der Vervollkommnung ihrer Person beschäftigen: Sie haben sich darauf verlegt, den Frieden der Welt zu sichern und " von Hof zu Hof oder in ihrer Schule lehren". Es gibt solche, die " von Großtaten sprechen und ihren Ruf festigen wollen", die die Umgangsformen zwischen Fürsten und Vasallen sowie das richtige Verhalten festlegen, dem oben wie unten in der Gesellschaft zu folgen ist: diese Höflinge haben sich darauf verlegt, " Ordnung in der Welt herrschen zu lassen und ihr Fürstentum zu stärken". Es gibt jene, die "an Seen und in Sümpfen umhergeistern" und sich darin gefallen, in der Einsamkeit zu angeln und nichts zu tun: diese "Gäste der Flüsse und Seen" haben sich darauf verlegt, " den Müßiggang zu genießen". Und schließlich gibt es jene, die sich mit Atemübungen beschäftigen und verschiedene Gymnastiken praktizieren, um die Langlebigkeit zu erreichen: Sie haben sich darauf verlegt, " ihre körperliche Form zu nähren" und "so alt wie Pengzu zu werden" Zhuangzi15.1
Bei dieser Parade von idealen Lebensformen wird einem zunächst auffallen, dass zwei große Gestalten fehlen: es gibt hier weder einen Platz für den Philosophen noch für den Religiösen; es werden weder die Begierde nach Erkenntnis noch die mystische Berufung berücksichtigt, die Kontemplation und das kontemplative Leben werden nicht betrachtet. Dann wird man feststellen, dass diese Lebensformen nicht hierarchisiert sind, sondern parallel präsentiert werden, ohne dass irgendein Treiben ein anderes überragen und es beherrschen würde. Insbesondere die beiden letzteren Typen, zwischen denen gemeinhin die daoistische Tradition angesiedelt ist, dass unbesorgte und müssiggängerische Leben in der Natur und die dem langen Leben gewidmete Sorge, werden nicht bevorzugt. Es gibt keine Idealkonstitution durch die Ablösung oder die Überbietung von anderen und keine Befürwortung eines höheren Terms, der sich als einheitlicher Term, welcher unsere Bestimmung kennzeichnet, aufdrängen würde; es gibt keine Konstruktion von Zwecken, die auf einen Endzweck ausgerichtet sind.
Wo findet sich also in dieser Aufzählung die Position des Weisen? Er hat keinerlei Zuordnung, durch die man ihn einordnen und charakterisieren könnte; aber er nimmt auch keine Position außerhalb dieser Auflistung ein. Der Zhuangzi erstellt einfach diese Liste, indem er systematisch den gewonnenen Vorteil festhält und die Zielfunktion zurückzieht; damit lässt er die Logik der Zweckbestimmung in die der Konsequenz umkippen. Was den Weisen betrifft, heißt es:
"Ohne sich den Kopf zerbrechen zu müssen wird sein Leben erhöht; ohne sich mit der Moral beschäftigen zu müssen, vervollkommnet er sich; ohne große Taten begehen zu müssen, lässt er Ordnung in der Welt herrschen; ohne am Ufer der Flüsse oder des Meeres leben zu müssen, genießt er den Müßiggang; ohne sich zu Atemgymnastiken zwingen zu müssen, hat der Zugang zum Langen Leben" Zhuangzi 15.
Er profitiert von all diesen Möglichkeiten gleichzeitig, und zwar als Resultat und ohne danach gestrebt zu haben; er neigt zu keiner Möglichkeit und lässt sich somit nicht von ihrer Begrenztheit einschränken. Die Lösung ist keine Synthese, sondern ein Loslassen und folglich ein Erlangen ohne Ziel: "Es gibt nichts von all dem, was er nicht loslässt, und es gibt nichts von all dem, was er nicht hätte"...


Zhuangzi


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