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達生: 工倕旋而蓋規矩,指與物化,而不以心稽,故其靈臺一而不桎。忘足,履之適也;忘腰,帶之適也;知忘是非,心之適也;不內變,不外從,事會之適也。始乎適而未嘗不適者,忘適之適也。
The artisan Chui made things round (and square) more exactly than if he had used the circle and square. The operation of his fingers on (the forms of) things was like the transformations of them (in nature), and required no application of his mind; and so his Intelligence was entire and encountered no resistance. To be unthought of by the foot that wears it is the fitness of a shoe; to be unthought of by the waist is the fitness of a girdle. When one's wisdom does not think of the right or the wrong (of a question under discussion), that shows the suitability of the mind (for the question); when one is conscious of no inward change, or outward attraction, that shows the mastery of affairs. He who perceives at once the fitness, and never loses the sense of it, has the fitness that forgets all about what is fitting.
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Wohlfart-Leben 140
Handwerker Chui konnte freihändig so gut zeichnen,
als benutzte er Zirkel und Winkel,
weil seine Finger mit der Entwicklung (Veränderung) der Dinge mitgingen bzw. sich genau an ihren Verlauf anpassten (yu wu hua), sie unterstützten und er mit seinem Herz-Geist (xin) keine Kontrolle ausübte.
Deshalb blieb sein geistiger Ruhepol eins mit sich und ungestört.
Du vergisst (wang) den Fuß, wenn der Schuh passt (shi).
Du vergisst die Taille, wenn der Gürtel passt.
Du vergisst richtig und falsch (für und wider), wenn der Herz-Geist passt.
Du bist ohne innere Bewegung (ohne Wankelmütigkeit) und ohne äußere Folgsamkeit (Gefügigkeit), wenn das Zusammentreffen passt (shi). d.h. wenn es sich gut trifft.
Wenn du mit dem Passenden (shi) anfängst (wenn du es richtig anfängst) und nicht das Unpassende (bu shi) erfahren (schmecken) musst.
Du vergisst das Passen des Passens (shi zhi shi), d.h. du vergisst, dass das Passende das Passende ist.
達生:
工倕旋而蓋規矩,
指與物化,
而不以心稽,
故其靈臺一而不桎。
忘足,履之適也;
忘腰,帶之適也;知忘是非,
心之適也;
不內變,不外從,
事會之適也。
始乎適而未嘗不適者,
忘適之適也。
yu wu hua 與物化
化 huà to make into; to change into; -ization; to transform
xin 心
wang 忘 wàng to forget; to overlook; to neglect
shi 是 is; are; am; yes; to be
shi fei 是非 richtig/falsch
shi 適 - angenehm, angemessen, passen, zusammengehen,
Grundbedeutung gehen.
bu shi 不適
shi zhi shi 適之適
Als Beispiel für eine sehr zwanglose und freie, aber unpassende Übersetzung sei hier die Übertragung von Schellenberger/Merton genannt: Kein Zwang, kein Druck, kein Mangel, keine Verlockung: All das Deine ist unter Kontrolle. Du bist ein freier Mann. Sei locker, dann machst du es recht. Mache es recht, dann wirst du locker. Bleibe locker, und du handelst recht. Der rechte Weg, locker zu werden, ist, den rechten Weg zu vergessen und auch zu vergessen, dass es dich locker macht.
Es geht um das Passende. Ein Schuh passt gut, ebenso wie ein Gürtel, wenn er weder zu eng ist, noch zu locker. In diesem Punkt steht es mit guten Schuhen und Gürteln wie mit guten Wagenrädern. Was das Passende im lapidarsten den Sinn des Wortes angeht, denkt der Verfasser an den Bau seiner Trockensteinmauern.
143
Alles kommt auf die Passung an. Es gilt gut aufzupassen, um nicht den rechten Augenblick zu verpassen... es kommt darauf an, die gute, die passende Gelegenheit beim Schopf zu fassen. Es ist gut, die passende Antwort zu geben auf das, was passiert. Und das ohne Getue tun zu können, muss man gut auf die momentane Situation eingespielt sein... dazu braucht er einen klaren Herz-Geist. Ein klarer Herz-Geist ist ein leerer Herz-Geist. Nur eher kann die Sachlage klar widerspiegeln. Ein leerer Herz-Geist ist ein Herz-Geist, der die Prinzipien, Maximen, Richtlinien und Regeln verinnerlicht (erinnert) und vergessen hat. Er braucht keine bewusste Kontrolle mehr auszuüben, mehr noch: er darf als Kontrollinstanz nicht mehr intervenieren, denn das, was sich gutmacht, regelt sich dann in einem Regelkreislauf selbst. Dieses Nicht-Intervenieren (wu wei) ist offenbar von entscheidender Bedeutung.
Jullien-nähren142
Zweckbestimmung
Warum das chinesische Denken kaum eine Idee der Zweckbestimmung entwickelt und folglich keine Glücksidee formuliert hat. Oder sich vielmehr nicht dafür interessiert hat.
Auch die Nicht Entwicklung einer Idee kam für das Denken zu einem wichtigen Ereignis werden. Ich erkenne zugleich an, dass es zweifellos eine der schwierigsten Anpassungsoperationen ist (so wie man sagt: Anpassung der Sehschärfe), sich im europäischen Kontext von der projizierten Erwartung der Zweckbestimmung zu lösen: es braucht Geduld und wiederholte Bemühung (nicht eine Anstrengung der Intelligenz), damit das ganze Begriffs Gebäude nach und nachumgebaut werden kann, wenn der Schlussstein heraus-genommen wird, der unserem Gebäude Halt gab, und damit man in die Kohärenz der Weisheit eintreten kann. Übrigens ebenso der Weisheit wieder Strategie. Denn selbst die Strategie wird in China nicht von der Zweckbestimmung geleitet. Man kann in das Denken der Kriegskünste im alten China nur eintreten, wenn man begreift, dass ihr General sich kein spezielles, festgelegtes Ziel setzt, und gleichzeitig buchstäblich keine Absicht hat, sondern so vorgeht, dass er das Potenzial der Situation zu seinem "Profit" (ein durchaus chinesische Begriff, nämlich der des li) ausnutzt.
Der Erfolg gehört nicht zur Ordnung des Ziels, sondern zu der des Ergebnisses, wie eine reife Frucht, die bereit ist, herabzufallen. Aus syntaktische Sicht ist die im allgemeinen vom chinesischen Denken bevorzugte Beziehung die der Konsekution (ze: "so dass"; er: "daraus ergibt sich, dass) etc.).
Im chinesischen gibt es keine Rektion und auch nicht das Arsenal von Präpositionen, welche im Griechischen das Spektrum der Zweckbestimmung weit öffnen. Ebenso kennt das chinesische Denken aus begrifflicher Sicht zwar das Motiv der Zielscheibe und des Schießen ist auf den Mittelpunkt der Zielscheibe (zhong), wie es auch das des vorgezeichneten Schemas oder Plans (tu) kennt, sprich, es greift zusätzlich auf das Motiv des "Ziels" oder Handlung (di, insbesondere im Denken der Legisten) - aber es hat sie nicht zu klärenden Begriffen erhoben, aus denen sich eine Kohärenz ergeben würde.
Als Beweis mag erneut die Tatsache dienen, dass man Ziel ins moderne chinesische übersetzen musste (mudi, mubiao), um den westlichen Sprachen gerecht zu werden. Der griechischen Sorge um das telos und den Zweck setzt das chinesische Denken also das entgegen, was ich im Einklang sein genannt habe, was umso gelungener ist, als seine Entsprechung nicht nur nicht Zielobjekt ist, sondern sogar vergessen werden kann.
"Den Fuss vergessen zu lassen, ist die Entsprechung des Schuhs; die Taille vergessen zu lassen, ist die Entsprechung des Gürtels... wenn man sich daran macht, Entsprechung zu haben und es gibt keine Nichtentsprechung mehr, das ist dann die Entsprechung, die die Entsprechung vergessen lässt" Zhuangzi 19.13
Dem Denken der Zielbestimmung setzt Zhuangzi das der "freien Entwicklung" (you) entgegen, die nach Belieben abläuft und keinen zugeordneten Hafen hat und nicht einmal Unruhe hervorruft, was ihr Ergebnis betrifft. Aber gibt es nicht dennoch eine Spannung in Richtung auf, eine Ambition und einen Willen, etwas zu erreichen?
Zhuangzi
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