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BaeckerKom-Vorwort:
Seite 10: Nicht die außerordentlich skeptische geistes- und sozialwissenschaftliche Diskussion von Shannons mathematischer Kommunikationstheorie, sondern eine weitere und spätere mathematische Idee erlauben es, Shannons ursprüngliche Einsicht aus ihrer Begrenzung auf das Feld der technischen Signalübertragung zu befreien und für die Ausformulierung einer allgemeinen Theorie der Kommunikation zu nutzen.
Diese Idee besteht darin, eine Unterscheidung im Hinblick auf ihre Form zu beobachten und unter einer Form nicht nur die beiden Seiten der Unterscheidung, sondern auch den Raum zu verstehen, der dadurch eröffnet wird, dass sie getroffen wird.
Aus der Perspektive der mathematischen Idee der Form der Unterscheidung, wie sie George Spencer Brown vorgelegt hat, zielt die ursprüngliche Einsicht Shannons nicht auf die Vorstellung eines Übertragungsbegriffs der Kommunikation, [p011] sondern auf einen Selektionsbegriff der Information. Information wird, auf der Seite des „Senders“ ebenso wie auf der Seite des „Empfängers“, verstanden, wenn sie als Selektion aus einem Auswahlbereich möglicher Nachrichten begriffen wird.
Erst der Formbegriff Spencer Browns erlaubt es, in aller Deutlichkeit zu unterstreichen, dass es auf das Lesen einer Nachricht im Kontext des Mitlesens ihres Auswahlbereiches ankommt, wenn man von Information und dann auch von Kommunikation dieser Information reden will.
Im Anschluss an die Reformulierung des Informationsbegriffs Shannons aus der Perspektive des Formbegriffs Spencer Browns braucht man dann nur noch die Annahme Shannons, dass der Auswahlbereich definiert ist, das heißt aus einer endlichen Menge möglicher Nachrichten besteht, zugunsten der Annahme eines unbestimmten, aber bestimmbaren Auswahlbereichs zu korrigieren, um die Anwendung der mathematischen Kommunikationstheorie auf Fragen technischer Kommunikation zugunsten ihrer Anwendung auf Fragen sozialer Kommunikation zu erweitern. Nicht mehr und nicht weniger als dies wird mit dem vorliegenden Buch versucht.
BaeckerKom-Kap1.1
Seite 23: Wenn man diese Prämisse eines determinierten Auswahlbereichs fallen lässt, verliert man die statistische, aber nicht die mathematische Bestimmtheit des Shannon'schen Informationsbegriffs. Dann braucht man an dieser Mathematik nur festzuhalten, um an einer Kommunikationstheorie zu arbeiten, deren entscheidende Einsicht nach wie vor darin besteht, dass Kommunikation Information erarbeitet, die [p023] bestimmte Nachrichten in ein Verhältnis zu einem mitzulesenden, jetzt aber unbestimmten Auswahlbereich möglicher anderer Nachrichten setzt. Kommunikation, wird dies dann heißen, arbeitet an der Bestimmung des Unbestimmten, aber Bestimmbaren, um Bestimmtes verstehen zu können.
Wir werden herausarbeiten, dass diese Verallgemeinerung der mathematischen Kommunikationstheorie über ihre technische Verwendung hinaus einer weiteren mathematischen Idee zu verdanken ist, die George Spencer Brown 1969 in seinem Buch //Laws of Form// vorgestellt hat, nämlich der Idee einer Zweiseitenform der Unterscheidung [16]. Diese Idee erlaubt es, sich genauer anzuschauen, was es heißt, etwas Bestimmtes im Kontext von etwas Unbestimmten, aber Bestimmbaren, zu beobachten. Die Unterscheidung, von der Spencer Brown spricht, ist eine Selektion im Sinne des mathematischen Ausgangspunkts von Shannon. Und die Form, auf die diese Unterscheidung als Zweiseitenform verweist, definiert die Redundanz, an deren Vergrößerung gemäß einem treffenden Wort von Gregory Bateson alle Kommunikation arbeitet.“ [17]
Seite 24: Ein Vorteil des Wechsels von Shannons wahrscheinlichkeits-theoretischer Mathematik zu Spencer Browns Formkalkül [p024] besteht im Übrigen darin, gegenüber dem kategorialen Aspekt jeder Selektion, der für ihre statistische Auswertbarkeit maßgebend ist, ihren operativen Aspekt betonen zu können, dem sie ihr Zustandekommen verdankt.
Selektionen ordnen nicht die Ereignisse, Gegenstände und Zustände der Welt, sondern sie bringen diese Welt allererst hervor. Wir brauchen daher eine Möglichkeit, zurückfragen zu können, wer oder was die Selektion vornimmt, in welchen Zuständen (Auswahl bestimmter Nachrichten) sie resultieren und auf welchen Raum redundanter Möglichkeiten (Auswahlbereich möglicher Nachrichten) sie bezogen werden, um verarbeitet werden zu können. Jede Selektion wird daher als eine Unterscheidung verstanden, die aktuell vollzogen werden muss und auf ihre Zweiseitenform hin beobachtet werden kann. Auf dieser Grundlage können wir den Shannon'schen Kommunikations-begriff dann wie folgt notieren:
Kommunikation = (1(2Selektion) Redundanz)2
Wir werden die Eigenschaften der Notation des Formkalküls später ausführlicher einführen (Kap. 2.1). Hier mag es genügen, auf den Zusammenhang von Operation (das Stattfinden einer Selektion) und Unterscheidung (die Interpretation der Selektion im Kontext der Unterstellung eines Redundanzraums von Möglichkeiten) zu verweisen, der eine Form definiert.
BaeckerKom-Kap1.2
Seite 30: Das Zweite ist, und damit kommen wir sowohl auf Shannon und Wiener als auch auf Spencer Brown zurück, dass das Konzept der Kommunikation, an dem wir hier arbeiten, nur auf der Grundlage basaler Oszillationen vorstellbar ist, die überdies, sobald wir und die Reproduktion von Kommunikation[p030] als System vorstellen, als nichtlineare Oszillationen gedacht werden müssen. Gemeint ist damit, dass jede einzelne Information, die in der Kommunikation von der Kommunikation generiert und reproduziert wird, eine Information ist, die aus der Oszillation, dem Hin und Her eines Wechsels zwischen der Beobachtung einer einzelnen Nachricht und der Beobachtung ihres Auswahlbereichs möglicher Nachrichten, geboren ist.
Spencer Browns Formbegriff erlaubt es uns zu sagen, dass die eine Beobachtung (der Nachricht) nicht etwa in einem ihrerseits kontingenten, sondern in einem notwendigen Verhältnis zur anderen Beobachtung (des Auswahlbereichs) steht, wenn es zur Interpretation der Nachricht als Information kommen soll. Wir können deswegen und mit Spencer Brown formulieren, dass die Selektion einer Nachricht und die Redundanz des Auswahlbereichs die zwei Variablen einer Gleichung der Kommunikation sind, deren zwei Konstanten die Unterscheidung zwischen Nachricht und Auswahlbereich und die Unterscheidung und Wiedereinführung des Auswahlbereichs sind.
Nichtlinear ist die Oszillation, weil sie entsprechend dem Basistheorem der Systemtheorie in der Lage sein muss, in der Oszillation den Gegenterminus auszuwechseln, um von Reproduktion auf Störung umschalten zu können und auch aus der Störung Momente der Reproduktion gewinnen zu können. Denn das Basistheorem der Systemtheorie lautet:
S != S, wenn S = S(S, U)
Das System, // S //, ist nicht identisch mit sich selbst, wenn es die Funktion, // S //, und seiner Umwelt, // U //, ist. [28] Wir kommen auf die Systemfunktion später, im Kapitel 4.2., zurück.
Boe: Hier komme ich als "erziehungshandikapierter Minimalmathematiker" nicht mehr mit. Wer erklärt mir das?
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