MENSCH  UND  SPRACHE
UBoeschenstein

2 / II             VERSTEHEN
 
 

BEDEUTEN                 PRAGMATIK

Die Pragmatik, untersucht die Beziehung von Zeichen zu ihren Interpretatoren. 
Wie gehen Kommunikationspartner mit Zeichen um? Wie brauchen wir Zeichen? Verarbeiten Sender und Empfänger Zeichen auf gleiche Weise? 

Die grundlegende Erkenntnis der pragmatischen Forschung ist die Wiederlegung des Identitätsmodells: Es gibt keinen für Sender und Empfänger identischen Code. Der Begriff Code muss neu definiert werden. Code bezieht sich nicht auf den Inhalt von Denkprozessen, sondern auf die Regeln der Denkprozesse selber. Der gemeinsame Code ist ein nach erstaunlich übereinstimmenden Mustern  funktionierendes Gehirn.

Auf der Ebene der Verarbeitung von Zeichen sind unsere Gehirnprogramme inhaltlich ganz verschieden. Wir produzieren Bedeutung nach individuell gelernten Erfahrungen. Das bedeutet, dass wir die Bedeutung von Sprache nicht mehr als Struktur von der Art unserer Wörterbücher beschreiben können. 

Bedeutungsforschung ist nicht mehr - wie in der traditionellen Abbildungshypothese - eine Suche nach Übereinstimmung von Inhalt und Referent; pragmatische Bedeutungforschung untersucht, wie Sprecher Sprache brauchen, wie sie interpretieren. 

Zentrales Problem ist dabei die Subjektivität der Interpretationsprozesse. Die Zuweisung von Bedeutung ist nicht objektiv fassbar. Es spielen beim Verstehen von Sprache subjektive Erfahrungen eine entscheidende Rolle. Mit solchen subjektiven Phänomenen konnte die objektive Wissenschaft mit ihrem Abbildungsmodell nicht umgehen. Menschen verstehen ihre Welt immer durch subjektive Interpretationsprozesse. Wir “wählen” Bedeutung. 

Repeatable experimentation is at the heart of all scientific work. The mechanisms with which the objective sciences are concerned must operate in accordance with universal laws - which need not be fully deterministic, but must at least give objective probabilities of outcomes.

What could not be dealt with in this way are choices or decisions of a person or agent, if it be the case that each outcome is neither pre-determined nor random within pre-determined probability parameters; but rather is selected by the person or agent for non conclusive reasons. Conscious experiences have a role which can’t be fully replicated or simulated by mechanisms which simply operate in accordance with universal laws.   David Hodgson 

Was wir Wahrheit nennen, lässt sich nicht als Übereinstimmung unseres Bildes mit dem Objekt, dem “Ding  an sich” beweisen, Wahrheit ist Übereinkunft von Denkern, deren subjektive mentale Prozesse, Gefühle und Gedanken einem Beobachter von aussen nicht zugänglich sind.

Beobachtbar ist nur das äussere Verhalten. Die Verhaltensforscher der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts behaupteten, dass sich Verhalten durch das Beobachten von äusseren Anstössen (Stimulus) und Reaktionen (Response) erkären lasse. Lebewesen waren konditionierte Automaten. Es ist erst durch die Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung der letzten Jahrzehnte klar geworden, dass Entscheidungprozesse von Lebewesen eben gerade nicht automatisch sind, sondern kreativ, immer wieder neu. Besonders die Lebewesen mit grossen Gehirnen sind in der Lage, immer wieder neu und überraschend zu reagieren. Sie können entscheiden. Die Fähigkeit zu wählen macht den Umgang mit Lebewesen zu einem schwierigen Spiel - wie Alice im Wunderland feststellte - “a very difficult game indeed”.
 

ENTSCHEIDEN

At a deeper level of description, the choices arise as the result of some presently unknown non-computable mathematical/physical (i.e. “Platonic realm”) theory, that is they cannot be deduced algorithmically. Such non-computability is essential to consciousness, because (at least some) conscious mental activity is unattainable by computers.   Penrose 

Entscheidungen - so beschreibt der englische Mathematiker Roger Penrose - sind durch Prozesse bestimmt, die sich nicht berechnen lassen. Sie werden bestimmt durch Ereignisse auf der Quantenebene, deren Ordnungen wir mit unseren herkömmlichen Modellen nicht beschreiben können. Bewusstsein und Geist sind Phänomene, die nach unbekannten Regeln entstehen. Lebewesen mit komplexen Gehirnen entscheiden frei. Sie haben einen freien Willen, und wir können das Entstehen dieses Willens nicht nach objektiven Regeln berechnen. 
 

KREATIV DENKEN

Im Falle der Handlungskoordination von Menschen, die ja ihre Absichten und Pläne besprechen können, zeigte sich, dass die Gedankenarbeit des Verstehens durch den Hörer kreativ ist. Hören und Verstehen heisst immer auch Ungesagtes ergänzen. Der amerikanische Sprachphilosoph Paul Grice nannte solche Ergänzungen Implikaturen. 

Spracheverstehen bedeutet vervollständigen, was der Codierungsprozess des Sprechers offen liess. Es wird beim Verstehen mehr mitbedacht, als tatsächlich gesagt wurde. Der Sprecher verlässt sich beim Reden darauf, dass ihn der Hörer verstehen wird. Es gibt zwischen Sprecher und Hörer einen ungeschriebenen und unausgesprochenen Vertrag, nach dem wir einander nur Sinnvolles und Wichtiges mitteilen (Relevanz). 
Stillschweigende Verhaltensregeln verpflichten die Sprecher, so zu kommunizieren, dass die Aussage für den Empfänger “relevant” ist . Kommunikation wird dabei definiert als aktives Beeinflussen eines anderen Individuums. Lebewesen kommunizieren, weil sie etwas beeinflussen wollen. Sprechende Menschen setzen voraus, dass die Lautfolgen, die sie hören, etwas bedeuten und sie geben sich beim Hören immer Mühe, etwas zu verstehen (Dunbar). Absichten unserer Mitmenschen verstehen, wissen, wer-wem-was tun will, das ist die grundlegende Fähigkeit des Kommunizierens.
 
 

KOMMUNIZIEREN

Er: Ich verlasse Dich.
Sie: Wer ist sie?     (Dunbar )

Menschen können aus diesem Kürzest-Drama eine ganze komplexe Geschichte konstruieren (Pinker), ein abendfüllendes Fernsehdrama. Evolutionpsychologen nennen diese Fähigkeit “soziale Intelligenz”. 

Es geht um Fähigkeiten der Kommunikation zwischen Individuen. Wo aus einer anonymen Herde eine Gruppe von Individuen entstanden ist, müssen die Partner immer wieder interagieren. Sie lernen sich gegenseitig beeinflussen. Das schnelle Erkennen von Wer-wem-was-tut und das Reagieren auf Zeichen ist die entscheidenste Denkfähigkeit aller soziallebender Wesen. 

Das Verstehen  der sozialen Welt ist für kleine Kinder eine viel schwierigere Aufgabe als das Erkennen der Dinge (physikalische Umwelt). Das Überleben von Kleinkindern hängt weitgehend von ihren sozialen Fähigkeiten ab (social skills).    Dunbar
Evolutionspsychologen (Cosmides) nehmen an, dass sich in den Gehirnen von Gemeinschaftstieren (social animals) ein spezielles Zentrum, ein Modul, entwickelt hat. Dieses Beziehungs-Erkennungs-Netzwerk haben Menschen von ihren Vorfahren übernommen. Beziehungen zu verstehen ist eine Form des Erkennens, die für menschliches Denken ganz entscheidend ist (Cosmides /Tooby ). Wir suchen hinter allen Prozessen einen Handelnden, d.h. wir schreiben sowohl Personen, wie auch Tieren und Maschinen Absichten, Wünsche und Glauben zu. Prozesse haben ihren Ursprung in einer “Intention”.  
 

WOLLEN - GLAUBEN

Der Begriff “Intentionalität” bedeutet Gerichtetsein auf etwas. Wir bezeichnen so mentale Prozesse “über etwas” (aboutness): etwas glauben, etwas wollen, etwas fürchten. Die mittelalterlichen Denker, die den Begriff in die Philosophie des Denkens einführten, verstanden unter “Intentionalität” das Verändern des wahrnehmenden Selbst in Bezug auf das Aussen (und das Wahrnehmen von sich selbst  durch das Verstehen der Veränderungen der Beziehung des Selbst zur Aussenwelt). Wahrnehmen, so erkannten die Denker, ist eine geitige Tätigkeit im Innern des Erkennenden. Erkenntnis hat keinen direkten Bezug zum Aussen. Es entstand der Begriff “Solipsimus”, das Eingeschlossensein in die eigene innere Welt. Es kommt kein Wissen durch die Sinne ins Gehirn. (Freeman ) Unser Wissen über die Welt ist - unabhängig vom Aussen - vom Gehirn konstruiert.  Solipsismus, die Abgeschlossenheit des erkennenden Individuums, ist nicht nur für Menschen ein Problem. Alle Lebewesen sind von ihrer Umwelt abgeschlossen, sie konstruieren Modelle der Umwelt in ihrem Innern. 
Wie lernten dann solche “einsame Organismen” miteinander interagieren? Wie lernten sie zu kommunizieren?Walter Freeman schreibt: “Brains are preeminently social in nature” . Gehirne sind Organe, die den Austausch mit anderen steuern. 
 
 
 

MIND-READING        THEORY OF MIND

Verstehen heisst immer Zusammenhänge konstruieren, Beziehungen zu entdecken. Am Grund des Verstehens liegt die Fähigkeit, die Gedanken der anderen zu lesen. Im englischen Sprachbereich haben die Psycholinguisten dafür das Wort “mind-reading” geprägt. “Mind-reading” bedeutet, in der Lage sein, den anderen Motive zuzuschreiben, denken zu können, was in den anderen vorgeht, vorausberechnen können, wie die anderen reagieren. Unsere Erwartungen und unsere Erinnerungen bestimmen, wie und was wir verstehen. Wahrnehmen und Handeln sind Gehirnprozesse, die unabhängig von äusseren Einflüssen (sensory input) innere Bilder erzeugen und durch Anregungen unsere Motorik steuern. 
Lebewesen steuern ihr Verhalten auf Grund von Annahmen über die Welt (Hypothesen). Solche Annahmen (beliefs) sind auf vielen Ebenen möglich. Ich kann glauben und ich kann glauben, dass ich glaube. Ich kann glauben, dass sie glauben und ich kann glauben, dass sie glauben, dass ich glaube. 

Diese Ebenen des Verstehen  nennen die Philosophen Intentionalitätsebenen, Verhaltensforscher sprechen von einer “Theory of Mind”. In sozial lebenden Gruppen entwickelte sich die Fähigkeit des Lesens von Gedanken anderer Gruppenmitglieder (mind-reading) aufgrund von Annahmen über Annahmen der anderen (Theory of Mind ).

Wir nennen diese Fähigkeit auch Empathie - Einfühlungsvermögen. Es entsteht, wenn Lebewesen in der Lage sind, Erinnerungen an andere Mitglieder der Gruppe zu speichern und dadurch in die Lage kommen, die anderen als andere zu “erkennen”. Tierverhaltensforscher stellten fest, dass die Fähigkeit, sich den anderen und seine Geistestätigkeit vorzustellen, erst in den Grossaffen auftaucht. Nicht alle Primaten sind dazu in der Lage. 

Makaken können gut beobachten und imitieren das Verhalten von anderen. Sie können sich aber nicht vorstellen, dass der andere andere Vorstellungen der Welt haben könnte. Ihre eigene Weltsicht ist die einzig mögliche, sie muss für alle wahr sein. Menschenkinder müssen in einem langen Lernprozess lernen zu unterscheiden, was wahr ist und was man als wahr denkt, was man nur glaubt, es sei wahr. Bis sie etwa vier Jahre alt sind, ist ihre eigene Erfahrung immer wahr und sie können sich nicht vorstellen, dass die Ansichten und Erfahrungen der Welt für andere verschieden sein können . 

Die Theorie des Gedankenlesens (Theory of Mind), die sich in vielen Stufen entwickelte (Intentionalitätsebenen), ermöglicht es den erwachsenen Menschen nachzudenken, d.h. über Gedanken zu denken. Es entstanden höhere Stufen der Abstraktion, die uns das Reflektieren über unsere eigenen Gefühle möglich machten . Über die eigenen Gefühle zu denken, die eigenen Gefühle und Gedanken zu verstehen, ist die Voraussetzung, die mentalen Zustände anderer zu verstehen .

Es regnet! Sie verstehen auf einer ersten Ebene mühelos, dass ich ihnen mitteile: Es regnet. Sie verstehen aber ebenso mühelos eine zweite Interpretationsebene: Der Sprecher will, dass der Hörer glaubt, dass es regnet. Und sie verstehen eine dritte und eine vierte Ebene. Sie verstehen, dass ich will, dass sie wissen, dass ich will, dass ich glaube, dass es regnet. Sprache verstehen heisst, auf vielen Ebenen nach Ordnungen zu suchen, Information zu konstruieren .
Wie ist diese Fähigkeit der Ordungssuche entstanden? Menschenkinder lernen in ihren ersten Lebensjahren eine Theory of Mind. Sie lernen zwischen geistigen (mentalen) Ereignissen und “realen” Ereignissen unterscheiden. Träume sind nicht “real”, sie finden innen statt, können von anderen nicht wahrgenommen werden und wir “machen” sie selber. Die Elemente solcher Unterscheidungen, mit denen wir unsere Weltbild aufbauen, entwickeln Kinder in einem langen Prozess. 
 

Für uns Erwachsene sind solche Unterscheidungsprozesse so automatisch geworden, dass wir sie für selbstverständlich halten und nicht mehr erkennen können, wie komplex diese Intentionalitätsebenen zusammenwirken. (Shear )

Ebenen der Intentionalität sind Ebenen der bewussten Wahrnehmung (awareness). 

0    Maschinen haben keine bewusste Wahrnehmung, sie haben keine Intentionen, sie wollen nichts. Wenn Menschen bewusstlos sind, haben auch sie Null-Intentionalität. 

1    Intentionalität erster Ordnung heisst “etwas glauben”. Sie unterliegt zum Beispiel Descartes berühmtem Satz: Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Ich glaube, dass ich denke. Ich glaube, dass etwas der Fall ist. 

2    Intentionalität zweiter Ordnung ist der Glaube an den Glauben. Ich glaube, dass Du etwas glaubst. Diese Stufe der Zuordnung, der Glaube, dass andere Lebewesen denken, ist schon auf der Stufe vieler Tiere beobachtbar. 

3    Die dritte Stufe, Intentionalität dritter Ordnung, hat sich bei den sozial lebenden Primaten entwickelt. Sie sind in der Lage zu wissen, dass der andere etwas anderes glauben kann, als sie selber. Lebewesen, die diese dritte Stufe der Intensionalität erkennen können, können glauben, dass andere nicht glauben, was sie selber glauben. Sie können lügen. 

4    Menschen können auch Intentionalität vierter Ordnung verstehen. Ich glaube, dass du glaubst, dass ich glaube, dass du glaubst.

Die höheren Ebenen des Verstehens nennen die Evolutionspsychologen “mind-reading”. Ansätze dieser Formen des Erkennens gibt es, wie gesagt, schon auf der Stufe anderer Lebewesen. Den Schimpansen ist Intentionalität 3. Ordnung möglich. Nur die sprechenden Menschen haben Zugang zu Interpretations-prozesen höherer Ordnung. Menschen können Geschichten verstehen, 

ERZÄHLEN

Mind-reading is the necessary foundation of narrativity. 
                   Carrithers

No other species has a well-developed Theory of Mind to be able to explore the mental world of others.        Dunbar

Lebewesen mit Bewusstsein der dritten Intentionalitätsstufe können sich vorstellen, wie jemand, den es gar nicht “wirklich” gibt, sich verhalten könnte. Sie können Geschichten erfinden , sie können in der Phantasie eine Welt erschaffen und diese Gedanken anderen vermitteln. Menschen haben mit ihren Symbolen, ihren Wörtern, einen ganz neuen Zugang zur mentalen Welt anderer Lebewesen entwickelt. Wir können nicht nur mitteilen, wir können miteinander Welten teilen . Wir erfinden dazu Geschichten, wir erzählen uns Träume und wir singen Geschichten.

Wir brauchen die in Wörtern gesammelte Erfahrung unserer Vorfahren in bestimmten sozialen Kontexten um uns gegenseitig einzustimmen auf gemeinsames Tun. Alles Sprechen ist Geschichtenerzählen. Honolulu! Ein Wort, und sie haben alle eine Geschichte verstanden. Hawai, Südsee, Hula-Hula, Vahine, Gauguin. Sehen Sie die Geschichten?

Als die Menschen lernten, sich Geschichten zu erzählen, veränderte sich die Struktur ihrer Gruppen .  Es entstanden Gruppen mit gemeinsamen Erinnerungen (kollektives Gedächtnis). Geschichtenerzählen hat uns zu “langfristigen” Menschen gemacht. Wir können mit Geschichten Pläne machen und von den Ahnen der Traumwelt lernen. Wir lernten beim Ordnen von Erfahrungen in Geschichten, die Zeit im Ablauf zu verstehen . 

Wir können mit unseren erinnerten und erzählten Geschichten die Zeit ordnen. Wir erleben in Geschichten den Fluss der Erfahrungen, den Fluss der Zeit. Die Fähigkeit des langfristigen Denkens hat die Menschen zu engen Gruppen verbunden. Menschen lernten dabei das gemeinsame Planen, und diese Gruppenaktivität bestimmte den Aufbau der frühen Menschengruppen. Sie planten beim Palavern, beim Finden eines Konsens. Menschen suchen gemeinsame Ziele. Sie formulieren diese Ziele in Geschichten.
 

ZUSAMMENFASSUNG

Wir brauchen Sprache ganz anders als die Informationstheoretiker uns vorrechneten. Wir vermitteln nicht Botschaften, Mitteilungen, wir tauschen Erfahrungen. Information kommt uns nicht von aussen zu. Information ist die Ordnung, die sich aus dem Denken, den kognitiven Aktivitäten der Lebewesen selbst ergibt. Menschen sammeln nicht Informationen, sie verstehen  die Welt, wenn sie Erfahrungen machen und diese Erfahrungen speichern. 

Verstehen bedeutet miteinander Erfahrungen sammeln, es bedeutet kooperieren.
(1/II / 1:  Wir verstehen Sprache, weil wir zusammen mit anderen in einer Welt der Sprache leben und gelernt haben miteinander zu handeln.)

Das Lesen der geistigen Prozesse in den anderen Lebewesen - was wir “mind-reading” oder “Theory of Mind” nannten - geht weit vor die Entstehung unserer Wortsprache zurück. Lebewesen mit einer “Geisttheorie” verstehen sich selber und ihre Umwelt durch Einfühlung. 

Schauen Sie sich doch wieder einmal den “Denker” von Rodin an. Er denkt nicht mit einem abstrakten Computerprogramm, er denkt mit Gefühl. Sie dürfen ihn von heute an den “Fühler” nennen. Denken sie vielleicht auch an die zentrale Funktion des Gefühls, wenn Ihnen ein besonders gescheiter Politiker am Fernsehen die Resultate seines Denkens als logische Wahrheit verkaufen will. Lachen Sie, nehmen Sie solche Denker nicht mehr ernst. Sie lernen dabei möglicherweise auch, sich selber nicht mehr allzu ernst zu nehmen. 
 
 

2/II        VERSTEHEN - BEDEUTEN - MIND-READING

BEDEUTEN  PRAGMATIK
ENTSCHEIDEN
KREATIV DENKEN
KOMMUNIZIEREN
WOLLEN - GLAUBEN
MIND-READING  THEORY OF MIND
ERZÄHLEN
 
 
 

BIBLIOGRAFIE:
 

Dan Sperber and Deirdre Wilson 
  Relevance  Communication and Cognition  
  Oxford Univ. Press 1986
Robin Dunbar   Grooming, Gossip and the Evolution of Language
 Faber&Faber 1996
Steven Pinker  Sprachinstinkt 
  Kindler 1996
Jerome Barkow, Leda Cosmides and John Toby
  The Adapted Mind  Evolutionary Psychology and the   Generation of Culture
  Oxford University Press 1992
Walter Freeman  Societies of Brains   
  JCS vol.3, no.2, 1996
Dan Sperber   Understanding Verbal Understanding 
  What is Intelligence? The Darwin Lectures
  Ed. Jean Khalfa  Cambridge University Press 1994
J.Shear   Closing the Empirical Gap
  JCS vol.3, no. 1. 1996
Michael Carrithers Narrativity, Mindreading and Making Societies
  in: Andrew Whiten  Natural Theories of Mind 
  Basil Blackwell 1991
Varela    Kognitionswissenschaft
  Suhrkamp 1989
Th. R. Hofmann  Realms of Meaning  
  Longman 1995