MENSCH UND SPRACHE
UBoeschenstein

3/II  ERINNERN - ORDNEN - DENKEN 
 
 

SYMBOLE - NAMEN              SEKUNDÄRE REPRESENTATIONSEBENE

There is not one, but at least two mapping operations between the real world and language. First our sense perceptions of the world are mapped onto a conceptual representation, and then this conceptual representation is mapped onto a linguistic representation. Bickerton 

Es gibt nicht nur den Repräsentationsprozess von Sinneseindrücken und eine zweite Ebene der Verdichtung zu Konzepten, sondern einen dritten Repräsentationsprozess von Konzepten zu Namen. Sprache ist eine neue Repräsentationsebene. Vom “Ding” zu den “Sinnen”, von den “Sinnen” zur “Gestalt”, von den “Gestalten” zum “Sinn”, zu den Be-Deutungen.

Symbole beziehen sich auf etwas. Sie deuten auf etwas, sie be-deuten. Ja? Und worauf deuten sie? Auf die Dinge draussen? Ein Hund ist ein Hund. Das Wort “Hund” be-deutet Hund. Es bezieht sich auf ein Tier. Der “Referent” des Namens “Hund” ist ein wirkliches Tier.  Und jetzt deuten sie bitte auf ein Einhorn. Zeigen sie auf ein Einhorn. Zeigen sie mir den Referenten des Einhorns. Oder zeigen sie mir den Referenten von Wörtern wie Frieden, Demokratie, Gesundheit, Glück - und so weiter. Dass solche Begriffe nicht ins Schema “Name und Referent” passen, ist schon den griechischen Philosophen aufgefallen. Sie nannten Wörter wie “Hund” Konkreta und Wörter wie “Demokratie” Abstrakta und taten sich schwer damit, für diese Abstrakta einen Referenten zu finden. Sie mussten dazu eine jenseitige Welt der Ideen “erfinden”, eine transzendentale Welt der Referenten für Vorstellungen. 

Unsere Wörter beziehen sich nicht auf Dinge. Wörter haben keine Referenten in der sogenannten “realen” Welt, Wörter sind keine Namen für Dinge, sondern Symbole für Vorstellungen (Konzepte). Die Suche nach Referenten - nach dem Bezug der Sprache zur Realität - beschäftigt die Sprachphilosophen bis heute. Sprache spiegelt doch Realität. Aber eben - die Sprache spiegelt nicht, die Sprache bildet nicht ab. Die Sprache ist eine “mapping operation”, sie konstruiert eine Landkarte. Sie konstruiert eine Repräsentation. Sie konstruiert “Namen” für Vorstellungen. Diese Namen deuten nicht auf “Referenten”, sie deuten auf Vorstellungen. 

Es gibt “kognitive Dimensionen” , die nur dem sprechenden Menschen zugänglich sind, die Zeit, die Vorstellung, das Darstellen, das Zählen. Unsere Cousins, die Schimpansen, können zwar lernen, Symbole zu brauchen. Sie können aber nicht lernen, sich Geschichten zu erzählen und sich in einer lachenden Gruppe als Hörer und Erzähler Fragen zu stellen über das Morgen und über das Nicht-Reale, das Fiktive, das Jenseitige, das Dort. 
Schimpansen können mit Zeichen, die etwas bedeuten, umgehen. Sie bleiben dabei in der  Gegenwart. Sie planen nicht für morgen, ja, sie kennen kein Morgen. Die Kategorie der Zeit, das Darstellen, das Zählen sind Neuerwerbungen des sprechenden Menschen. 
 

PROTOSPRACHE

Schimpansen erzählen keine Geschichten, weil ihnen die analytisch-syntaktischen Gehirnzentren fehlen, die Satz- und Geschichtenstrukturen generieren können. Sie können aber im Geiste umgehen mit Beziehungen zu anderen, sie können von anderen etwas wollen und Strategien planen, wie sie ihre Ziele errreichen könnten. Mentales Probehandeln ist schon ganz eindeutig bei den Schimpansen möglich. Aber Schimpansen sprechen nicht. Sie können jedoch Menschensprache verstehen.  

An der Georgia State University (Sue Savage-Rumbaugh) arbeiten die Forscher nicht mit Schimpansen, sondern mit den sehr seltenen Bonobo, den Zwergschimpansen. Beim Training eines dieser Tiere war vor 10 Jahren ein Jungtier immer dabei. Dieses Zwergschimpansenkind “Kanzi” wurde nicht trainiert. Aber er war immer dabei, wenn seine Mutter in die Sprachstunde ging. Und Kanzi lernte mit. Er versteht Englisch. Sagt man ihm: Hol die Orange, dann holt er die Orange. Kanzi kann noch mehr. Er versteht auch den Satz: Hol die Orange im anderen Raum. Wenn man allerdings eine Orange vor ihn hinlegt und ihm sagt: Hol die Orange im anderen Raum, dann zögert er, blickt auf die Orange und geht erst nach langem Überlegen. Sagt man ihm aber: Hol die Orange, die im anderen Raum ist, dann geht Kanzi ohne zu Zögern in das andere Zimmer und holt die Frucht. Sue Savage-Rumbaugh, die Sprachlehrerin von Kanzi, geht davon aus, dass sich Denkfähigkeiten kontinuierlich entwickelten und schliesslich im Menschen ihren Höhepunkt erreichten. Sie findet bei ihrem Pflegling Kanzi schon Ansätze einer Syntax, das heisst der Fähigkeit, Wörter zu ordnen . Das sind Vorstufen von Sprache bei Primaten, eine Protosprache. 

Um diese Vor-Sprache zu studieren, werden seit den 50er Jahren Schimpansen sprachlich trainiert. Die frühesten Versuche, einem Schimpansen das Sprechen beizubringen, misslangen. Schimpansen haben keinen adequaten Stimmapparat. Später brachten die Forscher ihren Zöglingen Zeichensprache bei, ASL (American Sign Language). Auch durch Symbolmanipulationen am Computer versuchten die Forscher mit ihren Zöglingen zu kommunizieren. Mit erstaunlichen Resultaten. Dass ein gescheiter Schimpanse mit farbigen Plastiktäfeli sagen kann: Gib Banane mir! ist schon viel. Schimpanse kann aber auch Fragen verstehen. Die Frage besteht aus drei Symbolen: Symbol - was ist? Symbol - welche Farbe? und Symbol - Apfel. Er setzt dann für Symbol - was ist? ohne Probleme das Symbol “rot” ein. Unsere Cousins haben die Fähigkeit zur Symbolverwendung auf der ersten Repräsentationsebene (primary representation system) hochentwickelt. Sie können im Geist symbolische Denkprozesse ausführen. 

Schimpansen können aber die zweite Repräsentationsebene nicht erreichen, die Ebene der Namen. Die Fähigkeit  des Benennens, das hatten die Denker uralter Mythen schon erkannt, macht den Menschen zum Menschen. Im Anfang war das Wort. Benennen ist eine Verbesserung des Vorstellungsvermögens. Menschen entwickelten Vorstellungen von Vorstellungen.

SPIELEN - VORSTELLEN - PHANTASIEREN - IMAGINIEREN                                                 

Die meisten einfacheren Tiere handeln instinktiv, nach angeborenen Verhaltensprogrammen. Auf einer höheren Entwicklungsstufe kommen sie mit angeborenen Lernprogrammen zur Welt. Zu diesen angeborenen Verhaltensprogrammen gehört auch unsere Sprachfähigkeit. Wir können (und müssen) Sprache in einem langen Prozess lernen.

Kinder lernen beim Spielen, sie tun Als-Ob - sie tun, wie wenn es so wäre. Um durch Spielen lernen können, brauchen wir ein sehr leistungsfähiges Gehirn. Wir müssen uns die Welt im Kopf vorstellen und die Welt im Kopf verändern können. Das Vorstellungsvermögen (Imagination) gehört zu den Voraussetzungen für das Lernen durch Spielen und beim Menschen für das Lernen durch Sprache. 
Unser Wahrnehmungsapparat kann nicht nur “für wahr” nehmen, unser Gehirn kann auch Bilder vor uns stellen, “vor-stellen”, und diese Vorstellungen im Planungsprozess verändern. 

Das wahrhaft Erstaunliche ist, daß es überhaupt so etwas wie Phantasie gibt, dass wir also in der Lage sind, neben der Welt, die wir »für wahr nehmen«, auch noch ein Modell dieser selben Welt »vor uns zu stellen«. Allerdings darf man »Vorstellen« nicht mit »Erinnern« verwechseln, jedenfalls nicht, solange letzteres nur die Leistung des Wiedererkennens betrifft. Wir sprechen von vorstellender Vergegenwärtigung erst dann, wenn auf einer inneren »Probierbühne« wirklich dingliche Objekte in einem Simulationsprogramm variiert werden können.  Bischof 

Menschen können also nicht nur denken über ihre Erfahrungen, sie können auch über ihre Vorstellungen, d.h. über ihre Phantasien denken. Dieses Nach-Denken ist eine neue Denkebene, eine Meta- Ebene, eine metarepresentative Fähigkeit (Gardner ).

Schimpansen erreichen diese Ebene der Abstraktion nicht. Sie können sich zwar vorstellen, wie der andere reagiert, sie können aber nicht denken, dass die anderen denken. Sie können keine Annahmen zweiter Ordnung machen.

Wenn ein Kind " so tut, als ob”, ist es mit einer geistigen Tätigkeit befaßt, die sich von einer Darstellung "erster Ordnung" unterscheidet. Wo es früher eine Banane erblickte und sie für sich selbst bezeichnete - "dies ist eine Banane” -, macht es jetzt im Kopf einen andersartigen Spielzug. Es hält sich die Banane an den Mund und "spricht" in sie hinein. Es geht über zu einer Darstellung zweiter oder höherer Ordnung, in der es versichert: "lch gebe vor, daß diese Banane ein Telefon ist, und im Augenblick versuche ich, sie auch so zu behandeln (Gardner ). 

Die Arbeiten von Entwicklungspsychologen, die Kinder und das Wachsen ihrer kognitiven Fähigkeiten studieren, lassen erkennen, dass kleine Kinder schon vor der Wortsprache eine Sprache des Denkens ausbilden, in der sie für sich selbst Tatsachen über die Welt ausdrücken (dies ist ein Stuhl, dieser Hund ist nahe, ich will dieses Essen haben, ich fühle mich gar nicht gut). 

THEORIEN ÜBER DIE WELT

Kinder entwickeln erste Theorien über die Welt . Sie lernen Regelmässigkeiten des Verhaltens der Menschen ihrer Umwelt einzuordnen, sie klassifizieren Erfahrungen. Diese Theorien sind sprachlich formuliert. Kinder beginnen sehr früh Regelmässigkeiten in ihrer Umwelt zu benennen, sie erfinden Namen. Kinder strukturieren ihre Erfahrungen in Geschichten. Psychologen sprechen von “scripts”, Grundgeschichten, nach denen Kinder beginnen, Ereignisse zu ordnen. 

Theorien über die Welt  entwickeln sich vor der eigentlichen Sprache, d.h. bevor Kinder lernen Sätze zu bilden. Die ersten sprachlichen Äusserungen von Kleinkindern sind Laute. Schon mit sechs Monaten beginnen sie Laute zu üben, und mit etwa achtzehn Monaten sprechen sie ihre ersten Wörter: mamma, papa, ufe, abe. Meine Enkelin brauchte den Ausdruck “mii” für alles, was trinkbar ist, und sie erzählte mit diesem Kurzwort ganze Geschichten. 
Sie holte ihre Mutter, zog sie zum Kühlschrank, zeigte auf die Türe und sagte: Ich habe Durst, ich will etwas trinken, hier drinnen hat es etwas zum Trinken. Du hast mir schon oft aus diesem Ding zu trinken gegeben. Das Trinkbare ist weiss und ich habe dieses weisse Zeug gern. Die Linguisten nennen solche Kurzgeschichten Holophrasen, Einwortsätze. 

Erst mit etwa drei Jahren sind Kinder in der Lage, mehrere Wörter miteinander zu richtigen Sätzen zu verbinden. Die neuen Formen des Zusammenhängens von Wörtern nennen wir Syntax. Entwicklungpsychologen gehen davon aus, dass sich erst im Alter von drei Jahren die Nervennetzwerke ausgebildet haben, die das Verbinden von Wörtern steuern (Satzbildungsmodule). 

Kinder entwickeln aber nicht nur eine Syntax der Sprache, sie bauen auch syntaktische Ordnungen anderer Symbolsysteme auf, sie lernen malen und zeichnen, sie entwickeln eine Grammatik des Singens, des Tanzens, sie bauen Strukturen aus Bauklötzen und “wissen”, dass man beim Bauen nicht das kleinste Element zuunterst hinstellen darf. Alle diese Symbolsysteme sind durch syntaktische Ordnungen gekennzeichnet. Das Phänomen Syntax unterscheidet unsere Menschensprache von der Affensprache.

Die erste Gruppe von Sprachnetzwerken (Module) haben sich schon bei unseren Vorfahren entwickelt, die Schimpansen (und auch andere Säugetiere) können mit Symbolen umgehen. Sie schaffen sich Symbole, ohne sie allerdings zu benennen, d.h. ohne Symbole von Symbolen zu entwickeln. Ihre Symbolsysteme sind - wie auch bei uns Menschen - nicht auf die Sprache beschränkt. So gehören Gesten, Mimik und Erkennen von sozialen Situationen zum Repertoire aller Grossaffen. 

VIER STUFEN DER SYMBOLISIERUNG

Der Entwicklungspsychologe Howard Gardner hat die Entwicklungsstufen der Symbolisierung bei Kindern untersucht. Er unterscheidet vier Stufen der Symbolisierung. 

1 ERKENNEN

Die erste Welle der Symbolisierung nennt Gardner "Ereignis-" oder "Rollenstrukturierung”. Im Alter zwischen acht Monaten und zwei Jahren ist das Kind imstande, sein Wissen über Ereignisse in Symbole zu fassen; es lernt, dass es Ereignisse gibt - zu denen Handelnde, Handlungen und Objekte gehören - und dass diese Ereignisse Folgen haben. 

Diese ersten Symbolverarbeitungsmodule haben wir mit anderen Primaten gemeinsam, sie sind im episodischen Gedächtnis gespeichert. Mit Ereignis- und Rollensymbolen können auch “gescheite Affen” umgehen. Sie planen ihre Rollenspiele. Was sich bei Menschenkindern in sehr frühem Alter, vor der eigentlichen Wortsprache entwickelt, sind symbolische Fähigkeiten, die wir auch bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen beobachten können. Es brauchte für ihre Evolution eine lange Lernzeit, sie begann mit der Entstehung von Sozialität, von Gesellschaft. Soziale Tiere müssen lernen ihre Rollen zu spielen.  
 

2 DARSTELLEN

Wenn das Kind etwa drei Jahre alt ist, beobachtet man eine zweite Welle, die sogenannte "topologische Abbildung". Bei der topologischen Abbildung wird das Symbol mit  vorherrschenden Beziehungen zum Umfeld verbunden. Solche Assoziationen der Grösse oder der Gestalt, die vom Bezugsfeld übernommen wurden, können nun in eine symbolische Einheit verbunden werden. Kinder lernen das Darstellen, sie beginnen zu zeichnen und zeigen. 

Was Menschenkinder mit etwa drei Jahren lernen können, sind Fähigkeiten, die wir nur bei Menschen beobachten können. Sie sind offenbar im Laufe der letzten vier Millionen Jahre entstanden. 

Es müssen  beim Darstellen Symbole von Symbolen geschaffen werden, und diese Symbole zweiter Ordnung können sich in “künstlerischen” Formen ausdrücken.

1.   Stufe  Ereignis speichern einer Vorstellung. Symbol 
2.   Stufe  Kunst Bildlung eines “Symbols eines Symbols”    abbilden, darstellen, erzählen

Folie: Steinaxt mit Fossil                                                                       

Dieser Biface - so nennen die Archäologen diese regelmässig behauenen Steinwerkzeuge - muss mit einem geschulten Auge für das Schöne geschaffen worden sein. Man schätzt das Alter dieses Artefakts auf über 200 000 Jahre. 

Es gibt Funde aus Homo erectus-Lagerplätzen, die als Körperschmuck interpretiert werden, fein bearbeitete Schneckenschalen, die mit winzigen Löchern versehen sind und wahrscheinlich den frühesten Schmuck darstellen. Die zweite Stufe der Symbolisierung, das Darstellen, hat sich in der Kultur der Homo erectus ausgebildet. Es entstanden hochkomlexe protosprachliche Kommunikationsformen.
 

3 ZÄHLEN

Die Ausbildung von Wahrnehmung rhythmischer Muster ist die Voraussetzung des Zählens. Bei Kindern entwickelt sich diese dritte Welle der Symbolisierung um das vierte Lebensjahr. 

Während die topologische Abbildung die allgemeinen zeitlichen oder räumlichen Beziehungen einer Anordnung betrifft, erfasst die "Abbildung in Ziffern" genaue zahlenmässige Grössen und Beziehungen. Auch diese Fähigkeit des Umgangs mit Symbolen lässt sich schon bei Frühmenschen nachweisen.

Folie: Kerbholz                                                                                      

Diese Kerbhölzer können nur von zählenden Menschen gemacht worden sein. Dies konnten die Australopithekinen und die Homo habilis wahrscheinlich noch nicht. Lucy, so nennen die Paläintologen das besterhaltene Skelett einer Australopithekinenfrau, hatte noch nichts auf dem Kerbholz.

Folie: Schwirrhölzer                                                                              

In Australien brauchten die Aborigines noch bis vor kurzem geistige Landkarten, die sie in Form von Schwirrhölzern mit sich trugen. Die Darstellung auf dem Mammutknochen ist eine solche Landkarte. Die Entwicklung einer solchen externalisierten inneren Landkarte setzt Bewusstsein voraus. Wir wissen, dass wir wissen, dass wir aus den  Linien der Landkarte das Territorium rekonstruieren können. 

4 THEORIEN DER WELT

Die letzte Welle der frühen Symbolisierung entwickelt sich zwischen fünf und elf Jahren. Nun zeigen Kinder eine Neigung zu "notationalen" Symbolisierungen oder Symbolen "zweiter Ordnung". 

Wenn sie ein Spiel spielen oder so tun als ob, können sie oft auf ein selbst entworfenes Schema zurückgreifen, das ihnen hilft, sich die entsprechenden Informationen in Erinnerung zu rufen oder sie zu verschlüsseln. Sie führen zum Beispiel ein Zeichensystem ein, um einen Überblick über ihren Stand im Spiel zu haben, oder wenn sie aufgefordert werden, so zu tun, als hätten sie Ferien, malen sie Bilder, um sich daran zu erinnern, was sie mitnehmen müssen. Auf dieser Stufe der Entwicklung entstehen Weltbilder - oder wie die Psychologen dies nennen - Theorien der Welt (Gardner).
 
 

ZUSAMMENFASSUNG

Menschenhirne sind keine Computer, die nach einem allgemeinen Programm Daten verarbeiten und speichern. In unseren Gehirnen gibt es verschiedenste Nervennetzwerke, die auf ganz bestimmte Reize reagieren. Es gibt solche Denkmodule auf der Ebene der Wahrnehmung, der Konzeptbildung und der Wortbildung. Wir benennen nicht Dinge in unserer Umwelt, wir geben nicht den Dingen Namen, wir formen Symbole von Symbolen, d.h. wir benennen unsere Vorstellungen (Konzepte, Gestalten).
 

Wir verdichten bei dieser Gedankenarbeit die unfassbare Vielfalt der Umwelt zu brauchbaren Vereinfachungen. Diese Vereinfachungen sind unser Bild der Welt. Wir beschreiben mit all unserer Wissenschaft nicht die REALITÄT, sondern unsere Darstellung dieser Realität. Menschen können mit ihrer Sprache die Bilder der Realität auf einer noch höheren Abstraktionsebene verarbeiten. Sie können nicht nur denken über ihre Erfahrungen, sie können auch über ihre Vorstellungen, d.h. über ihre Phantasien denken. Sprache ist eine metarepresentative Fähigkeit 
3/II

ERINNERN - ORDNEN - DENKEN 
 

SYMBOLE - NAMEN  SEKUNDÄRE    REPRESENTATIONSEBENE
PROTOSPRACHE  
SPIELEN - VORSTELLEN - PHANTASIEREN - IMAGINIEREN  
THEORIEN ÜBER DIE WELT
VIER STUFEN DER SYMBOLISIERUNG:
   ERKENNEN
   DARSTELLEN
   ZÄHLEN
   THEORIEN DER WELT
 
 
 
 

BIBLIOGRAFIE

Bickerton   Language and Species
  University of Chicago Press 1990

Norbert Bischof  Das Rätel Oedipus Piper 1985 

Sue Savage- Rumbaugh New Scientist. 27.4.1991

Howard Gardner  Der ungeschulte Kopf
  Wie Kinder denken  Klett-Cotta  1993

Martin Kuckenburg  Schrift und Sprache

Gerard M. Verschuuren  Life Scientists Genesis 1995 

Philip Cohen  New Scientist 24/2/96 

Damasio    Sprache und Gehirn 
  Spektrum der Wissenschaft Nov. 1992