| MENSCH UND SPRACHE
UBoeschenstein |
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4/II NACHDENKEN - REFLEKTIEREN HINTERFRAGEN Wozu entstand die Menschensprache? Zur Beantwortung dieser Frage sind einige Grundannahmen der Sprachphilosophen aus den vergangenen dreitausend Jahren männlicher Vorherrschaft zu hinterfragen: Am Anfang stand nicht die männliche Tat. Sprache entstand nicht für das Befehlen. Sprache ist nicht ein Instrument, um effizient, zweckrational und zielgerichtet Information zu vermitteln. Sprache als Instrument der Beherrschung einer dem
Menschen feindlichen Umwelt, das schien mir schon vor vierzig Jahren, am
Anfang meines Linguistikstudiums, frag-würdig. Ich lernte damals fleissig
Wahrheiten von Autoritäten auswendig. Dass die meisten dieser Wahrheiten
“fragwürdig” waren, durchaus würdig “hinterfragt” zu werden,
dies zu denken hatte ich vor lauter Auswendiglernen keine Zeit. Vielleicht
hatte ich auch nicht den Mut zu fragen. Man hatte mir beigebracht, vor
Autoritäten Ehrfurcht zu haben. Dumme Schüler lernten meist sehr
rasch, die Autorität ihrer Lehrer nicht zu hinterfragen. Da scheint
eine grosse Veränderung im Gange zu sein. Autoritäten sind nicht
mehr, was sie waren. Ich selber lernte es nur unter grosser Mühe,
Behauptungen zu hinterfragen und den Autoritäten hinter die Überlegenheitsfassade
zu blicken. Ich entdeckte dabei eine ganz andere Antwort auf die Frage
“Wozu entstand Sprache?”
SPRACHE IST EIN MEDIUM DER KOOPERATION Sprache entstand nicht zur Beherrschung einer feindlichen Umwelt. Sie entstand als Medium der Kooperation. Bei Wildbeutern - bei Menschen, die in sozialen Gefügen leben, die jenen unserer Vorfahren ähnlich sind - wird das Gleichgewicht im Zusammenleben in einem gemeinsamen Koordinationsprozess immer wieder gefunden. Diese gemeinsame Koordination steht am Anfang der Sprache. Es braucht dafür keine Befehlshaber. Es erfordert konsensfähige Individuen. Soziale Koordinationsprozesse setzen voraus, dass die einzelnen Mitglieder der sozialen Gruppe in der Lage sind, sich Vorstellungen über ihre Nächsten zu machen und ihre Beziehungen zu den anderen zu planen. Sprache entstand als Medium der Vermittlung zwischen Menschen. Sprache hat in einzelnen Gehirnen eine wichtige Ordnungsfunktion, sie ermöglicht Nachdenken über sich selber, über die Welt und über die innere Welt der anderen. Sprache ist aber vor allem ein Medium des Miteinander, der Kommunikation, und sie ist deshalb eine Ebene des Denkens über den Einzelhirnen. 1 Der Logos, das Wort, ist gemeinsam.
Sprache entstand nicht im Gehirn von einzelnen Individuen.
Sprachentstehung aus der Kooperation, das ist mein
Resultat des Nachdenkens über Sprache. Die Sprachentstehungstheoretiker
des 19. Jahrhunderts hatten in anderen “Gründen” gesucht. Sie nahmen
die Peitsche mit, wenn sie zu den Frauen gingen. Sprache, Verstand, Intelligenz
waren Männersache, und - Männersachen waren aus dem Geist der
Konkurrenz gewachsen. Sprache ist aber aus dem Geist der Kooperation gewachsen,
sie ist ein soziales Phänomen.
KONKURRENZ - KOOPERATION INTIMITÄT UND AUTONOMIE Säugetieren ist gemeinsam, dass ihre Handlungsmotive in einem Spannungsfeld von Geborgenheit und Selbstbehauptung stehen. Sie reagieren auf Umwelteinflüsse nach Mustern, die sie in sich tragen, angeborene und angelernte. Die Motivationsforschung unterscheidet zwei Pole: Wir “wollen” Intimität, und wir “wollen” Autonomie. Die Handlungsmotive der Intimität führen zur Kooperation. Die Motive der Autonomie führen zur Konkurrenz. Ich vermute nun, dass in einer Männergesellschaft - Soziologen nennen dieses Phänomen Patriarchat - die Autonomiekomponente viel stärker betont wird. In einer Männergesellschaft spielt Konkurrenzverhalten die Hauptrolle. In einer gut funktionierenden Menschengemeinschaft müssen beide Motivationen im Gleichgewicht sein. Menschen regulieren ihre soziale Distanz in diesem Gleichgewicht, sie suchen Nähe (Kooperation) und sie brauchen Abstand (Konkurrenz). Sprache konnte nur in Gruppen von Lebewesen entstehen, die dieses Gleichgewicht durch ihr Handeln immer wieder fanden. Träume ich da wohl einen romanischen Traum vom “guten Wilden”? Mache ich den gleichen Fehler wie Rousseau vor 250 Jahren, als er die Wilden zu Vorbildern machte und das Versagen der Gesellschaft den Einflüssen der “Zivilisation” zuschrieb? Nein, ich träume nicht vom “guten Wilden”. Die Wilden sind Menschen wie wir. Sie kommen mit den gleichen Bedürfnissen (Motivationen) zur Welt wie wir. Sie haben die gleichen Anlagen, sie streiten um Futter und sie streiten um Rang. Aber - sie hatten sich Gemeinschaften geschaffen, die innerhalb der Gruppe für Ausgleich sorgten. Wir können die Strukturen früher Gesellschaften an den Organisationsformen von heutigen Wildbeutergruppen studieren. Die Anthropologen beschrieben viele Hunderte von solchen Kleingesellschaften und haben bei aller Verschiedenheit der Kulturen als verbindende Struktur überall eine hohe Entwicklung der Konsensfähigkeit gefunden . Kooperation ist das Grundphänomen der Evolution
- das ist ketzerisch neu.
Selbstverständlich gibt es auch in solchen kooperativen Gruppen Konkurrenz zwischen den Gruppenmitgliedern. Der Humanethologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt beschreibt zwei Verhaltensstrategien in sozialen Gruppen: affiliatives Verhalten und agonales Verhalten. Affiliativ heisst kooperierend, agonal heisst “auf Gegnerschaft gerichtet”. Menschen haben im Laufe ihrer Entwicklung ihre affiliativen Verhaltensstrategien ausgebaut. Sie haben ein feines Sensorium für ihre Gruppe entwickelt und die Kommunikation in der Gruppe hat die Sprache möglich gemacht. Menschen lernen miteinander umgehen als Kinder, beim Sprechenlernen. Erwachsene erwarten von Kindern kooperatives Verhalten, und in den meisten archaischen Gesellschaften, die von Verhaltensforschern studiert wurden, werden Konkurrenzspiele von den Erziehern nicht geduldet. Es gibt in diesen Gruppen eine kulturelle Kontrolle der Konkurrenz. Gesellschaften brauchen ein Gleichgewicht von affiliativem und agonalem Verhalten. Sie sorgen in vielen Ritualen für diesen Ausgleich. Es muss in archaischen Gesellschaften viel gesungen und getanzt werden, um Spannungen abzubauen. Menschen erzählten sich Geschichten vom Gleichgewicht, sie erzählten, wie Menschen ihre Konkurrenzspiele in gemeinsamen Ritualen abbauen können. Die frühen Mythen erzählen vom Gleichgewicht, nicht vom Kampf. Erst in der allerjüngsten Geschichte, das heisst in den letzten vier Jahrtausenden, prägten die Krieger die Werte unserer Gesellschaft. Unser Glaube an die Konkurrenz als fundamentalem Grundwert der Menschenwelt - unsere Krieger-Mentalität - ist erst in der Bronzezeit entstanden. Wir glauben seither an den Mythos: Mehr ist besser, schneller ist besser. Wir glauben an den Mythos der Macht. SINGEN UND LAUSEN KONSENS - VERBAL GROOMING Konsensfähigkeit kennzeichnet alle Tierarten, die in engen sozialen Gruppen leben. Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, verbringen 10-20% ihrer Zeit beim Lausen. Diese Tätigkeit dient nicht in erster Linie der Körperpflege, sondern der “Friedenssuche”. Beim Lausen beginnt das Miteinander als soziale Möglichkeit der Beschränkung der männlichen Konkurrenz. Wo Konkurrenz herrscht, muss Mann sich behaupten. Aber bei der “Behauptung” der Männer konnte Sprache nicht entstehen. Sprache beginnt, wo enge Kommunikation zwischen den Menschen sich etabliert. Sprache entstand nicht aus der Konkurrenz der Männer, sie entstand aus der Kooperation (der Frauen). “Menschen leben in grösseren Gemeinschaften als die übrigen Primaten. Sprache könnte sich als eine Form des sozialen Lausens entwickelt haben”, schreibt der englische Anthropologe Robin Dunbar: “Affengesellschaften scheinen von denen anderer Tiere in zwei wichtigen Hinsichten abzuweichen. Das betrifft zum einen die Abhängigkeit von starken Bindungen zwischen Individuen, was Primatengruppen deutlich strukturiert erscheinen lässt. Zum anderen benutzen Primaten ihre Kenntnis über die soziale Welt, in der sie leben, dazu, noch komplexere Allianzen untereinander auszubilden, als das andere Tiere tun”. Dunbar In diesen Affengruppen wird das Gleichgewicht in sozialen Körperpflegeritualen immer wieder hergestellt. Das Weiterbestehen von Beziehungen ist den Tieren wichtiger, als der Sieg über einen Gegner. Menschen haben dieses Lausen zu einem “verbalen Lausen” weiterentwickelt. Wir formen beim Reden unsere mitmenschlichen Beziehungen. Wir bauen dabei auf Fertigkeiten der Kommunikation auf, die weit vor der Sprache entstanden sind. Dunbar und sein Forschungsteam haben das Konversationsverhalten von Menschengruppen untersucht. Menschen bilden die komplexesten Allianzen, und sie tun dies durch Sprache; beim Klatschen, beim Tratschen, bim Schnörre. Dunbar erforschte das Gesprächsverhalten von Wissenschaftern der Universität. Er fand, dass auch in diesem Tempel der Weisheit 70% der Gespräche um Beziehungen gingen. Die Professoren tauschen nicht Wissen, sie tratschen über Abwesende, sie tauschen Wissen über Beziehungen. Ungefähr die Hälfte der Gespräche war den Beziehungen und Erfahrungen abwesender Dritter gewidmet. Männer allerdings neigten eher dazu, aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich zu plaudern, während Frauen sich meistens über anderer Leute Schicksal ausliessen. Das kann als Hinweis darauf interpretiert werden, dass sich Sprache im Zusammenhang mit der sozialen Bindung zwischen Weibchen entwickelt hat”. Dunbar Frauen sind in sprachlichen Aufgaben besser als Männer. Sie können besser kommunizieren. Männlicher Verstand, unsere vielgerühmte rationale Intelligenz war nicht der Ursprung der Sprache, Sprache entstand bei der Kommunikation. Ich meine auch bei der Kommunikation zwischen Männern und Frauen. Der Mann kann eben nicht sein Weib beschlafen ohne Sprache, wie wir von Professor Diamond hörten, ein Mann ist erst ein Menschenmann, wenn er seiner Frau im Bett Geschichten erzählen kann. GRUPPEN VON 150 INDIVIDUEN Es scheint bei der Sprachentwicklung die Gruppe
und die Gruppengrösse eine entscheidende Rolle zu spielen. Die gruppenbildenden
Primaten mussten grössere Gehirne entwickeln, um die Beziehungen zu
den anderen Gruppenmitgliedern ständig auf dem aktuellen Stand zu
speichern. Ein sehr grosser Teil unseres Denkens ist nicht abstraktes Problemlösen
oder Vorbereitung zu zweckrationalem Handeln, sondern Erinnern von Beziehungen
zu anderen. Wir speichern vor allem Wissen über unsere soziale Umwelt,
wir erinnern uns an Gesichter und an Ereignisse mit anderen.
Unsere Denkfähigkeiten, unsere Denkmöglichkeiten, haben sich beim Zusammensein mit anderen entwickelt. Nicht der einsame Jäger ist der “Erfinder” unserer grossen Gehirne, sondern die miteinander Nahrung suchenden “Weiber”. Auch wenn Männer denken, tun sie dies miteinander. Wissen über die jagdbaren Tiere ist gemeinsames Wissen, das am Lagerfeuer miteinander geteilt wird . Das Tun der Männer ist in archaischen Gruppen ein kommunikatives Miteinander. Sprache ist für die Jäger ein Medium der gemeinsamen Planung - nicht des Befehlens. Die Kunst des Imperativs ist eine späte Blüte der väterlichen Herrschaft und nicht der Anfang von Sprache. BESINNEN - AUFMERKEN PSYCHOLINGUISTIK Die Herren des Denkens schauten in den vergangenen Jahrhunderten mit grosser Selbstüberschätzung auf die Tiere herunter. Nur sie allein konnten ver-stehen. Nur der Mensch besass Verstand. Diese Denker vergassen die gemeinsame “emotionale Intelligenz” von Menschen und Tieren. Gefühle sind auch die Grundlage unseres “rationalen Denkens”. Menschen denken, indem sie bewerten, und sie bewerten nicht nur “richtig” und “falsch”, sie bewerten intuitiv, eben aus dem Gefühl heraus. Wir denken nicht mit einem “general problem solver”, unser Gehirn arbeit nicht wie ein Computer. Lebewesen haben spezialisierte Denkmodule für bestimmte Aufgaben entwickelt: Sehmodule, Hörmodule, Riechmodule, Beziehungs-Erkennungs-Module, Sprachmodule etc. Das Nachdenken ist eine Form der Hirnaktivität, die viele solcher Module zusammenkoppelt, es ist eine neue Ebene des Denkens. Reflexion ist eine neue Qualität des Denkens, nicht eine messbare Quantität. Die Fähigkeit des rückbezüglichen Schliessens - so reflektierte Johann Gottfried Herder in seiner “Abhandlung über den Ursprung der Sprache”(1772) - ist der Ursprung des Sprechens: Der Mensch, in den Zustand von Besonnenheit gesetzt, der ihm eigen ist, und diese Besonnenheit (Reflexion) zum ersten Mal frei würkend, hat Sprache erfunden. Der Mensch beweiset Reflexion, wenn die Kraft seiner Seele so frei würket, dass sie in dem ganzen Ozean von Empfindungen, der sie durch alle Sinnen durchrauschet, eine Welle, wenn ich so sagen darf, absondern, sie anhalten, die Aufmerksamkeit auf sie richten und sich bewusst sein kann, dass sie aufmerke. Herder Herder ergründet die Sprachursprünge und beschreibt sie mit den Begriffen Besonnenheit und Aufmerksamkeit. Wir wissen auch heute - nach mehr als zweihundert Jahren intensiver Forschung - immer noch nicht, wie Besonnenheit operiert, was “Bewusstsein” wirklich ist. Im Zentrum der Experimente der Psycholinguisten steht das Phänomen der Aufmerksamkeit, die Frage, wie unsere Gehirne innere und äussere Sinneseindrücke verarbeiten. Niemand weiss, wie Aufmerksamkeit entsteht. Wir alle erfahren das Ausschalten der Aufmerksamkeit, wenn wir schlafen, wir alle erfahren das Erwachen unseres Bewusstseins, wenn wir aufstehen, aber niemand weiss bis heute, was dabei in unseren Gehirnen geschieht. Herder sprach von der Seele, in der “frei würkend“ die Sprache erfunden worden sei. Mit Seele meint er wohl das gleiche “mentale Phänomen”, die geistige Erscheinung, die wir als Psyche oder als Bewusstsein bezeichnen. Psycholinguisten versuchen dieses Bewusstsein zu beschreiben. Was heisst “Bewusstsein”? Herder meint, dass Reflexion - “wenn die Kraft seiner Seele frei würket”, dem Menschen “Aufmerksamkeit” ermöglicht - Bewusstsein. Die reflexive Rückbezüglichkeit ist die Voraussetzung der symbolischen Aufmerksamkeit. Auf der neuen Treppenstufe des Denkens erfindet der Geist “Symbole”. Die Welt bekommt Bedeutung. Symbole be-deuten, sie deuten auf “mentale Bilder”, sie deuten auf Vorstellungen, auf Modelle. Wie wurden diese mentalen Modelle zwischen den Modellbauern austauschbar? Wie tauschen wir Gedanken? Wie entstand das “kollektive Bewusstsein”? Wie verstehen wir uns gegenseitig? Die meisten Philosophen fragten nach dem Entstehen des Einzelbewusstseins, wir müssen nach der Entstehung des gemeinsamen Bewusstseins fragen. Wie entstand der gemeinsame Logos? Alles Sprechen, von dem einfachsten an, ist ein Anknüpfen des einzeln Empfundenen an die gemeinsame Natur der Menschheit ...Ohne daher irgend auf die Mitteilung zwischen Menschen und Menschen zu sehn, ist das Sprechen eine notwendige Bedingung des Denkens des einzelnen in abgeschlossener Einsamkeit. In der Erscheinung entwickelt sich jedoch die Sprache nur gesellschaftlich, und der Mensch versteht sich selbst nur, indem er die Verstehbarkeit seiner Worte an andren versuchend geprüft hat. Wilh. von Humboldt Die Gesellschaft prägt die Gedanken der Einzelnen, die Sprachgemeinschaft regt zum Denken an, sie “gewährt Überzeugung”. Humboldt fragt hier nach dem Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Kommunikation. Wie entstehen gemeinsame Weltbilder? SINGEN Es mag wohl in keiner Einöde eine wandernde Horde gegeben haben, die nicht schon ihre Lieder besessen hätte. Denn der Mensch, als Tiergattung, ist ein singendes Geschöpf, aber Gedanken mit den Tönen verbindend. Wilh. von Humboldt Der Mensch ist ein singendes Geschöpf. Er produziert beim Singen nicht nur Töne, er verbindet mit diesen Tönen Gedanken. Menschen singen mit ihren Liedern Geschichten. Diese gesungenen Geschichten vermitteln nicht nur gedankliche Inhalte, sie haben in erster Linie einen emotionalen Gehalt. Lieder vermitteln Gefühle. Die Koordination von Individuen einer Gruppe ist
nicht in erster Linie vom Informationsaustausch bestimmt, sondern von der
emotionalen Abstimmung der Bewertung von Beziehungen. Dieses vorsprachliche
Denken - was wir Intentionalitätsebenen nannten - ist ein wichtiges
Erbe, dass wir mit den “dummen” Tieren teilen. Das Sprechenlernen hat seine
Wurzeln in den Denkfähigkeiten der Primaten. Darwin beschrieb in
“The Descent of Man” (1871) die Entwicklung der Sprache aus geistigen Prozessen,
die schon in der Tierwelt zu beobachten sind.
Die Sprache entstand aus der Verbindung von vorsprachlichen Denkoperationen mit neuen symbolischen Möglichkeiten, Eindrücke zu ordnen. Die Erfindung der Verbalsprache ermöglichte - so vermutet Darwin - die Konstruktion der typischsten menschlichen Fähigkeit, dem Konstruieren von "long trains of thought" - von Gedankenzügen, einem koordinierten Fluss von Gedanken. The true use of language involves the ability to reflect on what is known or believed. Language sets us free to ask ourselves about our own thoughts. This may give rise to a kind of mind that is quite different from all others. Marian Stamp Dawkins Menschen können mit Symbolen über das Denken hinaussteigen zum Nach-Denken. Die ersten Anfänge dieser Fähigkeit des “Über-etwas-Denkens” sind schon bei den gemeinsamen Vorfahren von Affen und Menschen zu finden. Diese Vor-Menschen entwickelten die Kunst des Nach-Denkens aus der Notwendigkeit des Erkennens von anderen. Am Anfang stand das Mitfühlen, die Empathie.
Sie ermöglicht das Vorauserkennen des Verhaltens anderer. Lebewesen
erwarben soziale Kompetenz, sie lernten ihre Beziehungen zu anderen zu
steuern. In der Beziehung zu anderen erkannten diese Lebewesen zum ersten
Mal “etwas über etwas anderes”. Im gegenseitigen Verhalten entstanden
Symbole. Wir können Verhalten ver-stehen, d.h. wir können “stehen”,
wo der andere steht. Aus diesem ersten Verstehen entwickelte sich in einem
langen Prozess unser rechnender Verstand.
ZUSAMMENFASSUNG Sprache entstand also nicht aus dem rationalen Verstand, sie entstand aus der Ordnung der Emotion. Die Sprache der Emotion entstand vor der Sprache des Verstandes. 1Die sozialen Organisationsformen der Frühmenschen ermöglichen die Ausbildung enger Kooperation (Kommunikation). Soziale Prozesse ermöglichten die Entstehung eines “kollektiven Bewusstseins”. 2Aus den gemeinsamen Vorstellungen über die von der Gemeinschaft akzeptierten Umgangsformen entstanden Weltbilder (Kosmologien), daraus wuchs die Sprache. Geteilte “Symbole” waren die Grundlage der gemeinsamen Sprache. 3Sprache ist nicht Information, sie ist nicht primär
Mitteilung. Sprache vermittelt nicht (nur)Tatsachen. Sprache vermittelt
Gefühle, eine geteilte Welt. Geschichten sind der Hintergrund, die
“communale” Basis des Handelns (Mythos). Gemeinsames Handeln wird durch
Rituale tradiert. Das ist die ursprüngliche Funktion der Religion.
ENTSTEHEN - NACHDENKEN - REFLEKTIEREN HINTERFRAGEN
KONKURRENZ - KOOPERATION
SINGEN - LAUSEN
BIBLIOGRAFIE Alan Campbell Getting to Know Waiwai
Johann Gottfried Herder Über den Ursprung
der Sprache.
Wilhelm von Humboldt Natur und Beschaffenheit
der Sprache
Charles Darwin The Decent of Man 1871
Marian Stamp Dawkins The Making of
Minds
Daniel Goleman Emotional Intelligence Bantam 1995 Merlin Donald Origins of the Modern
Mind
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