Jaques Derrida
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Tagesanzeiger 11.Oktober 2004 Jaques Derrida: Die Schrift und die Differenz - Grammatologie - Dissemination ...der ambitionierte Versuch das herkömmliche Verständnis vom Menschen radikal zu unterlaufen.
Dekonstruktion der Metaphysik ..."metaphysisch" nennt der Philosoph ein Denksystem das von einem unerschütterlichen Fundament ausgeht, von einer Basis, auf der eine ganze Hierarchie von Bedeutungen errichtet wird. Die philosophischen Systeme, die Identität stiften wollen mit einer absolut gültigen Wahrheit, bezahlen dies mit dem Auschluss des Nicht-Identischen. Die Oppositionen oder "Dichotomien", die für die Ideologien typisch sind, haben verschiedene Namen: Vernunft und Wahnsinn,Tiefe und Oberfläche,Sinn und Unsinn, Wahres und Falsches. In solch binären Oppositionen werden die Welt und das Subjekt eingepasst unabhängig davon, ob sie passen oder nicht. Der Nachteil, so Derridas Kritik, ist bloss, dass die klaren Grenzziehungen ein Phantasma sind, das weniger der Realität als dem wissenschaftlichen Ordnungsinn geschuldet wird.....Derrida war angetreten, die traditionelle Metaphysik aus den Angeln zu heben, metaphysisch unterfutterte Denkstrukturen nachzuweisen. Auch der Marxismus und die Psychoanalyse, die die Geisteswissenschaften des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt haben, erklären die Welt anhand binärer Modelle: Marx setzt das Proletariat gegen das Bürgertum, Freud das Unbewusste gegen das Bewusste, um eine kollektive oder individuelle Utopie zu beschreiben. Solches Zieldenken ist nach Derrida säkulare Theologie. Gegen diese Identitätsphilosophie, die in einem religiösen Sinne das Eine in der Vielfalt sucht, setzt Derrida eine Philosophie der Differenz. Erst im Vergleich mit anderen konstituiert sich das Subjekt, das Derrida im Anschluss an Jacques Lacan als sub-jectum, als der Sprache Unterworfenes versteht.
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