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Egidy 226
Zur Bestimmung von Beobachtung
Beobachtung ist ein synthetischer Begriff. Die Idee von Unterscheidung und die Idee des Hinweises werden zusammengezogen in einen Begriff der Operation: Beobachtung heißt: eine Unterscheidung treffen und auf den unterschiedenen Wert hinweisen.
Dieser abstrakte Begriff von Beobachtung kann dann als Grundlage jedes erkenntnisförmigen oder bezugnehmenden Akt gelten. Anders gesagt: die gemeinsame Form in Wahrnehmen, Erkennen, Intendieren, Erleben, Konstruieren ist Beobachtung.
Der Grund für die Einheit dieser unterscheidbaren aber nicht wirklich brennbaren Aspekte der Beobachtung ist, dass sie in gegenseitiger Abhängigkeit bestehen. Es ist nicht möglich, zu unterscheiden ohne ein Hinweisen, und der Hinweis setzt Unterscheiden voraus.
Verschiedene Beobachtungsordnungen:
Genauere Analyse zeigt, dass es Beobachtungsarten gibt, die nicht aufeinander reduzierbar oder durcheinander ableitbar sind. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Arten von Phänomenen. Diese korrelieren genau mit den verschiedenen Kategorien von Peirce.
Beobachtung 0. Ordnung = Erstheit
Beobachtung 1. Ordnung = Zweitheit
Beobachtung 2. Ordnung = Drittheit
Beobachtung 3. Ordnung = Viertheit (Tetralemma)
Zugleich schlage ich folgende Zuordnung vor:
Beobachtung 0. Ordnung Raum
Beobachtung 1. Ordnung Wert
Beobachtung 2. Ordnung Unterscheidung
Beobachtung 3. Ordnung Hinweis
Jede Art von Erfahrung, Erleben und Wahrnehmungen sollte sich in diesen vier Stufen analysieren lassen, und nimmt auch, in der empirischen Realität, soweit ich sehe, jeweils alle vier in Anspruch. Deshalb ist es immer mit etwas Ungenauigkeit verbunden, genau die Aspekte, auf die sich eine Stufe bezieht, herauszustellen. Ungefähr so:
0.Ordnung: Sinnlichkeit, Zeit, Möglichkeit, Kontinuum
1.Ordnung: Gegenstand und Widerstand, Verstand
2.Ordnung: Zeichen, Regeln, Unterscheidungen, Vernunft
3.Ordnung: Entscheidung, Selbstbewusstsein, Erkennen des Ganzen, Polykontexturalität, Geist (Intentionalität)
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Zur Unterscheidung von Beobachtung 0.Ordnung und Beobachtung 3.Ordnung
Beobachtung 0.Ordnung
Die 0 der Beobachtung 0.Ordnung soll andeuten, dass es hier um den Zugang oder den Kontakt zu etwas geht, dass der Unterscheidung noch vorausliegt. Das gilt sowohl konkret: was einer bestimmten Unterscheidung als transzendentale Basis vorausliegt. Als auch bezogen auf die Form der Unterscheidung selbst: was also für das Unterscheiden schon vorausgesetzt werden muss, damit es möglich ist.
Auf der abstrakten Ebene, in der diese Theorie ansetzt, ist das vorausliegende bezogen auf Existenz die Möglichkeit , bezogen auf Grenzen ist das vorausliegende das Kontinuum; bezogen auf die Geschlossenheit (innen/außen) ist es die Ausdehnung; und bezogen auf den Kontext des Beobachtung ist es die Zeit oder das Subjekt.
Kriterien der Unterscheidung Voraussetzungen
Innen/Außen Ausdehnung (Auseinander)
Grenze Kontinuum
Aufspaltung Möglichkeit
Kontext Zeit, Beobachter (Subjekt)
Warum braucht es überhaupt eine eigene Beobachtungsweise für diese Basis? Stichwortansätze zur Begründung:
Logik: Wir können nicht diese Basis nicht denken, also erfassen wir sie, also gibt es einen Zugang.
Erfahrung: es gibt einen Kontakt, ein erleben von dieser Basis.
Experiment: versuche dein Farberlebnis „rot“ zu beschreiben, zu rekonstruieren oder zu konstruieren. Geht eine Regel dafür an.
Hermeneutik: es wäre absurd, für ein Erleben oder eine Denknotwendigkeit keine adäquaten Reflexionsmittel zu haben.
Die Beobachtung 0. Ordnung ermöglicht die theoretische Beschreibung und Analyse dessen, was in der Tradition „Anschauung“ oder „Sinnlichkeit“ heißt.
Beobachtung 3. Ordnung
Die Beobachtung 3. Ordnung wird aus ähnlichen Gründen eingeführt: um Phänomene, mit denen wir zu tun haben auch theoretisch angemessen begreifen zu können. Dazu gehört: die Intentionalität, Selbstbewusstsein, Kontextwechsel (Schlafen/Wachsein); Entdecken/Erfinden; das Du, Polykontexturalität/Doppelreflexivität.
Hinweisen ist eine unabweisbare Fähigkeit von Beobachtern oder Subjekten oder auch Beobachtungen, nämlich sich auf etwas anderes als sich selbst zu beziehen oder zu richten. Also eine Art von Bilokalität: hier zu sein und zugleich bei etwas anderem zu sein, in einem Vorgang.
Jeder Beobachtungsakt referenziert nun auf ein bestimmtes Phänomen. Die Bezugnahme in der Beobachtung ist also dabei schon in Anspruch genommen. Beobachtung ist also immer in einer Umwelt (Kontext) auf etwas ausgerichtet. Nun macht es einen Unterschied, ob innerhalb eines bestimmten Kontextes beobachtet wird, oder ob der Komplex selbst gewechselt wird. Im ersten Fall bleibt das Hinweisen in sich gleich, ändert nur seine Richtung, beziehungsweise bezieht sich auf andere Unterscheidungen im Kontext. Das ist eine externe Änderung des Hinweisens.
Im zweiten Fall überschreitet das Hinweisen selbst eine Grenze. Es unterscheidet sich entweder extern, indem sich zum Beispiel die Perspektive, der Beobachter Standpunkt, die Leitunterscheidung der Beobachtung ändert. Das ist der Fall, wenn verschiedene Beobachter betrachtet werden, oder wenn die Sprache gewechselt wird oder wenn man die Kommunikation mit dem Blick verschiedener Funktionssysteme der Gesellschaft betrachtet (z.B. die gleiche Interaktion der Gesellschaft im Wissenschafts- und im Wirtschaftssystem).
Es kann aber auch eine interne Änderung des Hinweisens sein, wenn sich das Hinweisen selbst kategorial ändert. Das ist der Fall, wenn die Beobachtungsordnung geändert wird (0.,1.,2.,3.,). Es geschieht auch in der doppelten Reflexion (Reflexion der Reflexion), wenn das Hinweisen sich auf das Hinweisen des Hinweises selbst bezieht. Das ist der Fall, wenn die Welt vollständig neu aufgestellt wird (eine andere Matrix auftritt), z.B. bei den Übergängen: Schlafen (Traum) - Wachzustand, Problemzustand - Lösung, oder bei existenziellen Entscheidungen. Hier wird die Form der Grenzüberschreitung selbst geändert. Die Gesamtheit oder Matrix von Beobachter/Umwelt mitsamt der Grenze UND ihrer Überschreitung wird in diesem Akt aufgestellt oder in Gang gesetzt.
Mit der Beobachtung 3.Ordnung ist es uns möglich, den Standpunkt eines Du einzunehmen und dann auch noch einen dazu Dritten Standpunkt, unter dem wir Ich und Du selbst in einem Kontext in Beziehung setzen. Oder es ist uns möglich, zwischen beiden immerhin hin- und her switchen können.
Die Beobachtung 3.Ordnung ist transzendental zu den anderen Beobachtungsordnungen. Die Phänomene, die in der Beobachtung 0. Ordnung erfasst werden, sind transzendental zu den anderen Phänomenen (in ihrem Kategorien).
Holm von Egidy
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