Vu de Gedanke wo
im Chopf vum Urs Boeschenstein
im Chreis umegumped




 

Mängisch lis ich öppis und verstaane nöd. Ich lises nanemal und verstaa immer na nöd. Ich hän e Wirrlete im Chopf. Ich verstaane nöd, was ich lise. Ich verstaa gaar nüüt. Miini Gedanke trüled im Chreis. Mängisch.

Wänns trület, chan ich nöd underscheide, ebs jetz soo seig oder soo, säb oder dises. Ich verstaane nööd, uf was dä Täxt düütet, woane das ich ane gwise wiirde. Mängisch verstaan ich ebe gar nüüt.

Nei, nöd ganz gaar nüüt. Ich verstaan öppis. Iich verstaa, das ich nöd verstaane. Ich verstaa nöd gaar nüüt, ich verstaane immer öppis.

Verstaa
Wie verstaan ich öppis? Wie chan iich verstaa, das ich nöd verstaa? Wie verstaan ich überhaupt? Was isch Verstaa? Wie verstaan ich d Wält? Wie verstönd d Mänsche d Wält? Was isch „Wält“? Isch „Wält“ dusse? „Verstaa“ wäär dänn ine. Öppis isch usse und Öppis isch ine. Hän iich das jetz richtig verstande? Iich bin das „öppis“ ine.

Erkänne
Das wär dänn scho emal e wichtigi Erkänntnis. Miini Wält isch usse und ine. Für miich gits zwei Wälte, eini usse – das isch dänn für mich all das Züügs dusse, won ich mues demit umgaa. Und dänn gits na d Wält ine, das bin iich, das isch miis Bewusstsii, min Geischt, miini Seel, mis Ego.

Waarnää
Zum Umgaa mit de Wält dusse – mit em Züügs – bruuch ich d Auge, d Oore und ali mini Sinn. Das isch offebar für ali Läbewäse gliich, mindischtens für ali Läbewäse, wo Sinnesorgan händ. Händ dänn ali die Organisme au es Organ Bewusstsii, zum mit de Wält dusse umgaa? Hät vilicht ales e Seel? Au en Stei? Au es Pamtoffeltierli? Au miini Chatz?

Ich verstaane, das ich nöd ales verstaane. Es git Fraage, wo min Verständnis-Horizont überstiiged. Es git Erkänntnis wo miir nöd gää sind. Ich weiss nöd emal, we anderi Läbewäse demit umgönd, das es ine und usse git. Gseend die ali s gliich? Erläbed die ali d Wält gliich? Dusse und manipulierbar!

S einzig, won iich sicher weiss, isch, das iich d Wält dusse erläbe und das iich s Dusse chan be-handle. Ich weiss au das iichs bin, wo handlet. Iich handle, iich tänke. Cogito ergo sum.

Kognition bezieht sich auf komplexe, für den Organismus bedeutungsvolle, d.h. für Leben und Überleben relevante und deshalb meist erfahrungsabhängige Wahrnehmungs- und Erkenntnisleistungen.
Gerhard Roth Das Gehirn und seine Wirklichkeit Suhrkamp 1997 Seite 31

Cogitare - Waarnää und Erchäne, das müend Läbewäse leere, si müend leere, was wichtig isch fürs Überläbe. Si müend „gueti“ Entscheidige mache, Entscheidige won en „Sinn“ händ. Und dadefür bruuchts öpper. Dadefür bruuchts es „Iich“. Weer isch das “Iich”, wo tänkt? Weer isch das „iich“, wo verstaat, wo erchännt, wo waarnimmt.












Wer bin iich?

Daas bin iich! So gseen ich us. Aber - bin das iich?

Woo bin iich i dem Bildli? Isch das Iich woni bin eender i dem Bildli vu miir woni Sächsi gsii bi. Isch das Iich i dem Bild s gliich Iich?


Momoll, daas bin au iich! Oder - Nei! Das bin iich gsii.

Wer bin iich moorn? Weiss ich daas? Oder weiss ich daas nööd. Weiss das überhaupt öpper? Wänni meine ich wüüsis, weissis nööd. Wännis nöd weiss, weissis.

E Wirrlete. Im Chreis ume tänke: Wer bin iich? Ich mache öppis – ich bin. Ich bin öpper. Iich bin öpper, wo öppis macht.

Öpper macht öppis. Öpper macht öppis. Öpper macht öppis.

Wer isch öpper? Was isch öppis? Was macht öpper? Was macht öppis zu öppis? Wer macht öppis zu öppisem? Was isch z ersch – öpper oder öppis?

Was isch am Aafang? Iich? Jawoll, iich! Ich mache öppis. Öpper macht! En Macher wo macht, en Macher wo weiss, was er will mache. Das hän ich i de Suntigsschuel gleert, vor eme halbe Jahrhundert: Gschichte vum Macher-Gott. Nüüt gits – wo nöd en Macher gmacht hät. Das hän ich i de Suntigsschuel gleert, vor eme halbe Jahrhundert: Gschichte vum Schöpfer- Gott.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war. (Luther-Uebersetzung)

Am Anfang war das Machen.
Am Aafang isch de Macher, wo macht. Us nüüt öppis! Ex nihil. De Macher macht immer öppis. Ooni en Rägner rägnets nööd. Un ooni de oberscht Macher – gäbs gaar nüüt.
Öppis - gits ersch sid dem erschte Mache. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und dänn hät er na Tierli un Pflanze gmacht, am letschte Taag dänn öis, d Mänsche. Und ales mit schwätze. De Macher seit: Fiat lux. Es werde Licht. Und es ward Licht.

S Mache mues für die Mänsche, wo die Gschicht verzellt händ seer wichtig gsi sii. Die Gschicht chunnt usere Ziit – vor öppe drüütuusig Jaar – wo d Mänsche gleert händ mache, wos „homo faber“ woorde sind, Schmiid-Mänsche. Die Mänsche händ sich dänn au en Macher-Gott erfunde. Die händ dänn au Gschichte erfunde übers Wie, das mer macht. De Aafang vu alem Mache isch im Chopf. D Schmiid-Mänsche händ de Geischt erfunde. Öppis mache – mit Wörtere, mit schwätze, mit em Geischt. Öppis öppiset öppis.

Am Anfang war der Geist
Der Geist, Spiritus, Pneuma, Ruah, der Hauch. Der Geist macht. Der Geist erkennt. Der menschliche Geist denkt mit Wörtern und erkennt mit Begriffen. Dem menschlichen GEIST ist die Welt da draussen; genau verortet, was es ist und wo es ist. Er beobachtet die Welt von aussen, er stellt Fragen. Viele seiner Fragen kann der Mensch (den es nicht gibt , weil es nicht den, aber viele Menschen gibt) sich vergewissernd „gültig“ beantworten. Auf viele Fragen wissen die Geistforscher aber keine Antwort. Menschlicher Geist kommt beim Fragen nie an ein Ende. Er findet nie eine letzte Antwort.

Dä Geischt bliibt i de Wirrlete, chunnt nie us de Wirrlete use. Isch de Aafang s Mache? Oder isch es de Geischt? Wie macht Geischt öppis?

Dä Geischt, die Dänk-Sach, die „res cogitans“, wo sich d Mänsche bim naatänke erfunde händ, chan tänke, chan plane, voruus luege, hindersi luege, chan entscheide. Chan ja oder nei säge. Wo isch die „res cogitans“? Obe oder une, deet oder da, ine oder usse? Wo bin iich im Geischt? Was bin iich? Geischt, Bewusstsii, Seel? Oder bin iich min Körper? Oder am ändi – miis Hirni?

Wer isch das „Iich“ wo tänkt? Wer bin iich? Wo gits miich, bini „iich“ ine oder usse? Wo? Ich bin öppis i öppisem. Um miich ume häts Wält. Iich staane uf eme Standpunkt und luege use. Aber - wo isch miin Standpunkt? Wo staan iich? Wo bin ich? Wer bin iich? Bin iich öppis? Bin ich öppis i öppisem ine? Iich bin! Und iich weiss nöd, was ich bin. Bin ich öpper? Wie mach iich miich sälber zu öpperem? Und wie mach iich miich zu öppisem i öppisem ine?

Am Anfang war das Wort .
Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war am Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
Johannes-Evangelium 1,1

Ich mache mit Wörtere miich sälber und ich mache mit andere Wörter e Wält rundume. Mini Existänz isch Spraach. Ich tänke i Wörter, ich füüle i Wörter. Ich mache miini Wält us Wörtere. Ich mache Plään – us Wörtere, ich handle usere Wortwält use in e Wortwält ine. Ich bin es Wort. Am Aafang isch d Spraach. Am Aafang isch e Gschicht, won ich mir sälber verzele, e Gschicht won ich nöd weiss, wie si entstande isch. Ich bin miini Gschicht und weiss nöd wo si heerchunt. Ich tänke mit Wörter im Chreis ume, chume us de Wörter-Wirrlete nöd use, gumpe vu eim Wort zum nööchschte Wort im Chreis ume.

Woheer chömed all die Wörter? Sind d Wörter scho vor em Aafang daa? Weer hät d Wörter gmacht? De Geischt? Wie macht de Geischt Wörter? Wo isch miin Standpunkt? Wo staan iich? Wo bin ich? Wer bin iich? Bin iich öppis? Bin ich öppis i öppisem ine? Iich bin! Und iich weiss nöd, was ich bin. Bin ich öpper? Wie mach iich miich sälber zu öpperem? Und wie mach iich miich zu öppisem i öppisem ine?

Ich weiss nööd eb Mänsche bim Naatänke über de Afang au settigi Fraage gschtellt händ. Aber ich weiss, dass d Antworte uf settigi Frage hüt - im 21.Jahrhundert nüme chönd gliich sii. De Aafang isch nöd s Mache. Miini Wält hät nöd Öpper gmacht. Miini Wält hät au nöd Öppis gmacht, kän Geischt, kei "res cogitans". Miini Wält isch en Prozäss. Und miis Bild vu dem Prozäss fangt deet aa, won ich bim Naatänke mues nöi übersetze.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde - soo hät de Martin Luther s hebräisch Original übersetzt: Be reshit bara Elohim. S Wort "bara" gheisst für in "erschaffen". Das häts aber vor zweiehalbtuusig Jaar nöd gheisse. "bara" bedüütet "trennen". Am Anfang trennte Gott Himmel und Erde.




Am Anfang war das Unterscheiden .
Gott underscheidet Himmel und Erde. D Mänsche underscheided säb uf dere Siite - und öppis anders uf de andere Siite. Dänn häts zwei Siite: Gott und d Wält, obe und une, säb wo isch - und säb wo nöd isch, Sein und Nicht-Sein.
Miir schiints das mer hüt nüme soo eifach chan underscheide. Wänn ich frööge, wer iich bin, gits nöd nu iich und alles ander. Alles ander isch nöd alles gliich. I allem Andere häts na vil mee Underscheidige: daas was miich aagaat, was für miich wichtig isch. Ganz vil, wo miich zu dem macht woni bin. Es git nöd nu zwei Siite, säb und dises - zwüschetine häts daas, wo miir nööch isch - und dänn au daas wo wiit ewäg isch und doch zu miir ghöört, ales wo mir Fröid macht oder Angscht. I dere komplizierte Wält, won iich läbe mues iich ständig nöi underscheide. Drum chan ich au nöd ei für ali Maal wüsse, wer iich bin. Ich bin nach jedere Underscheidig en nöie Mänsch. Und ich weiss immer ersch hinedrii weer iich bin und was ich jetz grad nöi gsii bin. En eewigi Wirrlete, e ständigs Underscheide.

Öises Hirni macht Bilder, öises Hirni produziert Vorstellige, Gedanke. Was mir waarnämed isch nöd usse, es isch ine. Das chan ich mir sälber aber so mängisch säge, wen ich will, ich weiss es immer besser, iich weiss, dass alli öppis, won ich gseene, dusse sind. Und dänn wirds na verwirrleter: es isch niene, es isch nöd usse und nöd ine, es hät kän Platz. De Geischt hät kän Standpunkt, er isch nöd öppis wo nöime staat. De Geischt isch nöd „öppis“. Und iich bi nöd öpper, ich bi vili verschidni öpper, immer wider anders, immer wider nöi. Öppis chan bi dem Underscheide vu iich und ales ander, vu Subjäkt und Objäkt nöd stimme. Iich bi nöd es Individuum, nöd en Unteilbaars. Ich bin es Di-viduum, vili Iich, e multipersonals Subjäkt. Es chan au öppis nöd stimme mit all dem „öppis“, wo dusse isch. Das „Ding an sich“ (Kant), chan ich mit miim Geischt nöd erreiche. Mis Bewusstsii kännt nu Vorstellige. Mini Wält gits nu i de Gedanke.

Und Wält vu alne andere Mänsche gits au nu i dene irne Gedanke. Es git nöd ei Wält; es git 6 000 000 000 Mänschegedankewälte.

Für Mänschegedankewälte gilt enanderi Underscheidig, nöd zwei verschidnigi Sache, e Körper-Sach und e Geischt-Sach, wo eewig und unveränderlich sind. Für s Mänschbewusstsii gits nu Prozäss. Ales isch en Prozäss, ales isch en Prozäss vu immer nöie Underscheidige. Sid miir Mänsche gleert händ schwätze, chömmir nöd nu underscheide, mir chönd de einte Siite vum Underschidne au na en Name gää, mir chönd ei Siite bezeichne.

Am Anfang ist das Beobachten.
Underscheide und bezeichne, nöd geschter, nöd moorn, jetz! Immer grad jetz! Beobachte isch immer jetz. Morn chan ich dänn jetz beobachte, was ich geschter beobachtet hän. Dere Beobachtig säg ich dänn Erinnerig. Ich bin miini Erinnerige – miini Beobachtige – miini Plään, iich bin immer nöi, nie gliich, immer anders. Ich bin wen e Schlange wo sich sälber in Schwanz biisst. Ich bin ooni Aafang und ooni Ändi – en Uroboros . Ich bin en auto-logisches, es sälbscht-referäntiells Öppis. Und das Öppis isch nöd öppis wo isch, es isch es Netzwerch vu Underscheidige, es System.



....
Although mountains and rivers appear to be stable things to our Western minds, they are actually continually moving processes that evolve dynamically on various time scales. The fiction of stability and thingness is reified by the English language with its predominance of nouns acting on and acted upon by verbs. The dynamism of fractals as processes-in-nature seems much more consistent with American Indian languages, where features such as lightning and coastlines are described using verbs.
Terry Marks-Tarlow Cybernetics & Human Knowing vol 11, no1, 2004 http://www.uboeschenstein.ch/texte/marks_fractal.cit.html

Wer bin iich? Ich bin öpper. Ich bin öpper, wo öppis macht.
Ich bin en Underscheider, en Bezeichner – Ich bin en Beobachter vu miir sälber. Ich bin e sälbscht-referäntiells, dynamisches, adaptivs System.

Und soo gseet das „System“ uus - für anderi Beobachter.

Soo gsend miich di Andere.

Die lueged mich vu usse aa. Die underscheided miich vum Hindergrund. Vu was underscheid iich miich? Ich chan mich ja nöd vu usse aaluege, nu vu ine, won ich meine s seig usse. E schööni verwirrleti Umegumperei vu Gedanke. Miine Gedanke? Sind miini Gedanke würkli miini Gedanke? Oder sinds - wil ich ja i Wörter tänke, i Begriff won e langi Gschicht händ - Gedanke vu allne Mänsche vor miir, näbed miir, mit miir?

Der Beobachter ist die Einheit der Differenz von Selbstreferenz und Fremdreferenz. Er kann sich daher nicht selber bezeichnen. Er bleibt für sich selbst unsichtbar. Und ebenso die Welt, die für ihn als Einheit der Differenz von System und Umwelt fungieren müßte.
LuhmannReligion pg 24

Wer bin iich? En Beobachter? Eine Einheit der Differenz von Selbstreferenz und Fremdreferenz! Was heisst daas? Was seit das? We gaats wiiter?

Wiiter gaat die Gschicht, immer im Chreis ume, zirkulär, wiiter mit Ideä-Bündel: Was isch es System? Wie chönd settigi Bewusstsii-System mitenand i Verbindig cho? Wie chömmir anderi beobachte? Wie läsed mir im Chopf vu andere? Mind-reading! Kommunikation! Wiiter gaat die Hypertäxt-Gschicht mit Beobachte, Dekonstruktion, De-Ontologisierung, Theorie selbstreferentieller Systeme, Differenztheorie. Oder mit ere Wirrlete im Chopf vum Urs Boeschenstein.



HOME | SAL | TEXTE | BOE