Niklas Luhmann


Eine schnellere Übersicht (2013) über meine Luhmannsammlung:
Luhmann2

Texte:


Niklas Luhmann
Soziale Systeme

Grundriss einer Allgemeinen Theorie
Suhrkamp 1984
pg 11
Begriffe: Begriffe formieren den Realitätskontakt der Wissenschaft (und das heißt wie immer so auch hier: eingeschlossen den Kontakt mit ihrer eigenen Realität) als Differenzerfahrung. Und Differenzerfahrung ist Bedingung der Möglichkeit von Informationsgewinn und Informationsverarbeitung.
pg 15
Systemtheorie - Systeme
pg 92
Sinn - Die Co-evolution hat zu einer gemeinsamen Errungenschaft geführt, die sowohl von psychischen als auch von sozialen Systemen benutzt wird. Beide Systemarten sind auf sie angewiesen, und für beide ist sie bindend als unerläßliche, unabweisbare Form ihrer Komplexität und ihrer Selbstreferenz. Wir nennen diese evolutionäre Errungenschaft Sinn. - Sinnbegriff als "differenzlosen" Begriff, der sich selbst mitmeint, einzuführen - Das Phänomen Sinn erscheint in der Form eines Überschusses von Verweisungen auf weitere Möglichkeiten des Erlebens und Handelns. Etwas steht im Blickpunkt, im Zentrum der Intention, und anderes wird marginal angedeutet als Horizont für ein Und-so-weiter des Erlebens und Handelns - Sinn stattet das je aktuell vollzogene Erleben oder Handeln mit redundanten Möglichkeiten aus - Mit jedem Sinn, mit beliebigem Sinn wird unfassbar hohe Komplexität (Weltkomplexität) appräsentiert und für die Operationen psychischer bzw. sozialer Systeme verfügbar gehalten. Sinn bewirkt dabei einerseits: daß diese Operationen Komplexität nicht vernichten können, sondern sie mit der Verwendung von Sinn fortlaufend regenerieren. - Jede Sinnintention ist selbstreferentiell insofern, als sie ihre eigene Wiederaktualisierbarkeit mitvorsieht, in ihrer Verweisungsstruktur also sich selbst als eine unter vielen Möglichkeiten weiteren Erlebens und Handelns wieder aufnimmt. Sinn kann überhaupt nur durch Verweisung auf jeweils anderen Sinn aktuale Realität gewinnen; es gibt insofern keine punktuelle Selbstgenügsamkeit und auch kein »per se notum« -

Systemtheorie und Massenmedien- Zitate

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Niklas Luhmann
Die Gesellschaft der Gesellschaft
Suhrkamp 1998
pg 45

Medium Sinn: Die Eigenart des Medium Sinn ist ein notwendiges Korrelat der operativen Schließung von erkennenden Systemen. Sinn gibt es ausschließlich als Sinn und der ihn benutzenden Operationen, also auch nur in dem Moment, in dem er durch Operationen bestimmt wird, und weder vorher noch nachher. Sinn ist demnach ein Produkt der Operationen, die Sinn benutzen, und nicht eine Weltqualität, die sich einer Schöpfung, einer Stiftung, einem Ursprung verdankt. Es gibt demnach keiner von der Realität des faktischen Erlebens und Kommunizierens abgehobene Idealität.
pg 60
Unterscheidungen - Form - Selbstreferenz - das System kann auch als Beobachter der Form operieren; es kann die Einheit der Differenz, die Zwei-Seiten-Form als Form beobachten - aber nur, wenn es dafür seinerseits eine weitere Form bilden, also die Unterscheidung ihrerseits unterscheiden kann. So können dann auch Systeme, wenn hinreichend komplex, die Unterscheidung von System und Umwelt auf sich selber anwenden; dies aber nur, wenn sie dafür eine eigene Operation durchführen, die dies tut. Sie können, mit anderen Worten, sich selbst von ihrer Umwelt unterscheiden, aber dies nur als Operation im System selbst. - Selbstorganisation - Autopoiesis - operativen (oder selbstreferentiellen) Geschlossenheit des Systems - Beobachter - Kommunikation
pg 76
Systeme, die im Medium Sinn operieren
pg 120
KOGNITION: In dem Maße, in dem man Kommunikationssysteme als autopoietische Systeme eigener Art zu untersuchen beginnt, müssen auch die überlieferten Vorstellungen von »Kognition« überprüft werden. Auch dabei geht es um eine Neubeschreibung des humanistischen Erbes der europäischen Tradition.


Boe: Auszüge aus dem letzten (5.) Kapitel: Selbstbeschreibungen

Selbstbeschreibungen: Zitate
pg.866
Einen anderen Zugang bietet die Mathematik selbstreferentieller Systeme. Wenn das Gesellschaftssystem die Differenz von System und Umwelt nicht nur erzeugt, sondern sich außerdem noch daran orientiert, liegt ein Fall eines „re-entry“ einer Form in die Form (einer Unterscheidung in die Unterscheidung) vor, der das System in den Zustand einer „unresolvable indeterminacy“ versetzt. „Unresolvable“ heißt, dass die normalen mathematischen Operationen der Arithmetik und der Algebra nicht mehr zu eindeutigen Ergebnissen führen. Das System braucht imaginäre Zahlen oder imaginäre Räume, um sich weiterzuhelfen.
Boe: vgl. G.Spencer Brown, Sylvia Taraba
In der abendländischen Tradition, der wie (auch in diesem Buch) zunächst unreflektiert folgen, legt es nahe, Selbstbeschreibung als Kognition aufzufassen. Das setzt voraus, dass das erkennende Subjekt und das erkannte Objekt sich unterscheiden und trennen lassen, dass die Kognition besonderen Regeln unterworfen wird, die verhindern, dass die Eigenarten und Vorurteile der einzelnen Subjekte sich auswirken, und dass das Objekt (in unserem Falle: die Gesellschaft) sich nicht dadurch ändert, dass es einem Verfahren des Account Wirkens ausgesetzt wird. Die Erkenntnis sucht intersubjektive Gewissheit auf der Seite des Subjekts und setzt stabile Objekte voraus.
Wir wissen, das die Physik aus mehrfachen Gründen diese Annahmen gesprengt hat. Für die Soziologie stellt sich die Frage, ob nicht das Subjekt/Objekt- Schema einerseits ein Produkt gesellschaftlicher Sinnmanipulation ist. Wäre dies der Fall, dann hätten wir es mit einem Zirkel zu tun: das Kognitionsschema ist ein Aspekt des Objekts, das mithilfe dieses Schemas erklärt werden soll. Das muss nicht auf ein Desaster hinauslaufen speziell für die Gesellschaftstheorie führt dies aber vor die Frage,
ob und in welchem Sinne sie sich als Kommunikation eines Subjekts begreifen kann, dass ein Objekt erkennt. Mit dem Begriff der imaginären Konstruktion = Selbstbeschreibung haben wir eine Position vorbereitet, auf die man übersetzen kann, wenn man auf das Kognitionsschema Subjekt/Objekt verzichtet.

pg. 879
III. Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung
Schon auf operativer Ebene ist das Gesellschaftssystem zur Beobachtung seines Kommunizierens und in diesem Sinne zur Selbstbeobachtung gezwungen. Dafür genügt es jedoch zunächst, die Mitteilung als Handlung zu beobachten, so als ob sie ein (durch sich selbst) bestimmtes Objekt wäre. Im Anschluss daran entwickelt sich die Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz, mit der das System darauf reagiert, dass es durch sein operieren die eigene Form erzeugt, nämlich die Differenz von System und Umwelt.
Ein laufendes Beobachten anhand der Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz kondensiert die entsprechenden Referenzen und verdichtet sie zur Unterscheidung von System und Umwelt.
Das ermöglicht eine Selbstbeobachtung neuen Stils, nämlich die Zurechnung von Themen auf das System selbst im Unterschied zu seiner Umwelt. Das System reflektiert seine eigene Einheit als Bezugspunkt für Beobachtungen, als Orientierungsgesichtspunkte für ein laufendes Referieren.

pg.912
V. Die Semantik Alteuropas II: Das Ganze und seine Teile

pg. 923
.
..fraglose Geltung einer zweiwertigen Logik. Diese Logik akzeptiert ihrerseits eine Unterscheidung und gewinnt damit ihre spezifische Form, nämlich die Unterscheidung der logischen Werte positiv und negativ. Für die Einschätzung dieser Errungenschaft ist deshalb wichtig, dass man Unterscheidungen gewinnen und Formen markieren kann, bevor man über die Operation des Negierens verfügt; denn die Negation verdankt sich selbst der Form und nicht umgekehrt, sie ist nur möglich dank einer Unterscheidung, deren andere Seite die Position ist.
(Fussnote 105: Es ist anmerkenswert, dass die Logiker dieses Fundierungsverhältnis umgekehrt sehen und meinen, man könne nur mit Hilfe einer Negation unterscheiden. Wir dagegen können sehen, das hier ein wichtiger Fall der Evolution eines autopolitischen Systems vorliegt:
das Unterscheiden ist schon lange in Gebrauch, bevor die Sprache codiert wird und sich die Logik entwickelt. Nur deshalb kann Logik evoluieren. Das Logiksystem dreht dann aber das Fundierungsverhältnis um und gewinnt damit einen autonomen Zugang zur Welt, der es erlaubt alles und auch das Unterscheiden im Duktus der Zweiwertigenlogik zu beschreiben. So erklärt sich im Übrigen auch der Einbau der Negation in die Prämissen aller klassischen und modernen Logiksysteme. Und im Übrigen weiß man ja auch, dass mit dieser Prämisse keine widerspruchsfreie Selbstbegründung der Logik gelingen kann. Will man das ändern, muss man mit Wittgenstein Sprache oder mit Spencer Brown den mathematischen Kalkül der Logik vorordnen)
Boe: Sprachspiele, Protologik
Einschneidende Beschränkungen sind dagegen durch die zweiwertige selbst auf erlegt. Die zweiwertige Logik hat nur einen Wert, den positiven Wert, wie die Bezeichnung des Seins zur Verfügung, und einen zweiten Wert für die Selbstkorrektur des Beobachters, für die Kontrolle von Irrtümern.
Legt man zusätzlich die Unterscheidung von Denken und Sein zu Grunde, kann man das Sein als eine Form betrachten, deren andere Seite das Nichtsein ist. Man kann dann Sein und Nichtsein als Beobachter richtig beziehungsweise unrichtig bezeichnen. Damit sind die Möglichkeiten einer zweiwertigen Logik erschöpft.
Boe: aletheia/doxa; Statik/Dynamik, Ontologie/Autopoiesis
Zieht man zusätzlich Modalitäten der Zeit und der Möglichkeit in Betracht, gelangt man bereits an die Grenzen dieses Beobachtungsschemas; und das gilt erst recht, wenn mit einer Beobachtung zweiter Ordnung auf das Beobachten (erster und zweiter Ordnung) reflektiert werden soll. Strukturreichere Sachverhalte können nicht dargestellt, sondern müssen, wenn man so sagen darf, ontologisch komprimiert werden. Entsprechend können Probleme der Referenz von Problemen der Wahrheit beziehungsweise Unwahrheit nicht unterschieden werden. Eine Aussage ohne Referenz ist eben eine unwahre Aussage, und Unsicherheiten der Referenz, zum Beispiel im Zusammenspiel von selbstreferentiellen und fremdreferentiellen Komponenten des Beobachtens, werden automatisch zu Wahrheitsproblemen.
928 Das Resultat einer solchen logisch- zweiwertigen Weltbeschreibung erscheint als Ontologie und in den Begründungsbemühungen als ontologische Metaphysik. Danach hat das Sein nur die Möglichkeit, zu sein oder nicht zu sein; und das Denken nur die Möglichkeit, dass Sein beziehungsweise das Nichtsein zutreffend beziehungsweise unzutreffend zu bezeichnen.
Boe: absolute Wahrheit - Glauben - Autorität - Herr-schaft
Das Denken muss als „Repräsentation“und Kunst muss als „Imitiation“ des Seins begriffen werden, denn anderenfalls müsste es als Fehlleistung aufgefasst werden. Eine Mehrzahl von Beobachtern wird folglich angewiesen, im Beobachten übereinzustimmen. Sie beobachten gemeinsam das Sein, sei es zutreffend, sei es unzutreffend. Und da es nur eine zutreffende Repräsentation des einzigen Denken geben kann, gibt es Autorität. Wer es richtig sieht, dann die anderen belehren. Das Beobachten des Beobachtens hat hier keine andere Funktion als das Ausfiltern von Erkenntnisfehlern. Auch die anderen Beobachter sind, wenn man sie beobachtet, Objekte. Sie haben eine Sachqualität wie jedes andere Ding. Auch über sie können daher Beobachter seinsrichtige und seinsunrichtige Meinungen haben.

pg.926
Luhmann Zitate in Taraba 51


pg.1109
XXI. Der “unmarked state” des Beobachters und seine Verschiebungen

pg 1122
Was Selbstbeschreibungen des Gesellschaftssystems angeht, also des Systems, das in sich selbst Beobachtung erster und Beobachtung zweiter Ordnung ermöglicht, führt der Übergang von der ersten zur zweiten Ebene dazu, dieRealität als kontingent, als auch anders möglich zu beschreiben.
Selbstbeschreibungen des Gesellschaftssystems - Beobachtung erster und Beobachtung zweiter Ordnung - Die Selbstbeschreibung endet für den Beobachter erster Ordnung mit Angaben über invariante Grundlagen, über die Natur und über Notwendiges. Heute nimmt der Wertbegriff, der Superunbezweifelbares symbolisiert, diesen Platz ein. Für den Beobachter zweiter Ordnung erscheint die Welt dagegen als Konstruktion über je verschiedenen Unterscheidungen. Ihre Beschreibung ist infolgedessen nicht notwendig, sondern kontingent, und nicht mit Bezug auf Natur richtig, sondern artifiziell. - Durch funktionale Differenzierung des Gesellschaftssystems wird jedem Funktionssystem die Einrichtung einer eigenen Autopoiesis ermöglicht. - moderne Gesellschaft - sie kommt im Beobachten ihres Beobachtens immer nur auf den Punkt, an dem etwas auszusetzen ist - und sei es schließlich auf den Zentralpunkt, an dem das Gute und das Schlechte fusionieren: daß man beobachten kann, daß der Beobachter nicht beobachten kann, wie er beobachtet. Die eigentümliche Ausnahmslosigkeit dieser Struktur präsentiert sich nicht mehr in der Ferne, nicht mehr in der Form eines unbedingt existierenden Wesens. Sie liegt für uns in der Operation des Beobachtens selber, in der Angewiesenheit auf Sinn als Medium, das nur selektiv, nur für Formbildung, nur mit Hinweis auf etwas anderes benutzt werden kann.

pg.1136
Alles Beobachten (Erkennen und Handeln) ist paradox fundiert, da es auf Unterscheidungen angewiesen ist, die es operativ einsetzen, aber nicht als Einheit reflektieren kann. Wenn eine solche Reflexion versucht wird, wird sie mit einem Paradox bestraft: Das Unterschiedene ist Dasselbe. Und dies gilt, um es nochmal zu wiederholen, für Erkennen und für Handeln und für Beobachten erster wie für Beobachten zweiter Ordnung.

pg. 866 - 1149 Selbstbeschreibungen: Zitate

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Niklas Luhmann: Abschiedsvorlesung (1998)
"Was ist der Fall?" und "Was steckt dahinter?"

Niklas Luhmann Soziologische Aufklärung 5
Konstruktivistische Perspektiven
,
Verlag für Sozialwissenschaften 2009
31 Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus und die unbekannt bleibende Realität.

Niklas Luhmann. Theories of Distinction
William Rasch The Self-Positing Society
in: Niklas Luhmann: Theories of Distinction, Redescribing the Discriptions of Modernity, ed. William Rasch, Stanford University 2002

Niklas Luhmann
Gesellschaftsstruktur und Semantik

Suhrkamp 1999
pg 59
Theorie selbstreferentieller Systeme:
(1) Lebende Systeme, neurophysiologische Systeme, Bewußtseinssysteme und soziale Systeme haben eine gemeinsame Grundcharakteristik: Sie sind selbstreproduktive oder »autopoietische« Systeme, die ihre eigenen Operationen benutzen müssen, um ihre eigenen Operationen zu reproduzieren. Das heißt auch: es sind operativ geschlossene Systeme, die mit ihren eigenen Operationen nicht in der Umwelt operieren, also auch nicht in die Umwelt eingreifen können.
(2) Systeme dieser Art sind strukturdeterminierte Systeme. Sie können nicht durch ihre Umwelt determiniert werden, sondern müssen ihre eigenen Zustände durch ihre eigenen Strukturen festlegen, die sie durch ihre eigenen Operationen erzeugt haben und ständig erneuern oder durch andere ersetzen. Schon einfachste mathematische Rechnungen zeigen, daß jede andere Lösung völlig ausgeschlossen ist - und zwar sowohl materiell als auch informationell.
(3) Trotz, ja wegen operativer Schliessung müssen solche Systeme in der Lage sein, sich selbst von ihrer Umwelt zu unterscheiden. In diesem Sinne kann man von
Selbstbeobachtung sprechen. Da auch dies nur als Operation durchgeführt werden kann, können diese Systeme ihre Identität nicht als Gegenstand von Erkenntnis fixieren, sondern müssen sie ständig erneut überprüfen, und dies mit Bezug auf eine sich laufend ändernde Umwelt.

Die Soziologie des Wissens
pg 159
Schlüsselbegriffe: Soziologie des Wissens - Theorie der Erkenntnis - transzendentale Phänomenologie Husserls - daß ein Bewußtsein bei all seinen Operationen immer zugleich auf Phänomene und auf sich selbst referiert. - Unterscheidung von Handeln und Erkennen - Biologie der Kognition - Bedingungen der Kognition sind so komplex, daß sie keinen Eingang ins Bewußtsein finden können. - das Bewußtsein ist auf Repression aller Informationen über Operationen im neurophysiologischen Bereich angewiesen, aber zugleich abhängig von strukturellen Kopplungen zu diesem Bereich, das heißt: abhängig davon, daß der Organismus lebt - Das Bewußtsein kann nur durch seinen eigenen Organismus irritiert werden, also nur durch einen extrem schmalen Weltausschnitt. Eine so scharfe Reduktion von Komplexität ist unerläßlich, wenn das System eigene Komplexität aufbauen, wenn es befähigt sein soll zu lernen. - Übergang von Was-Fragen zu Wie-Fragen - die Überführung des Grund-Problems in die Zeitdimension, heute vor allem im Formenkalkül von George Spencer Brown ausgearbeitet oder in Derridas Leitidee: daß der Ursprung eine Differenz (Schrift) sei, die zum ständigen Verschieben der Differenz, zur "differance" zwinge.

Niklas Luhmann
Soziologie
GEO-WISSEN   
November 1993

Glossar zu Niklas Luhmann
Theorie sozialer Systeme
Claudio Baraldi / Giancarlo Corsi / Elena Esposito

Suhrkamp 1997
pg 63
Gesellschaft
S. 65:
Gesellschaftsdifferenzierung: vier Differenzierungsformen:
Differenzierung in gleiche Teilsysteme(Segmentation); 
Differenzierung Zentrum/Peripherie; 
hierarchische Differenzierung in Schichten; 
funktionale Differenzierung.  


Niklas Luhmann
Einführung in die Systemtheorie

Carl Auer 2004
pg 58
Schlüsselbegriffe: Verschiebung der Frage vom System als einem Objekt auf die Frage, wie die Differenz zwischen System und Umwelt zustande kommt, wenn das System auf der einen Seite dieser Differenz und die Umwelt auf der anderen Seite verortet werden - Frage des Beobachtens oder des Unterscheidenkönnens.
pg 72
ZEICHEN - UNTERSCHEIDUNG - DIFFERENZ - RE-ENTRY
Draw a distinction
Zweiteiligkeit des Zeichens.
pg 100
Frage der Selbstorganisation und der Autopoiesis.
Es steckt eine Absicht dahinter, auch dies von der These operativer Geschlossenheit her zu sehen. Ich glaube nach vielen Erfahrungen aus Diskussionen über Selbstorganisation und über Autopoiesis, dass die These der operativen Geschlossenheit der Ausgangspunkt ist, von dem aus man diese beiden Begriffe erklären sollte.
pg 138
Alles, was gesagt wird, wird durch einen Beobachter gesagt. H.Maturana
Ebene der Beobachtung erster Ordnung - Bereich der Beobachtung zweiter Ordnung
pg 223
Der Sinnbegriff
pg 288
Kommunikation als selbstbeobachtende Operation
...dass das System völlig von der Operation her produziert und dann auch in der Beobachtung so definiert wird. Wir haben eine Operation als den Systemproduzenten, wir müssen die Theorie so einstellen, dass sie auf diese Operation bezogen wird, und das heißt, dass Systemtheorie und Kommunikationstheorie zusammengedacht werden müssen. Denn diese Operation, das hatte ich bereits gesagt, ist die Kommunikation

Niklas Luhmann
Introduction to Systemstheory
Ed. Dirk Baecker
Polity Press 2013
Luhmann-Introduction to Systemstheory

Niklas Luhmann
Die Wissenschaft der Gesellschaft
Suhrkamp 1992

pg19
Das Bewusstsein hat seine für die Kommunikation unerreichbarer Eigenart in der Wahrnehmung bzw. in der anschaulichen Imagination. Am besten lässt diese Eigenart sich begreifen, wenn man das Bewusstsein zunächst vom zentralisierten Nervensystem unterscheidet. Das Nervensystem ist eine Einrichtung zur Selbstbeobachtung des Organismus. Es kann nur körpereigene Zustände diskriminieren und operiert deshalb ohne Bezug auf die Umwelt.
pg 46
Ein Kommunikationssystem ist ein an Bewusstsein gekoppeltes, durch Bewusstsein irritierbares System, das aber die eigenen Operationen nur durch die eigenen Strukturen und die eigenen Strukturen nur durch die eigenen Operationen determinieren kann. Nur so kann das System stabiler sein als seine Umwelt. - Sprache

Niklas Luhmann
Das Erziehungssystem der Gesellschaft
Suhrkamp 2002
pg 22
Systembildung - operative Schliessung - strukturelle Koppelung - Verhältnisses von Autopoiesis und Strukturbildung - Begriff der selbsterzeugten strukturellen Unbestimmtheit -

pg 52
Sozialisation - Personen - Sprache
pg 82
Unterscheidung von Medium und Form - Sprache - Beispiel für den gesellschaftlichen Gebrauch der Unterscheidung von Medium und Form ist die Sprache
.
Sie besteht aus einer ziemlich großen Menge von Worten und einigen Kombinationsregeln, also einer Grammatik. Die Worte sind aber nicht die Formen des Mediums, sondern sind seine Elemente, die im Gebrauch des Mediums als nicht weiter auflöshare Komponenten vorausgesetzt werden. Zur Formbildung kommt es erst, wenn Sätze gebildet werden, denn nur Sätze artikulieren Kommunikation. Sprachlernen vollzieht sich daher nicht in der Weise, daß zuerst die Worte gelernt werden, dann die Kombinationsregeln und schließlich Sätze gebildet werden. Vielmehr wird Sprache unmittelbar als Einheit der Differenz von Medium und Form gelernt. Man versucht die Bildung von Formen (Sätzen, satzäquivalenten Ausrufen) und erweitert, wenn kommunikativ erfolgreich, allmählich das verfügbare Repertoire. Auf diese Weise entsteht Sprachkompetenz als Fähigkeit des selektiven, situationsangepaften Umgangs mit dem Medium. - Differenzierungsschübe in der soziokulturellen Evolution - Einführung neuer Medien für neue Formbildungen
pg 97
Erziehung
- Medium Lebenslauf - Form "Wissen" - Wissensgesellschaft - soziale Validierung des Wissens - Begriff der Form - Interferenz von Erinnern und Vergessen

Niklas Luhmann
Die Religion der Gesellschaft
Suhrkamp 2002
pg 14 Sinn
pg 24 Beobachter

Immer wieder hat mir Luhmanns Religion der Gesellschaft weitergeholfen. Ich habe viele Grundbegriffe der Theorie sozialer Systeme erst bei der wiederholten Lektüre dieses Buches verstanden.
Exzerpte in: Luhmann-Religion

Niklas Luhmann
Die neuzeitlichen Wissenschaften und die Phänomenologie

Wiener Vorlesungen Picus 1996
pg 20
Begriff der Kultur
pg 30
Intention ist nichts weiter als das Setzen einer Differenz, das Treffen einer Unterscheidung, mit der das Bewußtsein sich selbst motiviert, etwas Bestimmtes (und nichts anderes) zu bezeichnen, zu denken, zu wollen. Das würde zu einer mathematischen Theorie passen, die George Spencer Brown als Indikationenkalkül oder als Theorie operativ produzierter Formen ausgearbeitet hat. Das erste und unausweichliche Gebot des Bewußtseins wäre danach: draw a distinction, und dies in bewußter Form: als Eigenleistung der Selbstreproduktion des Bewußtseins.
pg 40
Wenn es überhaupt kognitionsfähige Systeme gibt, stößt man auf das Problem, daß diese Systeme mit der Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz operieren und nur über Fremdreferenz (also nur »phänomenologisch«) eine Vorstellung von Umwelt errechnen können. Operativ bleibt die Umwelt unzugänglich, da das System nicht in seiner Umwelt operieren kann. Andererseits können die Systeme selbst nicht unterscheiden zwischen der Umwelt, wie sie wirklich ist, und der Umwelt, wie sie sie bezeichnen. »We can never be quite clear whether we are referring to the world as it is or to the world as we see it«.

Niklas Luhmann
Ideenevolution
Suhrkamp1870
2008
pg 10
Die Einrichtung geschlossen-selbstreferentieller Systeme ist Ergebnis und Voraussetzung von Evolution; das Entstehen gerichteter Linearität, die dann als historischer Prozess aufgefasst und beschrieben werden kann, setzt sekundäre Strukturen voraus und ermöglicht sie wiederum auf höheren Ebenen des evolutionären Aufbaus der Realität. Ganz ähnliche Verhältnisse sind überall dort zu vermuten, wo nicht Protein, sondern Sinn zum Aufbau von unwahrscheinlichen Ordnungen verwendet wird. Die Ähnlichkeit beruht nicht darauf, dass Organismen bestimmter Art Voraussetzung sind für sinnhaftes Erleben und Handeln und dass diese Voraussetzung irgendwie durchschlägt und höhere Ordnungebenen mitbestimmt.


Niklas Luhmann
Beobachtungen der Moderne
Verlag für Sozialwissenschaften 2006

Luhmann Beobachtung der Moderne
11 - 1. Das Moderne der modernen Gesellschaft
51 - II. Europäische Rationalität
93 - III. Kontingenz als Eigenwert der modernen Gesellschaft
149 - V. Ökologie des Nichtwissens

Soziologie
Systemtheorie
Glossar Luhmann Systemtheorie
Vom Unterscheiden


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