Niklas Luhmann
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Schlüsselbegriffe: Selbstorganisation - Autopoiesis - These operativer Geschlossenheit - Struktur - Gedächtnis Und zum anderen: Das System hat nur eigene Operationen zur Verfügung, um den historischen Zustand zu determinieren, wenn man so will, die Gegenwart, von der alles Weitere ausgehen muss. Gegenwart ist, was das System betrifft, durch die eigenen Operationen bestimmt. Was ich jetzt gerade gesagt habe, ist der Punkt, von dem ich ausgehen muss, wenn ich mir überlege, was ich weiterhin sagen kann. Was ich jetzt gerade denke, was im Moment in meinem Bewusstsein passiert, was ich wahrnehme, ist das, was Ausgangspunkt für die Verständlichkeit weiterer Wahrnehmungen ist. Ich weiß, dass ich in diesem Raum hier an dieser Stelle bin, und wenn ich erratische Sprünge machen würde, müsste ich mir überlegen, ob ich irgendwelche Drogen genommen habe und deswegen die normale Kontinuität der Wahrnehmung zur Unterstützung der Interpretation überraschender Ereignissen nicht mehr realisieren kann. Wir haben es mit zwei Sachverhalten zu tun: erstens mit "Selbstorganisation" im Sinne einer Erzeugung einer Struktur durch eigenen Operationen und zweitens mit "Autopoiesis" im Sinne einer Determiniation des Zustandes, von dem aus weitere Operationen möglich sind, durch die Operationen desselben Systems. Ich möchte erst einmal etwas über Selbstorganisation sagen. Vielleicht ist es am besten, sich zunächst klar zu machen, dass Strukturen bei einer operationalistischen, operativen Theorie nur in dem Moment wirksam sind, in dem das System operiert. Hier sehen Sie wieder eine Distanz zu klassischen Vorstellungen, denn dies widerspricht der Vorstellung, dass Strukturen das Beständige sind und Prozesse oder Operationen das Vergehende. Dann sieht man auch, dass die Beschreibung - wenn man nun wissen will, was eine Struktur ist, was eine psychologische Struktur ist, wie man Personen charakterisieren, wie man sie beschreiben, wie man ihre Gewohnheiten schildern würde oder, wenn man an soziale Systeme denkt, wie man eine Universität beschreibt - wiederum die Beschreibung eines Beobachters ist. Man identifiziert die Strukturen, tut dies jedoch nur dann, wenn ein System, das dies tut, dies tut. Das impliziert eine vollständige Relativierung des deskriptiven Kennzeichnens von Strukturen auf ein operierendes System. Das Gedächtnis ist keine gespeicherte Vergangenheit. Das Vergangene ist vergangen und kann nie wieder aktuell werden. Das Gedächtnis ist eher eine Art von Konsistenzprüfung, wobei es typisch nicht notwendig ist, sich zu erinnern, wann man etwas Bestimmtes gelernt oder nicht gelernt hat. Wenn ich jetzt deutsch spreche, brauche ich nicht zu wissen, wann ich diese Sprache gelernt habe und wie es überhaupt dazu gekommen ist oder wann ich bestimmte Worte wie „Autopoiesis" zum ersten Mal benutzt habe oder zum ersten Mal gelesen habe. Entscheidend für das, was man in der Zukunft im Kontext von Erwartungen, von Antizipationen, von Zielsetzungen und dergleichen erreichen will, ist die aktuelle Abrufbarkeit, die aktuelle Prüfung der Verwendungsbreite.
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