Nina Ort
Reflexionslogische Semiotik
VelbrückWissenschaft 2007

Ort-Semiotik 187
II. Peirce – reflexionslogisch erweitert

II.0. Einleitung

Bei meinem Projekt, eine dreiwertige Zeichenlogik zu entwickeln, die im Anwendungsfeld der Literaturtheorie und -analyse fruchtbar sein kann, gehe ich von einem allgemeinen Zeichenbegriff aus. Die Radikalität des Semiotizitäts-Axioms besteht darin, dass semiotische Prozesse als konstitutiv für Realität, also den Gesamtzusammenhang dessen, was klassisch als Opposition von Objektivität und Subjektivität betrachtet wurde, angenommen werden:
Sprache ist demnach keine besondere Leistung des Denkens, sondern das Denken ist an sich semiotisch konstituiert. Das macht Semiotik als Wissenschaft der Zeichen zu einem inter- und transdisziplinären Forschungsfeld, zu einer Methode, einer Disziplin oder gar Metadisziplin – die systematischen Bestimmungen sind so vielfältig wie ihre Anwendungsgebiete.

Warum fällt meine Wahl unter den vielfältigen Zweigen, Schulen, Ausrichtungen der Semiotik auf die von Charles S. Peirce? Sie ist durch das Interesse an einem formal geschlossenen, dreiwertigen Zeichenmodell motiviert. Und eine Kompilation des Güntherschen mit dem Peirceschen Modell bietet sich an, weil für Peirce Semiose, Denken und Logik synonyme Begriffe darstellen.1

Da bei Peirce Zeichenprozesse
grundlegend als erkenntnistheoretische Prozesse aufgefasst werden können, können die erkenntnistheoretischen Überlegungen, wie sie im Anschluss an Günther formuliert werden, auf seine Semiotik übertragen werden. Wenn es die ausdrückliche Absicht von Günther ist, ein formal geschlossenes, nicht-klassisches System zu entwickeln, so muss auch Peirce seinerseits, als Mathematiker, Logiker und Naturwissenschaftler,
von dem Wunsch, ein logisch formales Zeichenmodell zu entwickeln, ausgegangen sein. Dieser Aspekt ist hier deswegen von höchster Bedeutung,
weil die Rekonstruktion der Peirceschen Semiotik als dreiwertige Zeichenlogik eine Begegnung von Natur- und Geisteswissenschaft darstellt, die geisteswissenschaftlicher Theoriebildung ein neues Fundament zu verleihen imstande ist.

1 Auf seiner Suche nach einer allgemeinen Theorie aller möglichen Arten von Zeichen, kommt Peirce beispielsweise zu der Feststellung, es sei »[...] wohl angemessen, daß beim gegenwärtigen Stand unseres Wissens die Logik als mit der Allgemeinen Semiotik, der apriorischen Theorie der Zeichen, zusammenfallend betrachtet werden sollte.« (Peirce, SemSch III. S. 353 f.)

Obgleich ich es nicht für unbedingt sinnvoll erachte, Peirce’ Semiotik begrifflich zu etikettieren, so denke ich doch, dass der Begriff logischer Idealismus diese Begegnung von Natur- und Geisteswissenschaft schön umschreibt.2

In der Peirceforschung herrscht Konsens darüber,
dass es bei Semiotik vor allem um semiotische Prozesse, also um Semiose geht, nicht nur um die Darstellung des Zeichens. Eine erste These lautet daher: Theoriemodelle, die auf der Grundlage eines zweiwertigen Erkenntnismodells beruhen, können Semiose als Prozessualität nur behaupten, nicht aber widerspruchs- bzw. paradoxiefrei darstellen. Sie können außerdem Prozessualität nicht als evoluierende Prozessualität darstellen, mit der Neues erzeugt wird. Als seinslogisch fundierte Theorien sind sie notwendig daran gebunden, der identifikatorischen Bestimmung von Zeichen und Zeichenprozessen zu folgen.

Das Ziel von Günther und Peirce ist es hingegen, Wirklichkeit als lebendige, prozessuale und evoluierende Wirklichkeit darzustellen; das heißt auch: ein angemessenes dynamisches theoretisches System der Beschreibung
von Wirklichkeit zu entwickeln. Diese Entsprechung von Wirklichkeit und Darstellung der Wirklichkeit ist die konsequente Umsetzung von Semiotik als Wissenschaft von Zeichen. Peirce fasst seine Idee emphatisch zusammen:

Aber wenn es irgendeine Wirklichkeit gibt und insoweit es irgendeine Wirklichkeit gibt, so besteht jene Wirklichkeit in diesem: daß es im Sein der Dinge etwas gibt, was dem Prozeß des Schließens entspricht, daß die Welt lebt und sich bewegt und ein Sein besitzt, in einer Logik der Ereignisse.3

2 Diesen Begriff verwendet Pape in: Pape, Helmut (1994): Zur Einführung: Logische und metaphysische Aspekte einer Philosophie der Kreativität. Ch. S. Peirce als Beispiel. In: Ders. (Hg.): Kreativität und Logik. Charles S. Peirce und das philosophische Problem des Neuen. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 9-59. Hier S. 20.
3 Peirce, Charles S. (1976): The New Elements of Mathematics by Charles S. Peirce Vol. IV. 5 Bde. Hg. v. Carolyn Eisele. Den Haag: Moution. S. 343 f.
Zitiert nach: Pape, Helmut (1994): Zur Einführung: Logische und metaphysische Aspekte einer Philosophie der Kreativität. Ch. S. Peirce als Beispiel. In: Ders. (Hg.): Kreativität und Logik. Charles S. Peirce und das philosophische Problem des Neuen. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 9-59. Hier S. 56.


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II.2. Dreiwertigkeit im Peirceschen Zeichenmodell

II.2.1. Das Dritte als Vermittlung?

Peirce’ Zeichenmodell besteht aus vielfältig aufeinander bezogenen, irreduziblen Triaden, die, wie gezeigt werden soll, in einer zweiwertigen
Logik nicht widerspruchsfrei thematisiert werden können. Das Peircesche Zeichenmodell bildet somit eine geeignete Grundlage zur Ausformulierung einer dreiwertigen Zeichenlogik.

Das logische Potential
eines dreiwertigen Zeichens, wie es Peirce modelliert hat, ist noch nicht umfänglich erforscht und erschlossen.18 Die oben angesprochenen Defizite in Zeichenmodellen und erkenntnistheoretisch orientierten philosophischen Modellen legen es nahe, die Umstellung auf eine dreiwertige Zeichenlogik an jener Zeichentheorie zu unternehmen, die Triadizität am konsequentesten angelegt hat. Daher konzentriere ich mich auf einige Aspekte der Dreiwertigkeit in Peirce’ Semiotik, die bislang in der
Forschung noch nicht ausreichend bedacht wurden.

Die große Überlegenheit der Peirceschen Semiotik etwa gegenüber der de Saussureschen Semiologie wird in dem prozessualen Charakter der Peirceschen Semiotik erkannt, die durch ihre Dreiwertigkeit entsteht. Während in der de Saussureschen Semiologie grundsätzlich von einer Welt der Dinge ausgegangen wird, von der sich das Universum der diese Dinge bezeichnenden Zeichen – schon aufgrund des Konzepts der Arbitrarität – klar abgrenzt, ist eine derartige Trennung in dem Zeichenuniversum bei Peirce nicht mehr anzugeben.19 Seine drei Kategorien entfalten sich zwischen den beiden Horizonten von »Sein« und »Substanz« und stellen somit zugleich Seins- und Reflexionsweisen innerhalb dieses Doppelhorizonts von »Einheit« und »Mannigfaltigkeit« dar.

Die Kategorien bilden somit das Zentrum des Peirceschen
Gedankengebäudes, und sie sind die Grundlage für die Entwicklung der
Zeichenklassen, wobei jedes Zeichen seinerseits eine genuine Triade aus
Objekt, Repräsentamen und Interpretant darstellt.20 Zu fragen ist also, ob logische und erkenntnistheoretische Dreiwertigkeit bereits in den Kategorien
angelegt ist, und inwiefern sich dann auch Zeichen als logisch dreiwertige Zeichen interpretieren lassen.

Auch in der Peirceforschung
wird das angenommene »Dritte« zumeist als vermittelnde Instanz aufgefasst – entweder lokalisiert im Repräsentamen, das zwischen Objekt und Interpretanten vermittelt, oder andersherum, so dass dem Interpretanten die vermittelnde Funktion zukommt, oder aber – unter der pragmatischen Perspektive – als kommunikative Vermittlung innerhalb
der Forschungsgemeinde. In diesen Interpretationen der vermittelnden
Funktion des Dritten wird dann auch der prozessuale Charakter des
Peirceschen Zeichenmodells gesehen.21 Diese Interpretationen sind keineswegs aus der Luft gegriffen, denn auch Peirce schreibt über das Zeichen
(die Zeichenkonstituente, die ich als Repräsentamen bezeichne), es vermittle zwischen einem Objekt und einem Interpretanten:

»Das
Objekt und der Interpretant sind also lediglich die zwei Korrelate des
Zeichens; das eine ist das Antezedens, das andere das Konsequens des
Zeichens.«22

Es soll hier nicht um eine Diskussion gehen, welche dieser
Interpretationen am plausibelsten ist. Es geht vielmehr um den Begriff der Vermittlung selbst, den ich hier einerseits für überschätzt halte und in dem ich andererseits einen Begriff sehe, der dem klassischen, zweiwertigen Denken entstammt, das Dreiwertigkeit im Grunde gar nicht anders thematisieren kann, denn als Vermitteltheit.

Ich schreibe es daher in erster Linie den oben angesprochenen Konventionen
in der Semiotik und im weiteren Sinne der Literaturwissenschaft zu, dass diese vermittelnde Funktion des Dritten in der Forschung bislang so unkritisch übernommen wurde. Die Vermittlungsfunktion schöpft bei Weitem nicht das Potential der Triadizität aus, die diese birgt.

Zwar wird immer wieder erwähnt, dass eine genuine Triade eine besondere Qualität hat, und daher nicht auf eine Dyade reduziert werden kann, worin diese zumeist bloß festgestellte Qualität jedoch genau besteht, wird dann nicht näher erläutert.23 Auch wenn man sich damit begnügt, das Dritte als Vermittlungsinstanz zu konzipieren, ist es zwar einleuchtend, die Irreduzibilität der Triade zu betonen, denn gerade diese Vermittlungsinstanz soll ja die Prozessualität des Zeichens in der Semiose bzw. den semiotischen Prozess erklären. Als Vermittlung wird der dritte Aspekt des Zeichens jedoch gleichsam
in seiner zeichenkonstitutiven und logischen Dimension neutralisiert und entkräftet. Es gibt – wie gehabt – zwei Zeichenaspekte sowie ein Drittes, das zwischen ihnen vermittelt, und gerade dadurch seine Brisanz verliert. Denn als Vermittlung »stört« es die beiden vermittelten Aspekte nicht im Geringsten; ganz im Gegenteil dient es als Vermittelndes der Bestätigung der Auffassung, dass es nur zwei Aspekte des Zeichens gibt – tertium non datur.


18 Diese Auffassung wird auch vertreten von Zeidler, Kurt Walter (2000): Die Wirklichkeit der Vernunft. Formale, empirische und rationale Begründung. In: Ludwig Nagl, Rudolf Langthaler (Hg.): System der Philosophie? Festgabe für Hans-Dieter Klein, Franfurt am Main: Peter Lang.
S. 241-252.
19 Man kann die Semiologie von de Saussure natürlich auch anders interpretieren – in jedem Falle aber nur als zweiwertig: Im Begriffspaar von Signifikant und Signifikat wiederholt sich die dualistische Konzeption, wobei das Signifikat als Vorstellungsbild, als »mentales Objekt« fungiert.
Schönrich interpretiert das de Saussuresche Zeichen als ein reduktionistisches, dem – im Vergleich mit dem Peirceschen Zeichen – der Objekt(-bezug) im Sinne der Referentialität fehle. (Schönrich, Gerhard (1999): Semiotik zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag. S. 33 ff.) Ich halte diese Auffassung für theoriebautechnisch ungeschickt, da sie eine prinzipielle
Vergleichbarkeit der einzelnen Konstituenten des Peirceschen mit dem dem Saussureschen Zeichen suggeriert.
20 Ich verwende den Begriff »Repräsentamen«, statt des Begriffs »Zeichen« um Missverständnisse zu vermeiden. Auch auf den Begriff »Zeichenmittel«, den insbesondere Schönrich verwendet, verzichte ich, denn es geht mir gerade darum, Alternativen zu der vermittelnden Funktion des Repräsentamen aufzuzeigen, die mit dem Ausdruck »Zeichenmittel« assoziiert sind.
21 So auch Jahraus (2003): Literatur als Medium. S. 348. Umgekehrt wird eine Vergleichbarkeit zwischen dem de Saussureschen und dem Peirceschen
Zeichenmodell ebenfalls darin gesehen, dass die Vermitteltheit von Signifikant und Signifikat bei de Saussure durch den Begriff des Zeichens oder den des ›seme‹, oder aber durch die ›langue‹ (Roland Barthes) im Grunde der Drittheit bei Peirce entspreche. Vgl. hierzu: Backes, Michael (2001): Experimentelle Semiotik in den Literaturavantgarden. Über die Wiener Gruppe mit Bezug auf die Konkrete Poesie. (= Das Problempotential der Nachkriegsavantgarden. Grenzgänge in Literatur, Kunst und Medien, Band 1) Hg. v. Michael Backes, Thomas Dreher, Georg Jäger, Oliver Jahraus. München: Wilhelm Fink. S. 41.
22 Peirce, SemSch III. S. 253. Gleiches schreibt er über die Kategorien: Thirdness sei »mediation between Secondness and Firstness.« (Peirce, CP 5.121.)
23 Vgl. etwa: Roesler, Alexander (1997): Illusion und Relativismus. Zu einer Semiotik der Wahrnehmung im Anschluß an Charles S. Peirce. Paderborn: Schöningh. S. 146.

Als Vermittlung ist das Dritte kein genuin Drittes, das nämlich die gesamte Konstellation der drei Zeichenaspekte subvertieren müsste. Gerade darauf beruhen nun aber, wie ich oben gezeigt habe, die herkömmlichen Vorschläge, einer Dyade noch ein Drittes beizustellen – als Vermittelndes oder als Hybridform – jedenfalls stets so, dass die ursprünglichen beiden Aspekte davon weitgehend unberührt bleiben: sowohl in ihrer Aufeinanderbezogenheit als auch in ihrer Konzeptualisierung. Allein schon die Tatsache, dass Peirce abwechselnd von der vermittelnden Funktion des Interpretanten und des Repräsentamen spricht, sollte hellhörig machen: Die Vermittlungsfunktion ist natürlich eine wesentliche Funktion, denn Zeichenaspekte müssen in irgendeiner Weise miteinander relationiert sein. Es darf aber nicht übersehen werden, dass Vermittlung nur eine spezifische Form der Relationierung dreier Konstituenten miteinander ist – durch sie kann Dreiwertigkeit nicht erklärt, und mit ihr kann »das Dritte« nicht als Konstituente aufgefasst werden.

Notgedrungen evoziert die Figur einer vermittelnden Instanz auf diese Weise die herkömmlichen Vorstellungen der Synthese, der Aufhebung oder systemtheoretisch gesprochen: der Einheit der Differenz.

Hier soll demgegenüber versucht werden, das genuin
triadische Zeichen bei Peirce so darzustellen, dass das Dritte als gleichwertiges Drittes bestimmt wird, und gerade nicht als Vermittlungsinstanz zwischen der bekannten dyadischen oder dialektischen Konstellation. Deutlicher formuliert:

Nicht ein Drittes kommt zu einer Dyade hinzu, sondern
eine Triade konstituiert sich gleichmäßig aus der wechselhaften Relationierung dreier Konstituenten.

Das bedeutet, dass ich zunächst versuchen werde, die Peirceschen Triaden strukturell triadisch darzustellen; ebenso ihre wechselseitige Konstitution, die verdeutlicht, inwiefern diese Triaden nicht in Dyaden analysiert werden können. Denn es reicht eben nicht aus, eine Dyade zu konzipieren und ihr dann durch ein Drittes Leben resp. Operationalität einhauchen zu wollen.

Diese kann sich nur aus der
wechselseitigen Konstitution einer Triade autologisch ergeben. Vorweggreifend soll hier vorgeschlagen werden, die Triadizität des Peirceschen Zeichens und Zeichenmodells analog zu Günthers Vorstellung eines nicht-klassischen Erkenntnismodells zu rekonstruieren, so dass die Triadizität Dyadizität einschließt oder als Sonderfall umschließt – wie das dreiwertige Erkenntnismodell Günthers das klassische, zweiwertige Erkenntnismodell umschließt.

Hier wie dort geht es also um die Befreiung aus den
Restriktionen eines dualistischen Erkenntnismodells. Peirce entwickelt ein Diskursuniversum, in dem zwischen »Sein« und »Reflexion« nicht mehr im klassischen Sinne unterschieden wird. Dies soll in Abschnitt II.3.1., Erkenntnis zwischen Sein und Substanz, am Beispiel der Kategorien genau dargestellt werden. Schon hier wird jedoch deutlich, dass es bei Peirce nicht um zwei einander gegenübergestellte Realitätsthematiken geht, die miteinander zu vermitteln wären, denn sie tauchen in seinem System – ganz so wie bei Günther – gar nicht mehr auf. Wo Günther – von dem klassischen Dualismus von »Sein«
und »Reflexion« ausgehend – diesen Dualismus derart aufbricht, dass er von drei Realitätskomponenten ausgeht, über die die beiden Themen von Objektivität und Subjektivität distribuiert werden, kann man in Peirce einen noch konsequenteren Denker, zumindest in der Wahl der Ausgangsposition betrachten. Denn bei Peirce tauchen die beiden Begriffe von »Sein« und »Reflexion« gar nicht mehr auf: Mit den Kantschen Begriffen von »Sein« und »Substanz« werden zwar noch die beiden Horizonte benannt; sie spielen jedoch in der gesamten Ausarbeitung der Semiotik keine Rolle, nicht einmal indem sie kritisiert würden.

Ich ziehe es deshalb vor, den Begriff der Vermittlung zu vermeiden. Mit seiner Relationenlogik bietet Peirce eine gute Alternative. Insofern er ein
Diskursuniversum konstruiert, ist dort natürlich alles miteinander vermittelt,
insofern es miteinander relationiert ist.

Es wird zu zeigen sein,
dass die Kategorien nicht gewissermaßen von dem Unmittelbarstem zu dem Vermitteltsten aufsteigen. Dies wäre eine Interpretation nach dem klassischen Denkmodell, das – zwar durch ein Mittleres vermittelt – wiederum zwei Aspekte polarisiert. Ebenso verkehrt wäre eine Interpretation, die etwa im Zeichenmodell selbst das Objekt wie auch immer mit dem »Objektiven«, den Interpretanten wie auch immer mit dem »Reflexiven« oder Subjektiven assoziiert. Nur eine solche Interpretation, die noch auf der Grundlage eines zweiwertigen Erkenntnismodells argumentiert, kann diese beiden Zeichenaspekte so polarisieren, dass dann zwischen ihnen vermittelt werden kann. Wenn nun aber zwischen »Sein« und »Reflexion« gerade nicht klassisch unterschieden wird, so muss zwischen beiden auch nicht vermittelt werden. Erkenntnistheoretisch und logisch relevante Dreiwertigkeit muss demnach wesentlich grundsätzlicher konzeptualisiert werden.

Nina Ort

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