Nina Ort
Reflexionslogische Semiotik
VelbrückWissenschaft 2007

I.7. Ordnung und Umtausch – Kognition und Volition

Mit dem Exkurs in die Luhmannsche Systemtheorie als einer paradigmatisch
zweiwertigen Theorie wurde deutlich, inwiefern es prinzipiell unmöglich ist, klassische, zweiwertige Theorien zu drei- oder mehrwertigen Theorien »nachzurüsten«. Denn die einzige Möglichkeit, eine Alternative zu dem seinslogischen Erkenntnismodell zu formulieren, liegt meines Erachtens in der Konstruktion eines reflexionslogischen Systems.
Ein reflexionslogisches System hat es demnach mit einem differenzierten und komplexen Reflexions- bzw. Subjektivitätsbegriff zu tun sowie mit der Relationierung dieser nun mindestens drei Realitätskomponenten, die mit den Begriffen der Rejektion und der Polykontexturalität weiter oben, in Abschnitt I.5. Polykontexturalität und die Axiomatik eines nicht-klassischen Systems, erklärt wurden. Nun gilt es, hier erneut anzuknüpfen und die Distribution der zwei Subjektivitätskomponenten noch auf eine weitere Weise darzustellen, nämlich mit Hilfe der zwei Komponenten von Kognition und Volition.
Es wird intuitiv verständlich sein, inwiefern zweiwertige Theorien wie die Systemtheorie mit einem Begriff wie Volition nichts anfangen können. Sie würde jede Konzeption eines Willens ablehnen, und ablehnen müssen, da er an keiner Theoriestelle untergebracht werden könnte: Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, wie in der Systemtheorie beispielsweise Kommunikation oder auch Bewusstsein als System über einen Willen verfügen sollte. Zum anderen kann aus logischen Gründen keine Volition, keine Entscheidungsfreiheit in einem deterministischen System untergebracht werden, und wie gezeigt wurde, ist jedes zweiwertige System aus logischen Gründen ein deterministisches, also, gemäß Günther, ein nicht lebendiges System. Um nun aber trotzdem mögliche Missverständnisse gleich auszuräumen, muss vorab geklärt werden, wie der Technikphilosoph Günther den Begriff der Volition definiert.

Es geht hier keineswegs um irgendeinen emphatischen Begriff eines »freien Willens«, ein historisch überladener aber ebenso nebulöser Begriff, der aufgrund seiner Vieldeutigkeit kaum brauchbar sein kann bei der Entwicklung eines formal geschlossenen, nicht-klassischen Erkenntnismodells.

Es geht stattdessen vielmehr um die logisch zwingende Erkenntnis, dass Realität für lebendige Systeme nicht vollständig determiniert sein kann, und – im Umkehrschluss – dass sie dies für nicht lebendige Systeme ist, die keine Umwelt besitzen, sondern sich nur darin befinden.234 Anders herum formuliert: Indeterminiertheit erfordert volitive Entscheidungen, da sie die zwangsläufige Reaktion auf die Umwelt nicht vollständig vorgibt.

233 Es geht ebenso wenig um den Begriff des »freien Willens« wie er in aktuellen gehirnbiologischen Diskussionen erörtert wird.
234 Allein Günthers wissenschaftstheoretisches Umfeld, nämlich die
Kybernetik, bürgt dafür, dass sich der Begriff der Volition eher an den Beobachtungen der Quantenmechanik und deren Annahmen über die Indeterminiertheit der Welt orientiert. So schreibt Günther: »In der Physik ist längst eingesehen worden, daß das absolut für sich seiende, objektive Objekt eine bloße Fiktion ist. Die Grenzen zwischen den mathematischen Formeln und dem Gegenstand, den sie beschreiben, verschwimmen mehr und mehr. Es ist nicht mehr zu unterscheiden, welche Eigenschaften des Gegenstandes bloß »gedacht« sind und welche er »an sich« hat. Damit geht aber der Transzendentalcharakter des Gegenstandes unweigerlich verloren. Das Objekt wird in die Logik hineingezogen.« (Günther (1991): Grundriß. S. 329.)


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Ein vollständig determiniertes System entspräche, wie zu zeigen sein wird, Peirce’ Kategorie der Zweitheit bzw. der Realität gemäß dem klassischen Erkenntnismodell, wie es noch bis hinein in die Luhmannsche Systemtheorie reproduziert wird. Bereits eingangs wurde am Beispiel, mit dem Günther sich über die »Funktionsweise unseres Gehirns« äußerte, geraten, stets im Blick zu behalten, dass es Günther in erster Linie darum geht, ein nicht-klassisches
System als formal geschlossenes System darzustellen. Gerade da es sich bei diesem Unternehmen um sehr komplizierte Ideen handelt, greift Günther zuweilen zu Illustrationen und Metaphern, die auf den ersten Blick esoterisch oder einfach zu »großartig« anmuten. Allein der Begriff der Volition oder des Willens wird insofern möglicherweise Skepsis hervorrufen. Um hier von vornherein Zweifel auszuräumen, sei Günthers Auffassung zitiert: »Zwar ist vom Willens- und Freiheitsproblem in der älteren Philosophie allerhand die Rede, aber was man dabei im Auge hat, ist nie der konkrete, sich mit den Dingen technisch befassende Wille, sondern jenes blasse Bild des Willens, wie es der theoretisierenden Reflexion erscheint.«235

Es geht hier letztlich also um eine formallogische Rekonstruktion eines Aspekts von Subjektivität als Alternative zu Theorien und Philosophien, die letztlich Kreativität dem »göttlichen Funken«, dem Genie etc. zugesprochen bzw. an jene delegiert haben.

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I.7.1. »Reflexionsverlegenheiten«

Nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden.
Foerstersches Theorem236

Die Einführung des Begriffs der Volition ist zunächst erstaunlich. Denn mit der dahinter steckenden Idee soll ja etwas dargestellt werden, wofür Günther zuvor die Begriffe des Reflexionsüberschusses, des »Ich« und des »Du« und des Rejektionswertes eingesetzt hatte. Das bedeutet, es muss Argumente geben, die es gestatten, Volition mit diesen drei anderen Begriffen zu korrelieren. Volition muss also folgende Kriterien erfüllen:

Sie muss seins-thematisch ungebunden sein, es muss in Volition ein Aspekt der Fremdheit und der Unterstellung von Subjektivität gegeben sein, und schließlich muss mit Volition die Unterscheidung zwischen Verwerfen und Ordnung Herstellen gehandhabt werden können. Mit »Ordnung Herstellen« ist hier zunächst ganz allgemein eine Art von Verhalten gemeint. Mit dem Begriff der Volition soll also eine semantisch-philosophische Interpretation des logisch nicht-klassischen, um das tertium datur erweiterten Systems geleistet werden. Insofern stellt dieser Begriff bzw. die Idee der Volition den Kulminationspunkt der bisherigen Überlegungen dar.

Die Einführung des Begriffs der Volition ist – wie sich inzwischen sicher intuitiv erschließt – deshalb notwendig, weil mit ihm der eigentliche und wesentliche Unterschied zu einem klassischen System vorliegt. Der ganze bisher betriebene theoriebautechnische Aufwand dient der Möglichkeit, ein lebendiges System als eines zu beschreiben, das sich seiner Umwelt gegenüber verhalten kann. Wie weiter oben bereits gezeigt, definiert Günther ein lebendiges System als eines, das eine Umwelt besitzt, anstatt sich nur in einer Umwelt zu befinden. Diese Definition wird in Erkennen und Wollen um den Begriff des Willens ergänzt.
Auf diese Weise wird die Grundannahme Günthers reformuliert, der zufolge eine Dyade, bestehend nur aus zwei Themen wie Sein und Reflexion, in schlichter gegenseitiger, kontemplativer Reflexivität verharren müsste.
Das hier von ihm als volitiver Aspekt der Subjektivität eingeführte dritte Thema bereichert das lebendige System also um Willensfreiheit, schärfer formuliert: Willensfreiheit als dritter Aspekt definiert lebendige Systeme gegenüber nicht-lebendigen.

235 Günther (2002): Das Bewusstsein der Maschinen. S. 138. Ergänzend kann hier festgestellt werden: Der Willensbegriff bei Günther ist auch nicht als psychische Disposition interpretiert, wie in der Psychologie oft in der Begriffstrias von Kognition, Volition und Motivation, und schließlich soll der Wille nicht als etwas Metaphysisches in das Modell eingeführt werden. Wenn beispielsweise bei Schopenhauer der Wille als »Ding an sich« aller
Wirklichkeit als treibende Kraft zugrunde liegend darstellt wird, geht es Günther mit dem Begriff der Volition vielmehr um
die Möglichkeit, in einer völlig kontigenten Situation, Entscheidungen zu treffen.
236 Foerster, Heinz von (1989): Wahrnehmen wahrnehmen. In: Ars Electronica
(Hg.): Philosophien der neuen Technologie. Berlin: Merve. S. 27-40. Hier S. 30.


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Was also gezeigt werden soll, ist eine nicht vollkommen determinierte
Situation. Vielleicht ist es schwierig, sich eine solche Situation zu verdeutlichen, denn die Alltagserfahrung zeigt, dass die Umwelt normalerweise genug objektive Kriterien zur Verfügung stellt, die uns einangemessenes Verhalten nahelegen und uns Entscheidungen vorgeben bzw. abnehmen. Die Umwelt konfrontiert uns, um von Foersters Satz abzuwandeln, zumeist mit Fragen, die entscheidbar sind, und die wir daher nicht entscheiden. Um sich dem Begriff des Willens zu nähern, ist es erforderlich, eine gedankenexperimentelle Anordnung zu konstruieren.

Die Frage, die gestellt werden soll, lautet: Unter welchen Umständen kann man von »Wille« oder Volition sprechen? Wenn daher die Umwelt objektive Alternativen bereitstellt, so wäre es falsch, von der Möglichkeit der volitiven Entscheidung zu sprechen, da die Kriterien bei der Wahl, die getroffen wird, bereits in den gegebenen Alternativen selbst liegen. Die Wahl ist also bereits entschieden bevor sie getroffen wird. Volition kommt demgegenüber dort ins Spiel, wo die Umwelt keine objektiven Kriterien, das heißt, keine Entscheidungsmotivation liefert. Dies weist demnach, in einer ersten Annäherung, auf einen pragmatischen Volitionsbegriff hin.237

Der Gegenbegriff zu Volition ist Kognition. Er beschreibt die kontemplative, passiv reflektierende Haltung der Subjektivität der Welt gegenüber. Gäbe es als Gegensatz zur Welt, zum Objektiven, Reflexivität allein in Form der Kognition, so würden beide Bereiche sich gewissermaßen in stiller Kontemplation allenfalls ineinander spiegeln. Und genau hierauf zielt die Kritik am klassischen Erkenntnismodell, die diesem vorwirft, kein logisches Fundament zu haben, die gesamte Realitätsthematik anders darzustellen. Historisch erklärt Günther den Ausschluss des »Willens« aus der Philosophie folgendermaßen:

Es lag »[…] an der sich selbst übersteigernden theoretischen Haltung des transzendentalen Idealismus, der das Willensproblem ganz in die Ethik abschob, weil, wie man überzeugt war, das Wollen von sich aus nichts zum Bedeutungs- und Sinngehalt des Denkens beitragen kann. Der Wille kann bestenfalls das Dasein des Denkens garantieren, aber nicht sein sinnhaftes Sosein, das von den Gesetzen reguliert wird.«238

Ganz analog zu der Darstellung, dass Realität durch einfache, klassische
Reflexivität nur in einem begrenzten Ausschnitt abgebildet werden kann, wird nun gezeigt, dass die Passivität dieser Form der nur reaktiven Reflexivität um eine weitere Form einer aktiven Reflexivität ergänzt werden muss.

Der volitive Aspekt der Subjektivität ist vor allem deshalb wichtig, weil die »Ausdrucksformen oder Produkte subjektiven Willens […] Entscheidungen«239 sind. Günther begründet diese Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, mit der Auffassung, dass lebendige Systeme auf zweierlei Weise mit ihrer Umwelt in Kontakt stehen:

Ein lebendes System hingegen repräsentiert – nach der Tradition und funktionell gesehen – eine grundlegende ontologische Dualität. Es ist sowohl ein System kontemplativer Erkenntnis als auch Quelle aktiven Wollens. In seiner Erkenntnismöglichkeit ist es an seine Umgebung insofern gebunden, als es nur das erkennen kann, was da ist – einschließlich seiner eigenen Einbildungen und Irrtümer. Als Willensaktivität behauptet es andererseits eine gewisse Unabhängigkeit von seiner Umgebung.240

Indeterminiertheit wird hier also umschrieben durch die gewisse Unabhängigkeit eines lebendigen Systems von seiner Umwelt, und es ist
gerade diese Unabhängigkeit, die es für das System erforderlich macht, ihr gegenüber eine Stellung einzunehmen.

Zu den beiden Begriffen Kognition und Volition treten nun zwei weitere Begriffe hinzu, die in den vorangehenden Abschnitten bereits angesprochen wurden, nämlich die beiden Relationstypen der Umtausch- und der Ordnungsrelation.

Je nachdem können in einer polykontexturalen, das heißt, mindestens triadischen Konstellation Relationen als Umtausch- oder als Ordnungsrelationen fungieren, wobei die beiden Subjektivitätskomponenten dann als Kognition oder als Volition fungieren können. Diese vier Faktoren bedingen sich wechselseitig. Kognition ist die subjektive Haltung dem objektiv Gegebenen gegenüber, Volition wird dort notwendig, wo keine objektiv eindeutige Situation gegeben ist.

Die hier vorgestellte Unterscheidung von Umtausch- und Ordnungsrelation ist ungemein wichtig, da sie einen wesentlichen Aspekt eines aus den Restriktionen der Zweiwertigkeit befreiten Systems darstellen. Wenn Reflexion noch etwas anderes sein soll, als die iterative Reflexion dessen, was bereits »ist«, und dessen, was bereits bekannt ist, dann muss es andere Reflexionsrelationen geben als die symmetrische der isomorphen Umtauschrelation. Die Unterscheidung zwischen Kognition und Volition ergänzt diese beiden Reflexionsrelationen um zwei verschiedene subjektive Haltungen dem Sein gegenüber.

237 Es kann nicht deutlich genug betont werden, dass der Begriff hier nichts mit dem idealistischen »freien Willen« zu tun hat. Es handelt sich um einen pragmatischen, Günther würde sagen, um einen technischen Willensbegriff.
238 Günther (1980): Identität, Gegenidentität und Negativsprache. S. 33. Schelling, so fährt Günther fort, sei als einziger aus diesem transzendental- idealistischen Denkschema ausgebrochen und habe dieses zumindest als unbefriedigend empfunden.
239 Günther (2002): Erkennen und Wollen. S. 232.
240 Günther (2002): Erkennen und Wollen. S. 233.

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Die Ordnungsrelation stellt dabei eine Reflexionsrelation dar, die asymmetrisch ist und daher etwas anderes leisten kann, als die iterative Reflexion. Günther bezeichnet diese Leistung in Identität, Gegenidentität und Negativsprache als
die Fähigkeit der Akkretion, das heißt, des Zuwachses an Negativität.

Um diese Zusammenhänge zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle noch einmal die Abbildung wiedergegeben, mit der in Abschnitt I.3.1. Ss und So die beiden Subjektivitätskomponenten dargestellt wurden: In diesem Schema stehen »Ss« und »So« in einem isomorphen Umtauschverhältnis einander gegenüber und gleichzeitig stehen jeweils »Ss« und »So« dem »Oo« in einer Ordnungsrelation gegenüber, wie es im klassischen Erkenntnismodell der Fall war. Die nach »Oo« gerichteten Pfeile indizieren das Wertgefälle, das im klassischen System von der Subjektivität fort weist.241 Dies war die ursprüngliche Interpretation.
Mit diesem Schema kann nun die Relation zwischen »Ss« und »So« darüber hinaus aber auch als zweideutige Relation beschrieben werden, da sie nun auch so interpretiert werden kann, dass hier noch gar nicht feststeht, ob sie als isomorphe Umtauschrelation oder als Ordnungsrelation fungieren soll. Die Einführung der Begriffe von »Ss« und »So« soll nämlich im Gegensatz zu den Begriffen »S,«, »S,,«, »S,,,« einen logischen Unterschied markieren. Diese Unterscheidung zwischen beiden Subjektivitätskomponenten als »Ss« und »So« indiziert diese beiden unterschiedlichen Formen der Reflexivität, nämlich zum einen Volition, zum anderen Kognition.

Das bedeutet in diesem Zusammenhang, kein »Ich« reflektiert ein »Du« einfach nur als Objekt. Wie ich bereits angedeutet habe, gesteht es dem »Du« autologisch Subjektivität zu, obwohl das »Du« dem »Ich« so fremd bleibt, wie jedes andere Objekt. Da die Reflexion des »Du« also kein einfaches »Sein« reflektiert, sondern »Reflexion«, kann sie diese nur als »leeren Akt«242 reflektieren, das heißt als Wille oder als Handlung: Diesen Aspekt kennzeichne ich, nach Günther, als volitiven Aspekt, der etwas anderes bedeutet, als die kontemplative, kognitive Reflexion als Wahrnehmung. Die Bezeichnung »leerer Akt« ist dabei deswegen instruktiv, da sie semantisch eine Deutungsalternative darstellt zur Wahrnehmung des »Du« als etwas, also als eines gegebenen Objekts. Ein »leerer« Akt kann demgegenüber nicht »gegeben« sein.

Im Augenblick kommt es zunächst darauf an, sich zu verdeutlichen, dass mit den hier eingeführten Begriffen der Kognition und der Volition zwei unterschiedliche Formen der reflexiven Haltung thematisiert werden, die nicht nur die Relation zwischen Subjektivität und Objektivität reguliert, sondern auch die zwischen »Ich« und »Du«.

Günther abstrahiert seine Begrifflichkeit, um nachzuweisen, wie diese
Aspekte in einem logischen Algorithmus dargestellt werden können und
verwendet dazu die drei Begriffe Relatum, Relator und Relation.

Wenn nun mit dem Relatum das Objekt und mit dem Relator das Subjekt
identifiziert wird, wird deutlich, inwiefern beide in einer Umtauschrelation
zueinander stehen. Relata als Objekte und den Relator als Subjekt
aufzufassen, ist ein zunächst verblüffendes, aber durch die gesamte Herleitung
der Logikkritik, wie Günther sie entwickelt, in sich vollkommen schlüssiges Verfahren. Das zunächst Verblüffende liegt darin, dass man sich das Subjekt, lapidar ausgedrückt, als strukturell äquivalent beispielsweise
mit dem Plus- oder Minuszeichen vorstellen soll. Der klassischen, erkenntnistheoretischen Auffassung zufolge, in der Subjektivität nichts anderes ist als die Negation der Objektivität, wird die Äquivalenz jedoch unmittelbar plausibel.

Nun meint Günther: »Eine zweiwertige Logik – soweit sie überhaupt relational ist, operiert nur mit Relationen, was bedeutet: mit einer vorgegebenen Synthese zwischen Relator und Relatum.«243 Das bedeutet, eine zweiwertige Logik kann die Relationierung zwischen Relatum und Relator nicht erfassen, sie erfasst nur deren Synthese. Anders formuliert, die klassische Erkenntnistheorie behandelt auch Relationen als Relata, ebenso wie sie Subjekte als Objekte behandelt.

Nun wurde gezeigt, dass in einem klassischen System Subjekt
und Objekt in einem isomorphen Umtauschverhältnis zueinander stehen, das heißt, sie sind prinzipiell und folgenlos vertauschbar, da sie beide Relata darstellen. Noch schärfer ausgedrückt:
in einem isomorphen Umtauschverhältnis können beide als Relata nichts anderes, als ihre Plätze tauschen.

241 Inzwischen ist klar, dass diese Abbildung dahingehend ergänzt werden müsste, dass die Pfeile von »O« auch fort weisen müssten, insofern es keine völlig objektive Objektivität gibt. Es wäre allerdings schwierig, diese Tatsache in dieser Abbildung korrekt wiederzugeben, weil man
sich hierbei – schematisch – darauf festlegen müsste, auf welche Form der Subjektivität diese verweisen, was meiner Ansicht nach nicht gelingen kann.
242 Vgl.: Günther (1991): Grundriß. S. 76.
243 Günther (2002): Erkennen und Wollen. S. 262.


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Denn in dieser Relation, also in dieser
Gesamtheit von Relatum und Relator, mutieren beide zwangsläufig zu Relata, und zwar aufgrund ihrer Isomorphie.

Als Relatum und Relator sind sie demgegenüber aber nicht folgenlos miteinander austauschbar. Ein Relator kann nämlich nur in ein Relatum transformiert werden, indem ein weiterer Relator ihn als Relatum »ausfällt«244, und zwar indem er zu diesem in ein Relatum transformierten Relator eine Ordnungsrelation etabliert. Diese neue Relation als Gesamtheit von Relatum und Relator ist um ein Negationsmotiv expandiert. Und andersherum kann ein Relatum ein Relator gewesen sein – dies allerdings nur in einer engeren Reflexionskonstellation.

Diese Konstellation des Möglichkeitsgefüges von Umtausch- und Ordnungsrelationen bezeichnet Günther als Proemialverhältnis. Das Proemialverhältnis beschreibt also jenen Unterschied zwischen Relator und
Relatum, der dem klassischen Modell entgeht, und zwar als »abstraktes
Potential, aus dem die klassischen Relationen des symmetrischen Umtauschs und der proportionalen Ordnung hervorgehen
.«245

Die bereits besprochene Begegnung von Alice mit den beiden Zwillingsbrüdern
Tweedledee und Tweedledum eignet sich hervorragend dazu, diese Zusammenhänge zu illustrieren – ihre Begegnung mit den Zwillingsbrüdern
wurde also noch nicht gänzlich ausgedeutet. Das Bild des Tanzes von Alice, Tweedledee und Tweedledum zeigt nämlich Folgendes:
Alice, die von den beiden eng umschlungenen Zwillingsbrüdern auf
Armlänge gehalten wird, wäre unter dieser Perspektive in der Position
eines Rejektionswertes des Umtauschverhältnisses von Tweedledee und
Tweedledum. In der Geschichte heißt in der Begrüßungsszene der drei
über die Zwillingsbrüder:

They looked so exactly like a couple of great schoolboys, that Alice could’t help pointing her finger at Tweedledum, and saying »First Boy!« »Nohow!« Tweedledum cried out briskly, and shut his mouth up again with a snap.
»Next Boy!« said Alice, passing on to Tweedledee, though she felt quite certain he would shout »Contrariwise!« and so he did. »You’ve begun wrong!« cried Tweedledum. […]
Alice did not like shaking hands with either of them first, for fear of hurting the other one’s feelings; so, as the best way out of the difficulty, she took hold of both hands at once: the next moment they were dancing round in a ring.246

Diese Situation illustriert die beiden Möglichkeiten, die Alice gemäß diesem Proemialverhältnis, also vor der Festlegung der Relation als Umtausch- oder Ordnungsverhältnis, hat: und sie schwankt. Zunächst versucht sie ein Ordnungsverhältnis zwischen den beiden Zwillingsbrüdern zu etablieren, indem sie Tweedledum als »Ersten« bezeichnet. Aus der Perspektive der Brüder ist dies natürlich falsch, denn ihnen zufolge müsste jeder der Erste sein. Von außen betrachtet bietet sich dieser Umstand aber ganz anders dar. Denn von außen betrachtet verdeutlicht das Bild der Zwillingsbrüder die völlige Kontingenz und Kriterienlosigkeit, den einen oder den anderen der beiden Zwillingsbrüder als »Ersten« zu bezeichnen. Und daraufhin unterlässt Alice diesen Versuch auch und behandelt beide gewissermaßen als ein verschlungenes Ganzes, ohne einen Unterschied zu etablieren – in diesem Moment fungiert sie als Rejektionswert der Relation von Tweedledee und Tweedledum, noch bevor zwischen diesen eine Ordnung eingeführt wäre, denn sie reagiert nicht auf den einen oder anderen von beiden, sondern auf beide als
Alternative insgesamt. Nun wird deutlich, dass andersherum perspektiviert,
Alternativen als Umtauschrelationen solche Situationen erzeugen, in denen Subjektivität sich zu verhalten hat und einen Standpunkt einnehmen muss. Das heißt, genau solche Alternativen, als uneindeutige Situation, die keine objektiven Kriterien, das heißt, keine Entscheidungsmotivation liefert, erfordern den volitiven Zugriff. Dieser volitive Zugriff bedeutet dann die Etablierung einer Ordnungsrelation zwischen Alice und einem der beiden Zwillingsbrüder – Alice’ ursprüngliche Intention, dem einen oder anderen der beiden Brüder zuerst die Hand zu geben. Noch einmal anders ausgedrückt: Erst indem Alice die beiden
Brüder als Alternative insgesamt auffasst, bekommt sie im von Foersterschen
Sinne die Wahlmöglichkeit, erst wenn sie sich nicht entscheiden kann, kann sie eine Entscheidung treffen. Hätte sie spontan einem der beiden die Hand gegeben, so wäre sie selbst unmittelbar mit diesem in ein isomorphes Umtauschverhältnis geraten, der andere Bruder wäre dabei gar nicht in den Blick geraten. Nur dadurch, dass sie die beiden nicht als zwei Zwillinge, sondern als Alternative an sich reflektiert, da die beiden sich so sehr gleichen, dass sie keinen Hinweis darauf liefern, welcher zu wählen sei, kann Alice eine Ordnungsrelation etablieren, indem sie wählt.

244 Den Begriff des »Ausfällens« übernehme ich aus der Chemie. Dort bezeichnet er eine chemische Reaktion, bei der ein unlöslicher Stoff als Niederschlag entsteht. Bestimmte Stoffe können auf diese Weise aus Lösungen ausgefällt werden.
245 Günther (2002): Erkennen und Wollen. S. 265.
246 Carroll (2000): Alice’s Adventures in Wonderland & Through the Looking-Glass. S. 160 f.

Die wechselseitigen Konstitutionsverhältnisse, die sich durch die beiden Begriffspaare von Ordnung, Umtausch, Kognition und Volition thematisieren lassen, verdeutlichen, inwiefern es in dem nicht-klassischen System nur noch reflexionslogische Relationierungen gibt. Jedes der bisher eingeführten Begriffspaare und Realitätskomponenten lässt sich unterschiedlich relationieren. So stellt Günther beispielsweise auch fest, »[…] daß die wechselseitigen Relationen von Erkennen und Wollen – auf ihre Umwelt bezogen – genaue Spiegelbilder voneinander sind«.247 Auf diesen Aspekt komme ich noch zurück. An dieser Stelle sei nur angemerkt, dass Kognition und Volition insofern in Bezug auf ihre Umwelt Spiegelbilder voneinander sind, da sie strukturell spiegelbildlich sind: Wenn man so sagen will, bewirkt Volition etwas in der Umwelt, die Umwelt hingegen bewirkt etwas in der Kognition oder in einem kognitiven System. In diesem Sinne ist es zu verstehen, wenn oben gesagt wurde, »Ich« und »Du« stünden sich ebenfalls als Kognition und als Volition gegenüber – wobei ihre tatsächlichen Relationen nur perspektivisch geklärt werden können.

Aus der Perspektive eines mehrwertigen Systems wird nun deutlich, dass ein zweiwertiges System kein Kriterium hat, um definitiv sagen zu können, welcher ihrer beiden Werte der positive und der negative an sich ist, da dies einer Entscheidung obliegt bzw. eine Frage der Perspektive ist, über die ein zweiwertiges System selbst allerdings nicht verfügt.

Dies wurde bereits weiter oben, am Beispiel von Tweedledee und Tweedledum angesprochen, die beide von ihrem gemeinsamen Haus denken, es sei das jeweils eigene: »Reflexion (Denken) bedeutet Mangel an Symmetrie!«248 Ein zweiwertiges System bildet, anders formuliert, stets ein Umtauschverhältnis; dies kann allerdings aus der Perspektive eines zweiwertigen Systems nicht erkannt werden, weshalb es sich stets als Ordnungsverhältnis versteht. Erst aus der erweiterten Perspektive eines nicht-klassischen Systems können die beiden Relationstypen qua Proemialverhältnis als zur Disposition stehend aufgefasst werden.

Eine Anmerkung in dem Beitrag Wo befinden sich Systeme? von Alexander
Filippov249 kann einen weiteren Aspekt der Aufeinanderbezogenheit
von Ordnung, Umtausch, Kognition und Volition beleuchten und liefert zugleich den Anlass für einen weiteren kleinen Exkurs in Luhmanns Systemtheorie. Filippov weist darauf hin, dass Luhmann einige Male ein kurzes Zitat aus E. T. A. Hoffmanns Lebensansichten des Katers Murr bemüht. Einen Hinweis auf diese Passage wird beispielsweise auch in Luhmanns Buch Protest gegeben. An der besagten Textstelle diskutieren Kater Muzius und Kater Murr miteinander:

»O mein Bruder«, erwiderte Muzius, indem er anmutig lächelte, so daß er in dem Augenblick sehr hübsch aussah und wieder ganz der alte, propre Muzius schien, »o mein Bruder Murr, ganz vergeblich würde der Versuch sein, Euch dieses alles zu erklären, denn nimmermehr könnt Ihr begreifen, was ein Philister ist, solange Ihr selbst einer seid.«250

Daraufhin gehe Kater Murr »aufs Dach«. Tatsächlich erwähnt Luhmann in Protest diese Stelle im Zusammenhang mit blindem Aktionismus in Protestbewegungen: »Dies ist ein seit langem bekannter (Hoffmann, o. J.: 197), heute aber etwas altmodisch wirkender Ausweg aus Reflexionsverlegenheiten.«251 Es soll hier nicht weiter stören, dass Luhmann die Erzählung E. T. A Hoffmanns hier falsch rekonstruiert, denn Kater Murrs Reaktion auf Kater Muzius’ Vorwurf besteht nicht darin, einfach »aufs Dach« zu laufen. Das von Luhmann so rekonstruierte Beispiel verdeutlicht aber etwas für den hier relevanten Zusammenhang anderes: Kater Murrs »Reflexionsverlegenheit«, als Philister nicht wissen zu können, was ein Philister ist, bringt ihn (nochmals: in Luhmanns Rekonstruktion – nicht in der Erzählung) nämlich in eine ganz ähnliche Situation, in der sich Alice befindet, wenn sie sich nicht zwischen Tweedledee und Tweedledum entscheiden kann. Es ist nun
bezeichnend, dass Luhmann die Option volitiv zu reagieren, was sich in einer Handlung ausdrückt, als voreiligen Aktionismus auffasst. Aus der Perspektive des Katers Murr bedeutet die Situation, in der er sich befindet, jedoch eine, in der sich die Welt ihm als ungeordnet präsentiert.
Wenn er als Philister nicht wissen kann, was ein Philister ist, dann liefert ihm die Welt keine objektiven Daten, also keine Ordnung; diese muss er daher selbst herstellen, das heißt, er muss sich als lebendiges System seiner Umwelt gegenüber verhalten, sich positionieren. Dies gelingt, wie hier bereits ausgeführt wurde, qua volitiver Entscheidung und somit mit dem handelnden und gestaltenden Zugriff auf die Welt.

247 Günther (2002): Erkennen und Wollen. S. 248.
248 Günther (1976): Das metaphysische Problem einer Formalisierung der transzendental-dialektischen Logik. S. 244.
249 Filippov, Alexander (2000): Wo befinden sich Systeme? Ein blinder Fleck in der Systemtheorie. In: Peter-Ulrich Merz-Benz und Gerhard Wagner (Hg): Die Logik der Systeme. Zur Kritik der systemtheoretischen Soziologie Niklas Luhmanns. UVK Universitätsverlag Konstanz: Konstanz. S. 381-410. Filippov geht es in seinem Beitrag um die Bedeutung des Ortes und den Raumbegriff Luhmanns. Ich nehme nur seinen Hinweis auf Luhmanns Hoffmann-Rezeption zum Anlass einer anderen Deutung.
250 Hoffmann, E. T. A. (1984): Lebensansichten des Katers Murr. Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 6. Berlin: Aufbau Verlag. S. 241.
251 Luhmann, Niklas (1997) Protest. Systemtheorie und soziale Bewegungen. Hg. u. eingeleitet v. Kai-Uwe Hellmann. 2. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S.108).

Durch die Handlung »aufs Dach« zu laufen befreit er sich aus der Situation,
ein Philister zu sein. Diese Form der Subjektivität muss in der Luhmannschen Systemtheorie fehlen, da in ihr prinzipiell Subjektivität nicht formuliert werden kann. Für Filippov ist entscheidend, dass Luhmann »[…] an dieser Aktion paradoxerweise genau das nicht sieht, was deren Sichtbarkeit ausmacht: nämlich den besagten Ortswechsel, ohne den jede Entscheidung (in welche andere Tat auch immer umgesetzt), kein Philister mehr zu sein, inhaltslos wäre.«252 In der Folge geht es Filippov um die Vernachlässigung des Raumes gegenüber der Zeit bei Luhmann.253
Das hier vorgeschlagene Konzept der Volition gestattet es
demgegenüber zu behaupten, durch die Handlung werden sowohl Zeit (als auch Raum), im Sinne von geordneter, objektivierter Wirklichkeit, generiert. Den »Ortwechsel« interpretiere ich metaphorisch für die volitive Entscheidung als Handlung, mit der Kater Murr einen Standpunkt einnimmt.254

In seinen Überlegungen, wie überhaupt eine Vermittlung
denkbar sei zwischen reiner Objektivität und reinem introvertierten, kontemplativen Bewusstsein, stellt Günther den Willen (und die Handlung) als jene Instanz dar, die, anders als der an der Realität zweifelnde Geist, eine unmittelbare Realität der Dinge evident werden lässt:

Ebenso wie das kontemplative Bewußtsein an unheilbarer Skepsis krankt, so ist das sich in Handlungen betätigende Bewußtsein konstitutionell unfähig an der objektiven, bewußtseinstranszendenten Welt zu zweifeln. Daß das Ding, das wir technisch betasten, bearbeiten und verändern, nur in unsern Bewußtseinsakten seine Existenz haben soll, ist vom praktischen Standpunkt aus vollkommen sinnlos. Der handelnde Wille bietet uns eine zuverlässige Brücke von der Innenwelt zur Außenwelt.255

In gewisser Weise kann man hier also Luhmann zustimmen: In Situationen, die keine objektiven Hinweise liefern, wie zu wählen sei, bleibt im Grunde keine Wahl als »blinder Aktionismus«. Volitive Entscheidungen sind notwendigerweise »blind«, da gerade kein objektives, also »sichtbares« Entscheidungskriterium vorliegt. Was Luhmann hier als »blinden Aktionismus« ablehnt, muss er aus der Perspektive eines zweiwertigen Systems ablehnen bzw. als Option gar nicht vorsehen. Er bestätigt damit erneut die Zweiwertigkeit der Systemtheorie, wie er sie entwickelt. Wäre andersherum ein objektives Entscheidungskriterium gegeben, dann wäre jede Reaktion darauf nur die klassische, affirmative Reflexion als Bestätigung dessen, was so ist wie es ist, möglich. Man könnte also Luhmanns Argument an ihn zurückgeben, in Form des Vorwurfs an die Systemtheorie, dass sie gerade nicht über die Möglichkeit
des »blinden Aktionismus« verfügt. Der pejorative Ausdruck des »blinden Aktionismus« kann hierbei natürlich fallengelassen werden. Er bringt allerdings pointiert auf den Punkt, worum es bei volitiven Entscheidungen geht: um eine Form der Reflexivität, die sich nicht dem »Sein« zuwendet, sondern der Alternative von »Sein« und »Reflexion«. Und da sie hier nichts »sehen« kann, muss sie handeln. Ich werde auf diesen Handlungsbegriff im folgenden Abschnitt, I.7.2. Existenz, zurückkommen.
Schließlich kann auch das, was Luhmann negativ als »Reflexionsverlegenheit
« bezeichnet, als eine Errungenschaft des nicht-klassischen Systems rekonstruiert werden. Denn erst sie ist es ja, die einen volitiven, aktiven Zugriff auf Welt ermöglicht. Die Systemtheorie kann ihrerseits gar nicht in »Reflexionsverlegenheiten« geraten, da sie stets nur beobachtet, was als abgeschlossener Prozess ein objektives Wirklichkeitsdatum darstellt.

252 Filippov (2000): Wo befinden sich Systeme? S. 382.
253 Ich würde ergänzen: Insofern Luhmann Zeit als apriorisch einführt, vernachlässigt er auch sie.
254 Hier muss eine Anmerkung zum Handlungsbegriff gemacht werden. Ich habe dieses Beispiel deswegen als metaphorisch für den hier gemeinten Handlungsbegriff bezeichnet, da es sich bei Volition um eine Reflexionsform handelt. Ich denke, es ist wichtig aufgrund meiner Systemtheoriekritik hierauf noch einmal hinzuweisen, um dem etwaigen Einwand zu begegnen, man könne statt der Luhmannschen Systemtheorie ja auf Parsons Handlungstheorie umstellen. Volition soll aber beispielsweise nicht als physische Handlungen auslösender Begriff verstanden werden, sondern als eine Reflexionshaltung gegenüber der Welt. Was man sich darunter genau vorzustellen hat, soll in diesem und den folgenden Abschnitten erklärt werden.
255 Günther (2002): Das Bewusstsein der Maschinen. S. 137.

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