George Spencer Brown
Gesetze der Form

Übersetzung: Thomas Wolf
Bohmeier Verlag 1997


Vorstellung der internationalen Ausgabe
Seite IX

Der gesamte Text der Laws kann auf ein Prinzip reduziert werden, welches wie folgt aufgezeichnet werden könnte.

Kanon Null. Koproduktion
Was ein Ding ist, und was es nicht ist, sind in der Form, identisch gleich.

Das heißt, die identische Form oder Definition oder Unterscheidung agiert als die Grenze oder Beschreibung sowohl des Dinges als auch dessen, was es nicht ist.

Daraus ist das Kollorar, das alles und nichts formal identisch sind, leicht zu beweisen. (Beweis: Beiden fehlt jegliche Form überhaupt.)

An diesem Punkt ist der einzige Block gegen vollständige Erleuchtung die falsche Annahme (und sie hat westlichen Philosophen hunderte Jahre im Nacken gesessen), das, weil nichts keine Form hat, keinerlei konditionierte Struktur besitzen kann, und somit nicht Basis beobachteter Phänomene sein kann, da beobachtete Phänomene offensichtlich sehr wohl eine konditionierte Struktur haben.

Meine Lehre besteht zur Gänze darin, diesen Fehler richtig zustellen, indem sie klar zeigt, dass nichts in der Tat eine konditionierte Struktur hat, nämlich, dass wenn eine Unterscheidung „in“ nichts getroffen werden könnte, dann das Ganze der konditionierten Koproduktion, deren Operation unentrinnbar ist und vollständig sichtbar, unvermeidlich stattfinden würde, und das erkennbare Universum unvermeidlich erscheinen würde, ganz genau gemäß den Gesetzen „seiner“ Form (in der Wirklichkeit der Gesetze der Form der Dinge, die „darin“ erscheinen, da es selbst keine Form hat), wobei solche Gesetze genau jene sind, welche in ihrer Gesamtheit in diesem Text gesammelt sind und die anfänglich darin dargestellt sind.

Es sollte beachtet werden, dass es in diesem Text nirgendwo einen einzigen Satz gibt, welche besagt was oder wie irgend etwas ist (Eine Definition, wie „Unterscheidung ist perfekte Be-innhaltung“ sagt nicht, was sie ist, sondern weist den Leser an diesem Punkt nur an, wie er sie zu definieren hat. Später werden wir, wie wir sehen werden, diese Definition zum Teil aufheben oder auf andere Weise definieren, somit beweisen, dass, was immer „sie“ war, nicht unsere Definition von ihr war. Wenn Leute und verantwortliche Definitionen machen und tatsächlich glauben, uns etwas Wahres über das erzählt zu haben, was sie definiert haben, und das auch von anderen erwarten, dann sind sie kindisch. Jedoch sie sind kindisch auf eine seltsame und attraktive erwachsene Weise, welche nicht nur diese Fehler macht, sondern diesen eine ernsthafte, pompöse, rigide Art von Wichtigkeit beimisst. Wirkliche Kinder haben mehr Sinn dafür: Sie wissen, wenn sie eine Definition gemacht haben, alles was sie taten war, die Regeln für ein Spiel „Lass uns tun, als ob“ festzulegen.) Man erzählte uns nichts über irgend etwas. Alles, was geschieht, ist, dass wir angewiesen werden, einen Satz von Befehlen zu befolgen, und, zu verschiedenen Intervallen während des Vorgangs, das zu betrachten, was wir entdecken, dass wir als Resultat kennen.

Mit anderen Worten geht dieser Text nirgendwo nach der selbstbetrügerischen Methode von Gerede und Interpretation vor, sondern nach der selbstkorrigierenden Form von Befehlen und Betrachtung.

Das ganze gegenwärtige Bildungsestablishment der zivilisierten Welt ist mit einem gigantischen Betrug beschäftigt: dem großen Schwindel von GI – Gerede und Interpretation: der ganz und gar falschen Doktrin, dass jemand etwas wissen kann, indem man es ihm erzählt.

Erzählen kommuniziert in keiner Weise Wissen, welcher Art auch immer. Es tat es nie, konnte es nie, und wird es niemals tun.

Der einzige Weg auf dem Wissen mitgeteilt werden kann ist durch BB – Befehl und Betrachtung.

Da du nunmehr so völlig indoktriniert bist mit betrügerischem GI, genug um dich für die meisten Zwecke praktisch unbrauchbar zu machen, und gewiss so, dass dich die Wahrheit dessen, was ich sage, ziemlich schockieren wird und unbehaglich stimmen, muss ich es immer wieder sagen, bevor du beginnen wirst, von den Toten zu erwachen: ich dem dicken Leichentuch der Lehre zu entwinden, dass dazu gedacht war, dich einzuschläfern, deine Sinne zu betäuben und deine Erinnerungen an das zu blockieren, was wirklich so ist.

Gewiss kann ich dir sagen, was so ist, doch wird es dich nicht weiser machen. Indem du es gesagt kriegst, weißt du es immer noch nicht. Bestenfalls könntest du es glauben. Doch Glauben ist nicht Wissen. Schlimmstenfalls könntest du es Lernen. Doch Lernen ist nicht Wissen.

Seite XII: Lass es mich nochmals sagen: Überhaupt nichts kann durch Erzählen gewusst werden.
Und dennoch fährst du fort, mixh zu beschwatzen: sag es mir, sag es mir!
Oh ja, ich kann. Aber ich will nicht. Doch wenn du zu mir zu Schulung kommst, werde ich dich unterweisen. Nur so kannst du jemals wissen.
Der Text von Laws of Form stellt keine einzige Behauptung auf: nirgendwo erzählt er dir irgend etwas: und doch wirst du, folgst du seinen Anweisungen absolut, ohne Frage oder Erklärung oder vorgefasster Meinung, an seinem Ende alles nötige Wissen. London, Februar 1985


Spencer Brown
Felix Lau
Felix Lau Die Form der Paradoxie 23

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