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Taraba149-Interpenetration
1.4 Interpenetration
Die hier logologisch rekonstruierte Paradoxologie wird in der soziologischen Systemtheorie so formuliert: Autopoiesis prozessiert paradox und entfaltet sich qua Leben und qua Bewusstsein. Letztere sind Voraussetzung für die Bildung sozialer Systeme (LuhmannSozSys297).
Die Einheit der Differenz von System und Umwelt, bedeutet, dass die Umwelt konstitutives Moment dieser Differenz ist und für das System nicht weniger wichtig ist als das System selbst und vice versa.
Indem man, wie Luhmann postuliert, die Menschen als Teil der gesellschaftlichen Umwelt beobachtet, ist die Möglichkeit gewonnen, sie zugleich als komplexer und ungebundener zu begreifen, sie mit höherer Freiheit auszustatten. Nicht nur mit der Freiheit zu unvernünftigen und unmoralischem Verhalten, sondern natürlich genauso umgekehrt mit der wachsenden Freiheit zur Verantwortung, Verantwortlichkeit und Selbstverantwortung.
„Der Begriff der Interpretation bezeichnet „die Intersystembeziehung zwischen Systemen, die wechselseitig füreinander zu Umwelt gehören und die über Penetration Komplexitätsaufbau zur Verfügung stellen, wobei das penetrierende System durch das jeweils andere mitbestimmt wird, auf dessen Strukturbildung zurückwirkt und diese beiden Systeme damit kontinuierlich Leben erzeugen. Interpenetration bedeutet daher, wenn Penetration wechselseitig gegeben ist, dass beide Systeme sich vice versa dadurch ermöglichen, dass sie in das jeweils andere ihre, durch diese vorkonstituierte, Eigenkomplexität einbringen. (LuhmannSozSys290)
Interpenetration bedeutet in der neuen Systemesoziologie, die wechselweise Ermöglichung als eine zirkuläre Prozess, der sich in die Realität hinein konstituiert. Dies wiederum bezeichnet einen Paradigmawechsel in der Systemtheorie: einerseits den Übergang zur System/Umwelt- Theorie und zugleich den Übergang zur Theorie selbstreferentieller Systeme:
Die Autopoiesis der organischen, psychischen, kognitiven und sozialen Reproduktion erzeugt wechselseitige Leben und Bewusstsein und Kommunikation. Dass dabei wesentliche Konzept der Zeit, und der damit einhergehenden Asymetrierung durch Evolution, die zirkuläre Geschlossenheit und partielle Offenheit der Systeme ist wesentlich ein Sinngeschehen. Selbstbeweglichkeit und Verschieblichkeit des Sinngeschehens ist somit Autopoiesis par excellence.
Sinn entsteht durch fremdreferentiell generierte Unterscheidung und alle Einheit ist die Einheit des Widerspruchs von Selbstreferenz und Fremdreferenz und wird daher paradox prozessiert. Dazu muss, so Luhmann, ein passender Begriff der Logik sozusagen erst noch nachgeliefert werden (LuhmannSozSys495).
Dies ist im vorliegenden Text geschehen. Wir haben aus der klassischen Logik die Rolle der Paradoxie herausgefiltert, unter die Lupe genommen und aus beiden zusammen, unter dem Begriff der Logologik ein Logiksystem rekonstruiert und eine Theoriearchitektur entworfen, welche dem kognitiven Bedarf nach einer objektiven Logik gerecht wird.
Unter Logologik lässt sich nun, wenn man ihrer Paradoxologie folgt ein System von Regeln verstehen, dass die Konstitution von Widersprüchen konditioniert und prozessiert und durch diese lebt.
Widerspruch erzeugt in der Logologie die Form des Prozessierens schlechthin.Der strenge Begriff der Autopoiesis beruht auf dem Widerspruch. Selbstreproduktion auf der Basis instabiler Elemente ist notwendig, wenn nicht das System schlicht aufhören soll zu existieren. Selbstreferenz ist dann ihrerseits Voraussetzung für Evolution.
Die Funktion von Widersprüchen dient somit der Reproduktion des Systems und es ist aus der Sicht der Logologie Unlogik und Unsinn schlechthin und damit eine soziologische Utopie, beziehungsweise soziologischer Unsinn, Widersprüche zu verbieten, und das heißt, im weitesten Sinn: Konflikte auszumerzen.
Eine Soziologie, die dies vertritt und sich Harmonisierungskonzepten aller Art widmet, wird so zur Krankheit der Gesellschaft. (LuhmannSozSys558)
Die Menschen sind die Co-Createure und daher auch Sensoren der Gesellschaft. Ihre proemische Differenz, ihre äußere und Verschiedenheit, innere Einheit und Widersprüchlichkeit, ihre proemische, sowie „externe“ Interpenetration ist die Bedingung der Möglichkeit von geschlossener selbstreferentieller Autopoiesis.
Sylvia Taraba
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