Sylvia Taraba Das Spiel, das nur zu zweit geht
Die Seltsame Schleife von Sex und Logik
Band 1: Logik – Eine Logologie der „Gesetze der Form“ von George Spencer Brown
Carl Auer Verlag 2005

Taraba199

0. Vorbemerkung
Gotthard Günther äussert 1962 in seiner grundlegenden Arbeit zur Kybernetik und bis heute philosophisch brisanten Abhandlung Das Bewusstsein der Maschinen, dass die Realität der Naturgesetze und der Kausalität nur die Oberfläche der physikalischen Existenz bildet und eine sekundäre
Realitätsform
darstellt.

Die theoretische Physik zeigt uns heute, dass eine tiefere Seinsschicht existiert, in welcher die Trennung in Subjekt und in Objekt nicht mehr möglich ist. Wo ein grundsätzlich anderes Verhältnis zwischen Denken und Sein besteht, welches die tieferen Dimensionen der Objektivität betrifft. Es ist dies die Schicht in der die Beobachtungen und Perspektiven der Quantentheorie Geltung haben.

Diese Seinsebene gehört zur subatomaren Region, wo der klassische Unterschied vom Seinsgesetz und Denkgesetz und damit der Unterschied von Ich und Nicht-Ich hinfällig wird. Die Kausalität wird von der statistischen Wahrscheinlichkeit abgelöst und die irreflexive Identität des klassischen Dings An Sich wird durch Funktionen ersetzt, die „reflexiven, das heißt auf sich selbst bezogenen Charakter haben“ (G.Günther BdM69/70).

Soweit also die Kybernetik physikalisch interessiert ist, geht sie auf elementare Grundvoraussetzungen zurück, um an der klassischen Physik vorbei zu jener Sphäre zu gelangen, auf der sich die bekannten Naturgesetze als sekundäre Realität aufbauen.

Dass jene sein Schicht existiert, und dass ihre Gesetzlichkeit eine paradoxe, transklassische, also-nicht aristotelische Gestalt hat, sich das ist schon seit Hegel geistig nachvollziehbar und ist heute auch empirisch keine Frage mehr. Die theoretische Physik entdeckt die Gesetzlichkeiten jener ephemere Schicht der Quantenmechanik und die Geisteswissenschaften werden diese Einsichten in ihren Fragestellungen sukzessive zu berücksichtigen haben.

200 Die aktualisierte Fragestellung
Wir haben im vorliegenden Text die abgründige Hypothese mitlaufen lassen und ausgearbeitet, dass wir instantan eine Welt erzeugen. Gibt es Theorien, welche diese Voraussage stützen?

Es gibt diese Theorien, aber es fehlt uns der transdisziplinäre, naturwissenschaftlich- geisteswissenschaftlich anerkannte, vereinheitlichende Zusammenhang. Es fehlt sozusagen die wissenschaftlich deklarierte Plattform, ein Interface, welches die postulierten Voraussagen aufnehmen kann.

Es mangelt an einer übergreifenden Theorie, in deren Rahmen wir uns hypothetisch erklären könnten, wie wir das sehr nahe liegende Zauberkunststück zu Wege bringen, dass wir augenblicklich die Tat-Sachen schaffen.

In ihrem Bestreben eine vereinheitlichende Theorie zu präsentieren, besitzt die Quantenphysik die Voraussetzungen, wesentliche Aspekte zu dieser Plattform beizutragen. Eine dieser Aspekte ist ihre These, dass die Welt im wesentlichen aus Information besteht,
was auch mit den Erkenntnissen der Kybernetik zusammenfällt und mittels der übergreifenden Konzeption der Logologik nun auch für Philosophie und Wissenssoziologie nachvollzogen werden kann.

Die signifikanteste Einsicht innerhalb des logologischen Konzepts ist die zeitlose Geschwindigkeit der Unendlichfachen Parallelverarbeitung des Quantenprozesses, wie er im menschlichen Gehirn sowieso ständig abläuft.

Wir betrachten die Gesamtheit der individuellen, subjektiven Gehirne, die in ihrer existierenden Vielzahl, als multiples Multiplurales Interface, welches die Welt in Evidenz hält, und - nur zum Beispiel - die Parallelverarbeitung existierender, strukturell gekoppelter Theorien auf der Basis komplexer Zahlen erlaubt, um unsere Hypothese zu formulieren und daraus Fakten zu kreieren

Daraus erhebt sich nun ganz aktuell die alte Frage nach unserer Rolle im Universum, beziehungsweise im Kosmos. Wurde Alles in sieben Tagen von Gott erschaffen? Hat sich Alles qua Zufall evolutionär entwickelt? Oder aber konstruieren wir alles - das Universum und den Kosmos - strukturell gekoppelt im gegenwärtigen Augenblick? Diesen Fragen gehen wir nun auf der Basis des hierfür entwickelten 0–Phasen-Modells nach, vollziehen dabei den Spagat, den Überbau nicht zu vernachlässigen und uns von der Empirie leiten zu lassen.

Differenzlogisch folgen wir den Implikationen der Gesetze der Form, reflexionslogisch dem hier formulierten übergreifenden Konzept der Selbstreferenz von Bewusstsein und Kommunikation, kurz Logologie genannt, informationslogisch halten wir uns an die quantenphysikalischen Überlegungen zur Informationstheorie und damit, wie gesagt, an die Implikationen der quantenphysikalischen Geschwindigkeit unendlichfacher Parallelverarbeitung von Information,
und folgen auf soziologischer Ebene dem Luhmannschen Begriff der Differenz System/Umwelt.



HOME