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Taraba31
Modelle des Bewusstseins
Im Alltag sind wir sicher oder hoffen zumindest, dass uns logisches Denken und Sprechen im Bereich von Rationalität und vernünftige Gewissheit halten kann, aber wir wissen zugleich, dass es Situationen, Sätze, mathematische Gleichungen, Kunstwerke und Menschen gibt, die sich nicht an logische Übereinkünfte halten. Wir werden mit Paradoxien konfrontiert.
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Antinomien lassen sich nicht ausmerzen. Warum? Es gibt unauflösbare Paradoxien, unentscheidbare Sätze, die wahr sind, wenn sie falsch sind und falsch, wenn sie wahr sind.
Diese Entdeckung, das hatte schon Hegel gezeigt, ist jedoch mit der klassischen Logik, als einem Teilsystem der Großen Logik durchaus kompatibel, denn die Logik muss (nach Hegel) als ihr oberstes Gesetz die Antinomie anerkennen, da beide Momente der Idee gleichzeitig existieren und die Antinomie eben der Ausdruck jener absoluten Identität ist: der sich stets selbst aufhebende Widerspruch des Gesetzes mit sich, Ansatzpunkt der klassischen Logik, ist bei Hegel der höchste Ausdruck des Wissens und der Wahrheit.
George Spencer Brown ist es gelungen, auf diesem Terrain einen mathematischen Kalkül niederzuschreiben, der logisch interpretierbar, aber schon mit dem imaginären Wert geimpft ist, und der empirisch, in Form der komplexen Zahlen in der Schalttechnik, längst angewandt wurde und zu realen Lösungen führt. LoF lösen das hoch notpeinliche Problem, durch Einführung der imaginären Zeit auf.
Zusammenfassend kann ihr gesagt werden, dass die klassische Logik eine Ontologik beziehungsweise eine Seinslogik zum Ausdruck bringt, die eine Beobachtung erster Ordnung darstellt,
während die Seltsamen Schleifen der Antinomien und Paradoxien eine Sinnlogik des Vermitteltseins, des Ineinanderübergehens und Werdens - das Gesetz des doppelten Uroboros - repräsentieren, erst durch eine Beobachtung 2. Ordnung fassbar und durch die Beobachtung 3 Ordnung aussprechbar wird:
Das Denken des Denkens, wird zum Denken des Denkens des Denkens, das Beobachten des Beobachtens wird zum Beobachten des Beobachtens des Beobachtens. Empirisch lässt sich die 2.Ordnung zum Beispiel in der Beobachtung und rekursiven Berechnung der Eigenwerte in autopoetischen Systemen nachzeichnen: they make ends meet.
Spencer Browns Konzeption zieht Zeit in Betracht. Die zeitlose Symmetrie schwebender Antinomien geht in die Asymmetrie der zeitlichen Aufeinanderfolge des je Bezeichneten über.
Um Spencer Browns mathematischen Kalkül inhaltlich und philosophiegeschichtlich zu verstehen, beginnt man am besten mit Hegels Logik und kann dann beobachten, dass die Gesetze der Form die formale Protologik zu Hegels spekulativer Reflexionslogik bilden.
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Das Neue bei Hegel, was ihn von der klassischen Logik, von Kant und dem deutschen Idealismus dezidiert abhebt, ist, dass in seinem Werk eine transklassische Logik sich ihren Weg durch die Sprache bauen, und die Grenzen der klassischen Logik, der Kantschen Transzendentallogik, sowie der bisherigen Sprachgewohnheiten gesprengt.
Hegel hat neben das „Sein“ der klassischen Logik ein zweites grundlegendes Thema gestellt, welches unter dem Stichwort „Reflexion“ auftritt. Zwischen beiden Themen hat sich eine logische Dimension besonderer Art ergeben, die Hegel „Vermittlung“ nennt und die in seiner Geschichte des Geistes unter verschiedenen nicht-ontologische Masken auftritt. Zuerst tritt sie in der hegelschen Logik unter dem Begriff „das Werden“ auf. Werden entsteht als das Dritte, dass bei der Gleichsetzung der abstrakten Begriffe von Sein und Nichts, erscheint.
Sein und Nichts, von Hegel zunächst als zwei völlig inhaltsleere Begriffe entlarvt, sind einerseits immer schon ineinander übergegangen, indem sie absolut dasselbe sind: nämlich inhaltsleere Begriffe und Werden, auf der anderen Seite, durch einfache Bestimmung, zum bestimmten Sein, welches vermittelt ist - zum Dasein.
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Dem Werden des Daseins steht schließlich das antinomische inhaltsleere Sein/Nichts als nicht absolutes, quasi virtuelles Nichts gegenüber - dieser antinomischen Identitäten des Ganzen wieder steht das Absolute Nichts gegenüber.
(Fussnote 53: G.W.Hebel, Logik I, S.83: “Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe was die Wahrheit ist, ist weder das Sein noch das Nichts, sondern, dass das Sein in Nichts und das Nichts in Sein - nicht übergeht, sondern übergegangen ist. Aber ebenso sehr ist die Wahrheit nicht ihre Unterschiedlichkeit, sondern, das sie nicht dasselbe, dass sie absolut unterschieden, aber ebenso sehr ungetrennte und untrennbar sind und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem anderen: das Werden; eine Bewegung worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat.“
Ein durch das numinose Begehren des Seins angeregtes Nichts defundiert zu Myriaden Jahren vernetzten Ankerboyen und Schwimmreifen des vermittelten Seins, wie umgekehrt Sein im quasi begehrlichen (substantiellen) Nichts suspendiert ist:
Es gibt kein Sein ohne Nichts und kein Nichts ohne Sein. Einheit des Begriffs bedeutet, dass die gegensätzlichen Bestimmungen sich automatisch gegenseitig hervorgerufen, eine Unruhe, eine Bewegung, die hier als Begehren ausgewiesen werden soll, welches als ein gegenseitiges Begehren der einander entgegengesetzten Momente zu verstehen ist.
Hegel gelang es auf diese Weise die klassische Antinomie von Sein und Nichts zu lösen. Indem Hegel einen Dritten Wert eingeführt, über welchen die zwei anderen Werte miteinander vermittelt sind,
wird die logische Antinomie von Sein und Nichts zum metalogischen Sowohl-als-auch, zur Verwickelten Hierarchie, zur transklassischen Seltsamen Schleife, zum genuinen Perpetuum Mobile der Logik, zur begehrlichen Unruhe des Selbst, beziehungsweise des Denkens.
Im bestimmten Sein und virtuellem Nichts steht jedoch (auf der anderen Seite des Werdens) ein anders geartetes Drittes gegenüber: das Absolute Nichts (beziehungsweise das Absolute Sein) - wir nennen es die Leere.
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Mit Hegels Reflexionslogik kann die Welt als eine über Beobachter vermittelte, und daher als Bewegte und Werdende begriffen werden.
Subjekt - Objekt - Du
Die ursächliche Bedeutung des Satzes der Identität „Ich denke etwas“ enthält in der klassischen Logik einerseits ein bewegliches vergängliches Subjekt „Ich“ andererseits ein Objekt „Etwas“, welches im Gegensatz der Beweglichkeit des „Ich denke“ als ein Beharren des Sein, als etwas unverändert in seiner Identität ruhendes verstanden wurde. Der Andere (das Du) ist im „Etwas“ quasi als Ding mitgemeint.
Die klassischen Axiome sind so Gesetze des Gedachten Seins, bzw. Gesetze der Objektivität. Sie sind aber nicht Gesetze des Denkens, das sich selber denkt.
Hegel stellt in seinem Werk dem alten Typus der Logik, der klassischen Ontologie, eine neue Logik gegenüber, die in ihren Bestimmungen nicht das Sein, sondern das Denken selbst definiert, dessen bestimmende Wissenschaft das Denken des Denkens ist.
Diese Wissenschaft der Logik, die Hegel in radikaler Umkehr der Gedanken seiner Vorgänger entwickelt hat, konnte erst 100 Jahre nach Hegel, mit der aufstrebenden kybernetischen Wissenschaft und dank der Vermittlung Gotthard Günthers zu ihrer das Denken revolutionierenden Bedeutung gelangen, die Hegel visionär vorgeschwebt haben muss und die er selbst praktiziert hat: Eine (spekulative) Beobachtung 2. und 3. Ordnung.
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Die klassische Logik bezeichnet das Sein von Sachzusammenhängen und ist die (unvollständige) Logik des Besonderen, der (einfachen) Identität, des naiven Realismus, während Hegels Wissenschaft der Logik den Sinnzusammenhang entwickelt, der für ihn in der Identität der Gegensätze liegt und den „Begriff“ darstellt.
In Hegels Denken beruht „Wahrheit“auf einer Form, die gesetzter Begriff ist. Und das heißt in sich gegensätzlicher Begriff. Es entsteht bei Hegel der Gedanke einer die klassischen Logik übergreifenden Logik, deren Methode das Bewusstsein über die Form ist.
Es handelt sich hierbei um die Form einer Logik des Allgemeinen, nämlich des Gesetzes des Denkens, welches sich selbst und anderes denkt und daher eine Form hat, die aus zwei Seiten oder in der unterschiedenen und fixierten Form, aus einem Gegensatzpaar besteht. Das Ich ist ein Gedoppeltes.
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In der klassischen Logik ist das Sein „gesetzt“, jene Identitäten des Seins, die die Form des Ansich haben. Wenn aber, so Hegel, die Identität (Identität von Sein/Nichts) sich in sich selbst, von sich selbst unterscheidet, so ist im Unterschiedenen das Nichts „gesetzt“ und wir haben damit die zur Allgemeinheit befreite Begriffsform und auf die Bestimmung dieser Form kommt es an. Erst die „Erhebung des Begriffs über das Leben“ kann das Verhältnis vom denkenden Ich zum gedachten Ich begreifen.
Dass Ich denkt etwas: sich oder etwas anderes. Diese Untrennbarkeit der zwei Formen, in denen es sich selbst entgegensetzt, gehört zur ureigensten Natur seines Begriffs und des Begriffs selbst.
Die Seele dieses Zirkulärenverhältnisses ist nach Hegel die Natur des Begriffs des reinen Denkens selbst. Weil auf dem Standpunkt Kants über diese Natur des Denkens keine Klarheit herrschte, stellte Kant das Selbstbewusstsein als Grund des Denkens dar, während, so Hegel, in Wahrheit umgekehrt das Denken der Grund des Selbstbewusstseins ist.
Hegel setzt bei seinen Überlegungen die klassische Logik voraus, er geht jedoch über sie hinaus. Was die traditionelle Logik sagt, ist auch für Hegel „richtig“ und unabänderlich, denn die subjektive Einheit des Selbstbewusstseins (Ich) setzt unweigerlich die objektive Einheit des Selbstbewusstseins (Ich) im Denken voraus.
Indem im reinen Ich, der Unterschied anfängt, ist für Hegel damit der Begriff gesetzt und somit das Begreifen. Sich selbst und etwas denken, hat an sich den Unterschied. Das Wesen des Ich besteht darin, im Anderssein - im absoluten Unterschied - unmittelbar sich selbst gleich zu sein. Das denkende ich ist bei Hegel der Begriff selbst. Und damit der Unterschied und Schied des Unterschieds.
Die eben daraus resultierende Form, das gedoppelte, doppelsinnige Ich, die Form der „inneren Selbstbewegung seines Inhaltes“ ist die Form des Bewusstseins. Es ist die symmetrische Zwei-Seiten-Form von Ich/Ich.
Deren Selbstbezüglichkeit ist sozusagen ein ständiger Kurzschluss oder ein „nulldimensionales“ zunächst fruchtloses Oszilieren, beziehungsweise ein Kreisen in sich, und deren Selbstbezüglichkeit bleibt dann möglich, und fällt nicht in sich zusammen, kann sich aber nur dann entfalten, wenn sie sich kreuzend bewegt als Operation der Entparadoxierung: indem Ich/Ich sich anders wird: indem Ich sich von sich unter scheidet das heißt (von jeder Seite her) sich selbst denkt und sich als Anderes denkt.
Von der steten selbstaufhebenden Verwerfung „Dieses, weil Nicht-Dieses (Paradox)“ zur selbstbestätigenden Kreation: „Dieser! Diese! Dieses (Iddox)“. Und wieder zurück zur Verwerfung: Nicht Dieses!
Eine starke Analogie zum ständigen Vorgang von Verwerfung und Kreation findet sich in der Mathematik in Gestalt der immaginären Zahl i, jenem Oszillator, der sich stets anders wird und damit sich selbst aufhebt. Der sich zugleich, indem er sich selbst verdoppelt, mal nimmt, das heißt sich quadriert, potenziert, und so, aus dem Nichts, im Nichts sich selbst bewegt – rotiert - und jenes Etwas, jene kreisförmige Vermittlung zwischen positiv/negativ sowie imaginär/reell, jenen Kreis und damit zugleich die notwendige Zweiseitenform zeichnet, mit der sich komplex im unendlichen errechnen lässt, wenn i erst einmal erfunden ist. Dieser Vorgang bezeichnet zugleich einen Begriff der Energie.
Wenn wir das Ich als gedoppelte Subjektivität, als Innerlichkeit und als innere Notwendigkeit denken, so müssen wir auf den unitären Begriff des klassischen „Subjekts“ verzichten. Wenn wir das subjektive, doppelsinnige Ich als reine Allgemeinheit denken wollen, dann ist es nicht mehr lediges, quasi „unbeweibtes“ Subjekt, sondern in seiner fruchtbaren Gedoppeltheit zweier Subjekte das Denken selbst.
Hegels Verzicht auf das klassische Subjekt bedeutet nicht nur den Verzicht auf ein monokausales Subjekt, sondern zugleich wird der Blick auf die Bedeutsamkeit der Differenz gelenkt, welche der Allgemeinheit und damit dem Denken inhärent sein muss, um das Denken zu denken: das Ich denkt sich und denkt den (ganz) Anderen, welcher ebenfalls ein (ganz anderes) denkendes Ich ist. Es existiert kein Selbstbewusstsein ohne ein ganz anderes Selbstbewusstsein.
Denken ist so gesehen durch die Spaltung (Doppelung) des Ich in sich gegeben. Das Ich ist ab ovo Differenz, Bewegung und doppelsinnige Begehrlichkeit.
Der Begriff des „Subjekts“ ist somit ein fälschlich objektivierter Begriff. Der nicht objektivierte Begriff aber, das heißt also der Begriff in seinem eigentlichen subjektiven Sinne, hat nicht mehr die Gestalt der klassischen Subjektivität (also eines einzelnen Ich) sondern eben die „Form der Notwendigkeit“. Diese Form stellt jedoch eine Zweiseitenform dar: zwei differente Ich(e) und dies bedeutet im universellen Minimalfall Ich und Du, als Herr und Knecht, als Frau und Mann, als A und B.
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Ich möchte hier festhalten, das Denken Unterscheiden, das heißt Bestimmen und Bezeichnen ist. Im Fall von Ich und Ich ist es gegenseitiges Unterscheiden.
Der Schied des Unterschieds liegt im Ich, welches Denken des Denkens ist, sowie im Denken, welches immer ein (= zwei) Ich ist, das sich nun in sich und anderes unterscheidet - das Du - und im Wir, als deren Vermittlung mindestens ein Ich und ein Du beinhaltet.
Es muss also der klassisch kartesische Satz „Ich denke daher bin ich“ transklassisch umformuliert nun lauten „Ich werde von einem Anderen unterschieden und ich unterscheide mich von einem anderen, daher existieren Wir“.
Boe: Wir-Bewusstsein
Taraba 51
Sylvia Taraba
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