Sylvia Taraba Das Spiel, das nur zu zweit geht
Die Seltsame Schleife von Sex und Logik
Band 1: Logik – Eine Logologie der „Gesetze der Form“ von George Spencer Brown
Carl Auer Verlag 2005


Taraba 61
Gotthard Günthers trinitarisches Modell

Information is information, not matter or energy” (Norbert Wiener, Cybernetics, 1948)
mit dieser Dreifachunterscheidung von Norbert Wiener wird, bevor das 20. Jahrhundert noch seine Mitte erreicht hat, das
dichotome Weltbild, durch die Kybernetik aufgehoben.

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Die kybernetischen Theorien lassen sich in einem zweiwertigen Bild der Wirklichkeit nicht einordnen. Mit dem Begriff der Information ist ein neues metaphysisches Element entworfen, welches sich weder auf reine Objektivität noch auf reine Subjektivität zurückführen lässt.

Die Informationstheorie verwandelt die klassische Dualitätstheorie des Absoluten, das Bild der coincidentia oppositorum, in zwei inverse Transzendenzen: die objektive Transzendenz des materiellen Dings, sowie die subjektive Transzendenz des Selbstbewusstseins.

Diese sind nun in der Arbeit von Gotthard Günther durch eine dritte Transzendenz vermittelt, nämlich durch die Informationskomponente der Kybernetik.

Mit der Hegelschen Trinität nicht restlos ineinander überführbarer Begriffskomplexe und mit der Güntherschen Arbeit am Hegelschen Begriff besitzen wir nun drei proto-metaphysische Bestandteile der erscheinenden Wirklichkeit: Objektivität, Subjektivität und Information.

Der essenzielle zweiwertige Gegensatz von Ich/Etwas, Ich/Nicht-Ich, Ich/Welt, Subjekt/Welt, Geist/Körper, Spiritualität/Materialität, Denken/Gedachtes, Form/Stoff, Tod/Leben, Einatmen/Ausatmen, Tag/Nacht, negativ/positiv, wahr/falsch usw. stellt die rationale Erlebnis -und Bewusstseinstruktur dar.

Diese ist von dem eigenengesetzlichen Zwischengebiet der Information, das nun auch durch die Kybernetik sichtbar gemacht wurde, entschieden zu unterscheiden,
da es sich bei letzterem um ein Geschehen, um einen Prozess handelt, dem Hegelschen Begriff des Werdens und Übergehens vergleichbar.

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Es ist die wesentlichste Beobachtung der Kybernetik, empirisch-technisch festgestellt zu haben, dass es grundsätzlich unmöglich ist, die prälogische Struktur der Wirklichkeit mit zwei alternativen Realitätkomponenten beschreiben zu können. Die gleichrangige, logisch notwendige, dritte Komponente ist der Reflexionsprozess.

Das wusste jedoch wie gesagt bereits Hegel, dessen Wissenschaft der Logik dem Reflexionsbegriff des Idealismus neue und revolutionäre Bedeutung verliehen hat. ..Die kybernetische Forschung, (baut) sozusagen aus dem Nichts heraus direkt auf Hegels System
notwendiger Triplizität.

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... dass das klassische Bewusstsein eine grundsätzlich metaphysische Entscheidung realisiert. Es setzt nämlich das Verhältnis von Ich und Sein, von Ich und Etwas als unmittelbare Identität. Wenn aber diese klassische Relation zwischen Denken und Sein, kein transzendentes Faktum ist, mit welchem sich das Selbstbewusstsein abfinden muss, sondern von ihm gesetzt, dann steht es ihm frei, eine andere Entscheidung zu treffen und sich selbst auch als Andersheit zum unmittelbaren Sein zu deuten.

Dies ist logisch zwangsläufig so. Denn da das Selbstbewusstsein sich in der aristotelischen Logik als Sein und als objektive Transzendenz deuten kann, muss es sich notwendigerweise auch als Negation des Seins, als Innerlichkeit und subjekthafte Introszendenz verstehen und in diesem Fall ist dann das „Etwas“ Bedeutung, Sinn und Seele.

Das Verhältnis von Ich und Etwas ist also ab ovo doppelsinig: „Etwas“ kann sowohl als Sein wie auch als Nicht-Sein (Sinn) erlebt werden.

Das Sich-Identisch-Setzen des Bewusstseins mit seinen Inhalten kann also grundsätzlich auf zweierlei Weise erfolgen: entweder es erlebt sich als identisch mit dem Nicht-Ich (Sein) oder es negiert diese Identität und findet sich in Betrachtung des in ihm lebenden subjekthaften Sinns.

Beide Deutungen sind gleichrangig, aber in der klassischen Logik bleibt das zweite Motiv neben dem Sein, nämlich der Sinn (des Selbstbewusstseins) unbeachtet. Die Freiheit des Selbstbewusstseins besteht darin, sich als Sein und als Sinn zu verstehen. So lautet die Günthersche Interpretation der Hegelschen Dialektik.

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Die tiefste Belehrung durch Hegel, so Gotthard Günther, erfahren wir in der Phänomenologie des Geistes, in welcher Hegel diesen Prozess und Strukturwandel des Selbstbewusstseins, den es im Verlauf der Geschichte durchläuft, erfahrbar macht. Doch in der fortschreitenden Ablösung des Ich aus dem Suggestionskreis der unmittelbaren sinnlichen Gewissheit beziehungsweise des naiven Realismus, ist die Reflexionstiefe des Selbstbewusstseins zwar theoretisch unaufhörlich gewachsen, aber, so Günther, noch nirgends ist diese Ablösung vollzogen. Das einfache Ich produziert weiterhin „mit der Unbefangenheit einer optischen Kamera“ ein einfaches Abbild der Welt.

Aber etwas viel Wesentlicheres wurde in Hegels Nachvollzug der Tiefe der Reflexion ans Licht gebracht: es besteht nicht nur jenes doppelsinnige Selbstverständnis des Selbstbewusstseins, sich als Sein und Sinn zu begreifen, sondern dies ist im selben Augenblick untrennbar damit verbunden, dass das Selbstbewusstsein sich selbst und anderes denkt: Als Sich-Selbst-als-Denken-denken und Anderes-als-Denken-denken. Dem subjektiven Ich steht ein anderes subjektives Ich (in der Form des objektiven Du) gegenüber - eine dialektische Beziehung, welche in der Phänomenologie des Geistes gestalthaft thematisiert wird.

Im Ich beginnt der Unterschied, heißt es dann in der Wissenschaft der Logik.

Dass Ich versteht sich nicht nur doppelsinnig, als Sein und Sinn, sondern es ist ab ovo in sich gedoppelt, unterschieden und - in der Folge - notwendigerweise getrennt von sich.
Um seine Sichselbstgleichheit entfalten zu können, muss es sich anders werden. Mit dem Du Ist Andersheit und Widerspruch gegeben und damit ist steter Veränderung und Entfaltung möglich.

Boe: vgl. G.Spencer Brown, LoF 105
http://www.uboeschenstein.ch/texte/spencer-brown-LoF90.html
Thus we cannot escape the fact that the world we know is constructed in order (and thus in such a way as to be able) to see itself. This is indeed amazing. Not so much in view of what it sees, although this may appear fantastic enough, but in respect of the fact that it can see at all.
But in order to do so, evidently it must first cut itself up into it least one state which sees, and it least one other state which is seen. In this severed and mutilated condition, whatever the sees is only partially itself. We may take it that the world undoubtedly is itself (i.e. is indistinct from itself), but, in any attempt to see itself as an object, it must equally undoubtedly, act* (actor, antagonist. We may note the identity of action with agony.) so as to make itself distinct from, and therefore false to, itself. In this condition it will always partially elude itself.
It seems hard to find an acceptable answer to the question of how or why the world conceives a desire, and discovers an ability, to see itself, and appears to suffer the process. That it does so is sometimes called the original mystery.
Perhaps, in view of the form in which we presently take ourselves to exist, the mystery arises from our insistence on framing a question where there is, in reality, nothing to question. However it may appear, if such desire, ability, and sufferance be granted, the state or condition that it arises as an outcome is, according to the laws here formulated, absolutely unavoidable. In this respect, at least, there is no mystery. We, as universal representatives, can record universal law far enough to say...
...and so on, and so on you will eventually construct the universe, in every detail and potentiality, as you know it now; but then, again, what you will construct will not be all, for by the time you will have reached what now is, the universe will have expanded into a new order to contain what will then be.
In this sense, in respect of its own information, the universe must expand to escape the telescopes through which we, who are it, are trying to capture it, which is us. The snake eats itself, the dog chases its tail.
Thus the world, whenever it appears as a physical universe* (unus = one, vertere = turn. Any given (or captivated) universe is what is seen as the result of a making of one turn, and thus is the appearance of any first distinction, and only a minor aspect of all being, apparent and non-apparent. Its particularity is the price we pay for its visibility.), must always seem to us, its representatives, to be playing a kind of hide and seek with itself.
What is revealed will be concealed, but what is concealed will again be revealed. And since we ourselves represent it, this occultation will be apparent in our life in general, and in our mathematics in particular. What I try to show, in the final chapter, is the fact that we really knew all along that the two axioms by which we set our course were mutually permissive and agreeable. At the certain stage in the argument, we somehow cleverly obscured this knowledge from ourselves, in order that we might then navigate ourselves through a journey of rediscovery, consisting in a series of justifications and proofs with the purpose of again rendering, to ourselves, irrefutable evidence of what we already knew.

Selbstgleichheit im sich Anderswerden nennt Hegel das Zauberkunststück der gleichzeitigen Fremdreferentialität der Selbstreferentialität. Daher zwei Black-Boxes und deshalb „is the unpredictible part of a message information”. Die Freiheit ist sogar noch größer als ihre Unvorhersagbarkeit, denn die Unvorhersagbarkeit des Prozesses muss von den unterschiedenen, doppelkontingenten Selbst-Bewusstsein(en) subtil gesteuert werden, trotzdem dies ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint.

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Die klassisch zweiwertige Logik bleibt bei all diesen Überlegungen vollkommen intakt und beansprucht weiterhin Gültigkeit, wenn ausschließlich objektive Strukturen gemeint sind. Im folgenden betrachten wir die Formalisierung die Günther aus der Hegelschen Phänomenologie und der Wissenschaft der Logik heraus präpariert.

Was durch Hegel eine tiefgründige Veränderung erfährt ist einerseits das klassische Identitätsprinzip und andererseits der Satz vom Ausgeschlossenen Dritten, er wird – im Hegelschen Sinn - aufgehoben.

Dadurch gewinnt das Identitätsprinzip Gehalt, denn an die Stelle der metaphysischen Opposition beziehungsweise metaphysischen Identität von Sein und Nichts, treten seit Hegel nun drei zweiwertige Identitätsprinzipien von relativer Gültigkeit. An die Stelle der bereits erörterten vollkommen abstrakten Triade Sein/Nichts/Werden tritt die schon etwas griffigere Triade Ich/Du/Es.

Entsprechend der reflexionlogischen Hegel Triade und der hieraus abgeleiteten ontologischen Interpretation des kybernetischen Vorbildes haben wir es nun mit drei Identitäten zu tun. Mit drei protometaphysischen beziehungsweise transzendentallogischen Wirklichkeitskomponenten, die in einer logisch genau angebbaren Form zwischen dinghafter Seinsidentität und nicht gegenständlicher Identität eines Subjekts mit sich selbst, unterscheiden. Es ist der formal logische Unterschied zwischen dem Subjekt als Ich und dem Subjekt als Du, die von Günter herausgearbeitet werden: Seinsidentität (Objekt);
Reflexionsidentität (Subjekt);
Transzendentalidentität (Refelexionsprozess).

Zitate Gotthard Günther: Günther 49
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Die Antithese von Geist und Materie, die das menschliche Bewusstsein durch Jahrtausende beschäftigt hat, ist heute im Begriff als philosophisches Problem zu verschwinden - freilich nicht, weil man es gelöst hat, sondern weil es durch neue Fragestellungen überholt und damit uninteressant geworden ist.
Hier wird lediglich behauptet, dass alle regionalen Hochkulturen ihre Existenz und ihre Gestalt einer generellen Bewusstseinslage des Menschen verdanken, eine Bewusstseinslage, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sich in ihr antithetische Erlebnismotive, prinzipiell unfähig zu einer echten Versöhnung unerbittlich bekämpfen. Und es wird weiter behauptet, dass alle historischen Gestalten, die diese Antithese annehmen, grundsätzlich gleichwertig und einander ebenbürtig sind und dass man im Lichte der Kybernetik, die eine radikal neue historische Bewusstseinslage zu erzwingen im Begriffe ist, sich für keine dieser Gestalten mehr entscheiden kann.

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1. Teil Die Klassische Metaphysik und das Problem der Kybernetik
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Es wird betont, dass die traditionelle Unterscheidung von einfacher Subjektivität und antithetischer Objektivität zu grob und zu primitiv sei. Die bisherige Annahme der klassischen Metaphysik, dass sich das Wesen der Wirklichkeit und speziell der menschlichen Existenz aus zwei, und nur zwei metaphysischen Realitätskomponenten, nämlich Materialität und Spiritualität, erklären lasse, beruhe auf einem Irrtum. Denn, ganz gleichgültig wie man jenen urphänomenalen Gegensatz auch interpretiere - etwa als Subjekt und Objekt, als Sein und Denken, als Tod und Leben, usw. stets bliebe einer heute exakt definierbare Bereich von Phänomenen übrig, der sich weder auf der physikalisch-materiellen noch auf der subjektiv-spirituellen Seite unter bringen lassen.
Jener nicht einzuordnende Restbestand wird heute in der Kybernetik gewöhnlich mit dem Kennwort Information bezeichnet, worunter in solchen grundsätzlichen Erörterungen nicht nur das unmittelbare Faktum der Informationen, sondern auch der Kommunikationsprozess zu verstehen ist. Was nun jenen neueren Kontext angeht, so hat Wiener in scharfer Abgrenzung gegen den Materialismus erklärt: information is information, not matter or energy. No materialism which does not admit this can survive at the present day.
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Wir haben deshalb nach kybernetischen Auffassung mit
drei protometaphysischen Komponenten unserer phänomenalen Wirklichkeit zu rechnen.
1. Erstens dem gegenständlich transzendenten im Objekt.
2. Zweitens der Informationskomponente.
3. Und drittens dem subjektiv Introszendenten Selbstbewusstsein!

Mit dieser Trinität nicht ineinander überführbarer Begriffskomplexe werden aber letzte Grundvoraussetzungen unseres bisherigen Weltbildes erschüttert. Unsere ganze geistige Tradition, ja die gesamte objektive Struktur unserer abendländischen Kultur beruht auf einigen Kernmotiven der auf die Griechen zurückdatierenden Identitätsmetaphysik und der ihr korrespondierenden klassischen Logik, die unser Denken auch heute noch fast ausschließlich beherrscht.

Gotthard Günther
Sylvia Taraba



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