Sylvia Taraba Das Spiel, das nur zu zweit geht
Die Seltsame Schleife von Sex und Logik
Band 1: Logik – Eine Logologie der „Gesetze der Form“ von George Spencer Brown
Carl Auer Verlag 2005


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Laws of Form: Im Vorwort zur internationalen Ausgabe nennt Spencer Brown das Grundprinzip, auf welches der Text der Laws reduziert werden kann:

Kanon Null. Koproduktion
Was ein Ding ist, und was es nicht ist, sind, in der Form, identisch gleich.

Das heißt, die identische Form oder Definition oder Unterscheidung agiert als die Grenze oder Beschreibung des Dinges als auch dessen, was es nicht ist. Daraus ist das Kollorar, das alles und nichts formal identisch sind, leicht zu beweisen. (Beweis: beiden fehlt jede Form überhaupt.)

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Spencer Browns Lehre, die den oben stehenden Zitat schon elegant und konzis gefasst ist, besteht darin, klar zu zeigen, dass

wenn eine Unterscheidung „in“ nicht getroffen werden könnte, dann das Ganze der konditionierten Koproduktion, deren Operation unentrinnbar ist und vollständig sichtbar, unvermeidlich stattfinden würde, und das erkennbare Universum unvermeidlich erscheinen würde, ganz genau gemäß den Gesetzen „seiner“ Form (in der Wirklichkeit der Gesetze der Form der Dinge, die „darin“ erscheinen, da es selbst keine Form hat) wobei solche Gesetze genau jene sind, welche in ihrer Gesamtheit in diesem Text gesammelt sind und die anfänglich darin dargestellt sind.“ (LoFx)

Konditionierte Koproduktion ist das Prinzip, welches alles und nichts von Null auf den Weg bringt und um dessen implizite Null-Macht (LoF135: The Null-Power-Theorem) sich hier nun alles folgende dreht.

Spencer Brown entwickelt den Kalkül in der Abfolge von 11 Kapiteln und arbeitet dabei „die Form einer einzigen Konstruktion heraus, nämlich die erste Unterscheidung“. Erst im 12. Kapitel wird sozusagen im Nachhinein klar, dass der Beobachter des Ganzen, die Unterscheidung und die Markierung identisch sind.
Im 1.Kapitel erfolgte jedoch bereits der entscheidende Hinweis und die entsprechende Definition dazu: Unterscheidung ist perfekte Be-Inhaltung.

"Das heisst eine Unterscheidung wird getroffen, indem eine Grenze mit getrennten Seiten so angeordnet wird, dass ein Punkt auf der einen Seite die andere Seite nicht erreichen kann, ohne die Grenze zu kreuzen. Zum Beispiel trifft ein Kreis in einem ebenen Raum eine Unterscheidung" (Lof1).

Wenn jedoch einmal eine Unterscheidung getroffen ist, können die Räume, Zustände oder Inhalte auf jeder Seite der Grenze, indem sie unterschieden sind, bezeichnet werden. Es existiert damit instantan eine symmetrische Zwei-Seiten-Form: x = x, die von beiden Seiten her, nun jäh und notwendig zeitlich getrennt, durch Markierung, asymmetrisch und antinomisch wird: x = x¦ (boe: den Marker über dem zweiten x kann ich nicht tippen.)

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Die Methode der Laws ist, in Spencer Browns Worten, nicht die „selbstbetrügerische Methode von Gerede und Interpretation“, auch nicht die Beschreibung, sondern die Injunktion, das heißt Instruktion durch BB: die „selbstkorrigierende Form von Befehl und Betrachtung“.

Um in den Genuss des Wunders der Welt zu kommen muss also ein ganz bestimmter Befehl nachvollzogen werden: Triff eine Unterscheidung! Seine Form impliziert einen injunktiven Operator, der im Moment der Anweisung mit dem Befehl geimpft ist zu kreuzen, der also kreuzen muss:

Ganz zentral bedeutet dies folgende Paradoxie: eine unmarkierte Position bejaht oder verneint sich, hielt sich damit folglich als ungeschriebenes Kreuz zugleich selbst auf, wird sich dadurch anders und trifft nun, als Sich-Anders-Gewordene, rekursiv die Unterscheidung, indem sie von der je anderen Seite her die Markierung setzt. Daraus folgt nun peripher folgende Paradoxie, dass nämlich der internen Selbstreferentialität (Wirklichkeit) notwendig die Imagination einer externen Fremdreferentialität (Realität) entspricht und entspringt.

Wir haben hiermit zugleich die wesentliche Unterscheidung von Wirklichkeit und Realität getroffen, indem wir Wirklichkeit als die Wirkform und Realität als die Informationsform Desselben festlegen.

Extern unterscheiden wir hier, notwendig paradox, die Sichselbstgleichheit von Innen/Aussen, Wirklichkeit/Realität, Imaginär/Reell, während wir sie auf der internen Ebene der Selbstreferentialität zugleich als aufgehoben denken.
Diese Denk-Akrobatiken sind aber nun von uns gefordert.

Nachdem entschieden wurde, das die Form jedes Merkmals, jeder Marke, jedes Zeichens (mark,token) ein Signal ist und die Form jedes Zeichens, das Kreuz genannt wird, vollkommen in sich selbst enthalten sein muss, wird damit nur eine Relation zwischen Kreuzen gestattet: Be-Inhaltung. Ein Kreuz beinhalte das, was auf seiner Innenseite ist, und beinhalte das nicht, was auf seiner Außenseite ist.

Es ist aber, wie gesagt, paradoxerweise bereits durch das bestimmt, was auf seiner Außenseite ist, wenn nämlich ein beliebiger Raum ein leeres Kreuz durchdringt, dann ist der Wert, der in diesem Raum bezeichnet wird, der markierte Zustand. Die Form der Unterscheidung besteht aus zwei Seiten und der Grenze dazwischen. Unterscheidung ist somit perfekte Be-Inhaltung.

Eine zu erörternde Rolle spielt jenes ungeschriebene Kreuz (unwritten cross), das in den Laws anfangs erwähnt wird, aber zunächst ohne näheren Hinweis bleibt. Erst zum Schluss sehen wir, dass „der Beobachter“, der bisher keine Erwähnung fand, sondern nur die entscheidenden Schritte des Kalküls nachvollzog, die entscheidende Rolle im Kalkül spielt. Im Kapitel 12 - überschrieben mit dem Titel: „Wiedereintritt in die Form“ - werden wir zunächst daran erinnert, dass die Konzeption der Form im Verlangen liegt zu unterscheiden. „Dieses Verlangen vorausgesetzt, können wir der Form nicht entrinnen, obwohl wir sie auf jede Weise sehen können, die uns gefällt“. (LoF60)

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Die verwickelten Hierarchien der Logologik: Iddox - Paradox

Wir fassen, nachdem alle für uns relevanten analogen Modelle des Bewusstseins hier aufgearbeitet sind, das Hegelsche Denken des Denkens in der Wissenschaft der Logik, das Peircesche Semiose-Modell,die Günthersche Proemialrelation, sowie die kybernetischen Beobachtung 2. Und 3. Ordnung - nun jedoch auf dem Boden der Gesetze der Form von George Spencer Brown - als Lehre einer objektiven, transklassischen Logik - unter dem Begriff der Logologik.

Diese Neudefinition ist notwendig, da die Gesetze der Form einen Beobachter voraussetzen, der die Unterscheidung nachvollzieht, die er am Beginn getroffen hat und mit welcher ihr identisch ist.

Wir treffen damit eine semantisch notwendige und klare begriffliche Abgrenzung zur
klassischen Ontologie und zur klassischen Logik, welche eine gegebene Welt voraussetzt, die durch ein Subjekt erst erkannt werden muss.

Wir treffen gleichzeitig eine Unterscheidung der logischen Ebenen, in einen Sub-und einen Meta-Bereich. Ontologie und klassische Logik werden damit relativiert und zu Sub-Logiken mit deutlich eingeschränkte Geltung.

Wir bezeichnen also die, in der Herausarbeitung analoger Modelle des Bewusstseins hier nun sichtbar gewordene, Objektive Logik als Logologik. Die Logologik (als die objektive Logik der Selbstreferentialität der Beobachter-Dyade) bildet den Überbegriff und bezeichnet die Einheit der Differenz der Differenz von Paradox/Iddox und deren Lehren Paradoxologie und Iddologie.

Diese Maßnahme innerhalb der logischen Begrifflichkeit ersetzt für uns den klassischen Begriff der Ontologie auf zwei Ebenen:

Einerseits auf der Meta-Ebene des Denkens, wo Logologie als Meta-Lehre der Logik, den Differenzbegriff klärt. Da das Nichts nichts ist und keine Form hat, suchen wir eine Null-Differenz, die sich keiner Unterscheidung verdankt.

Wir finden diese reine Differenz, die sich keiner Unterscheidung verdankt, nur in einer vollkommen abstrakten Differenz. Nennen wir diese Differenz nun die Entscheidung der Entscheidung zur Ent-Scheidung und denken wir uns darin die Bedingung der Möglichkeit des Denkens des Denkens des Denkens verortet, das heißt die Bedingung der Möglichkeit von Kommunikation und Bewusstsein.

Diesen Komplex bezeichnet die Logologik.

Wir gelangen dadurch auf die Ebene der inhaltlichen Differenz, wo der antinomische Doppel-Begriff von Iddox/Paradox sowie deren Iddologie und Paradoxologie, von welchen hier alles handelt, den einseitigen Begriff der Ontologie ersetzt, beziehungsweise als eine Hilfskonstruktion der klassischen Logik ausweist, die selbstredend weiterhin Gültigkeit hat, aber durch die höheren, abstrakteren philosophischen Kategorien von Iddologie/Paradoxologie ihres paradigmatischen Absolutheitsanspruchs endgültig enthoben wird.

Iddologie: bezeichnet hier nun schlicht die Lehre der Plötzlichkeit, die Lehre vom instantanen Wunder der Tat-Sachen und Fakten, die durch Unterscheidung (Benennen) augenblicklich geschaffen werden.

Der injunktive Prozesses des Bezeichens durch den Beobachter, der eine Unterscheidung trifft und dieselbe Unterscheidung wieder und wieder trifft, indem er sich erinnert, sie schon getroffen zu haben, schafft Tat-Sachen. Die kontinuierliche Erinnerung einer gemeinsamen Welt drückt sich als stete Wiederholung einmal getroffener Unterscheidungen aus: „Dieser“, „Diese“, „Dieses“.

Iddox ist das Kürzel für die unterschiedene Unterscheidung als gezielte Aufmerksamkeit und absichtsvolle Fokussierung und es bezeichnet zugleich den Unterschied, der einen Unterschied macht, wenn die Verschieblichkeit gegenseitiger Bezeichnung über Veränderungen informiert.

Iddologie subsumiert den Begriff der Tautologie der klassischen Logik (a rose is a rose is a rose Gertrude Stein), sowie die Wiederholung des einmal genannten: das Gedächtnis, die Erinnerung – entsprechend dem Spencer Brownschen Gesetz des Nennens (Law of calling).

Paradoxologie bezeichnete im scheinbaren Gegensatz dazu die Lehre vom injunktiven Prozess der De-Konstruktion und/oder der Kreation durch das Kreuzen des Beobachters. Wir meinen damit sehr doppeldeutig das Kreuz des Kreuzens, das „Marschieren des Markers“ (Luhmann), die „Grosse Haupttätigkeit“ (Nietzsche) der Unterscheidung/Bezeichnung, kurz gesagt die autologische, autopoietische (gegenseitige) Selbst-Begründung, wie damit unabdingbar einhergehende Konstruktion einer gemeinsamen Welt durch absichtsvolle Aufmerksamkeit, bewusste Wahrnehmung, beziehungsweise gezielte Fokussierung und Differenzierung: die Implikationen des Spencer Brownschen Gesetzes des Kreuzens (Law of crossing). Denn Kreuzen ist Kreation und die ist paradox konstituiert.

Die Paradoxologie umfasst die Antinomienlehre, den Schwebe-Modus der Kontradiktionen, die Stange Loops, Seltsamen Schleifen und Verwickelten Hierarchien der Gegensätze.

Sie subsumiert die analoge
antinomische Kurzformel des Paradox: „Dieses weil Nicht-Dieses, Nicht-Dieses weil Dieses“ oder „Etwas ist, wenn es nicht ist und etwas ist nicht, wenn es ist“.

Sie bezeichnet die Unbestimmtheit und Unentscheidbarkeit. Der sich selbst aufhebende Unterschied, der sich stets selbst aufhebende Widerspruch ist auch das Thema des Spencer Brownschen Kreuzens und der Re-entry - des Wiedereintritts der Form in die Form.

Die Paradoxologie bezeichnet gleichzeitig den Prozess der freien Kontemplation in der Reflexion, sowie andererseits die Kleinen und Großen Seltsamen Schleifen zum Beispiel die des Weiter(er)zählens, um am Ende wieder zum Anfang zurückzukehren.

Sylvia Taraba

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