Peter Fuchs, Michael Wörz
Die Reise nach Wladiwostok

Eine systemtheoretische Exkursion
mwb 2004


103 Un-jekt
105… wir waren bei den Un-jekten und bei den Systemen. Unter Systemen dürfen wir also weder Objekte noch Subjekte, weder Gegenstände noch Täter verstehen, sondern eben Un-jekte.
Ich vermute, dass uns die Sprache hier einen Streich spielt. Wir sind es gewohnt, Sätze mit Subjekte, Prädikat und Objekt zu bilden und glauben, aus welchen Gründen auch immer, es gäbe nun auch Subjekte, Prädikate und Objekte. Nach Wittgenstein ist die Grammatik für uns das, was für die Fliege die Glasscheibe ist. Man spürt den Widerstand und kapiert nicht, warum es nicht weitergeht. Für die Fliege ist die Scheibe ein Unjekt.
110 … dieses Bild vom Unjekt hat den Vorteil, dass es uns daran hindert, bei Systemen immer so eine Art Ding vor uns zu sehen, das in eine Umwelt, die auch so eine Art Ding zu sein scheint, eingebettet ist.
112… Unjekt ist sicher der Ausdruck für eine Differenz-im-Betrieb
113… die lange Tradition eines Wortes wie Unjekt.
114... in der negativen Theologie wird der Begriff Gottes gewonnen durch die Negation aller denkbaren Eigenschaften. Was immer wir ihm zuschreiben, er ist es nicht. Man könnte dies alles Traditionen des Weder/Noch nennen.
115… was ich verstanden habe, das ist, dass die Systemtheorie, wenn sie ihre Systeme als Unjekt begreift, negative Theologie betreibt, Unjekte sind irgendwie gottähnlich - nicht greifbar.
116... Es genügt doch, wenn man die Figur versteht, die besagt, dass im Zentrum unserer Überlegungen eine Ortlosigkeit steht, die wir differenztheoretisch zu verstehen versuchen.
117...Es heisst...es geht...In Gottes Namen, es ist der Name einer Differenz.
117... Unjekte (sind) was sie sind nur in Differenz zu dem, was sie nicht sind.
118... S: Das Wort „Unjekt“ ist doch nur der Ausdruck dafür, dass Systeme keine Orte, Räume, Dinge sind.
F: Aber was hat man davon, wenn man das weiß?
S: Zum Beispiel kann man dann die Beobachtungsebene wechseln. Die Beobachtung erster Ordnung wäre die, die ein Ding „System“ herstellt. Auf der Beobachtungsebene zweiter Ordnung lässt sich erkennen, dass das System an der Unterscheidung des Beobachters aufgehängt ist. Und damit es auch schön zirkulär bleibt: man kann ebenfalls erkennen, dass der Beobachter keine Wahl hat, als sich - sobald er diese Ebene erreicht - selbst als etwas aufzufassen, das unter die Unterscheidung des Systems Welt.
B: Ich beobachte, ich bin ein System, ich bin ein System, weil ich beobachte.
S: Nett, dieser Versuch. Aber dieses „Ich“ ist doch sehr hinderlich.
W: Das „Ich“ können sie nicht löschen.
S: Wo liegt das Problem? Wir würden doch kaum sagen, dass das Ich ein System ist? Wo hätte es denn seine Grenze? Was wäre seine Operation?
B: Du meinst wahrscheinlich, dass das ich ein Zeichen ist, dass vom System des Bewusstseins mitunter in Anspruch genommen wird, aber selbstverständlich selbst kein Bewusstsein ist oder hat.
120 S:… dass das „Ich“ kein System ist. Wir müssen uns also an das Bewusstsein halten. Das ist allem Herkommen nach doch ein System - eine Differenz-im-Betrieb - ein Unjekt eben.


Peter Fuchs

HOME